Importverbot – Apfelschnecke

Apfelschnecke

Mit Wirkung vom 8. November 2012 gilt ein Verbot für Apfelschnecken der Gattung Pomacea in der EU. Pomacea ist der gültige Gattungsname für Apfelschnecken, die früher als Ampullaria bekannt waren. Aufgrund dieses Verbotes ist die Einfuhr, der Handel, der Besitz und die Zucht von Apfelschnecken aller Arten der Gattung Pomacea innerhalb der EU verboten. Das gilt für kommerzielle Haltungen ebenso wie für Privatpersonen.

Der Hintergrund des Verbotes
Im August 2009 wurden erstmals Apfelschnecken in Spanien, genauer gesagt, in der linken Hälfte des Ebro-Deltas festgestellt. Seither hat sich die Art in dem betroffenen Gebiet stark ausgebreitet und sich zu einem schweren Schädling in den Reisfeldern entwickelt. Bei der Apfelschnecken-Art handelt es sich um Pomacea insularum, einer Art aus dem so-genannten Pomacea-caniculata-Komplex. Die Arten sind bei Apfelschnecken nur sehr schwer und nur von Spezialisten auseinanderzuhalten. Sie sind sehr anpassungsfähig und wandelbar, so dass unterschiedliche Arten praktisch identisch aussehen können. Nur DNS-Analysen erlauben derzeit eine sichere Artbestimmung und auch das ist erst seit kurzem möglich. Da mehrere Arten von Apfelschnecken – neben der im Ebro-Delta aufgetretenen P. insularum sicher auch die eng verwandte P. caniculata – aufgrund der Tatsache, dass ihre ursprüngliche Heimat in den gemäßigten Breiten von Südamerika liegt, problemlos Temperaturen bis knapp über den Gefrierpunkt überleben und sich die verschiedenen Apfelschnecken-Arten äußerlich nicht oder kaum unterscheiden, wurden sicherheitshalber ein Verbot für alle Arten erlassen.
Apfelschnecke

Eine weltweite Seuche

Apfelschnecken der Gattung Pomacea gelten zwischenzeitlich weltweit als gefährliche, invasive Arten. Der Grund dafür, dass man heute wenigstens ansatzweise etwas über ihre Biologie und besonders auch ihre Systematik weiß, liegt darin, dass einige Arten (P. caniculata, P. insularum, P. diffusa und P. scalaris) sich in weiten Teilen Südostasiens ausgebreitet und einige davon sich als schwere Schädlinge in den Reispflanzungen erwiesen haben. Darum wurde für die sonst so gerne belächelte Grundlagenforschung Geld locker gemacht, das es ermöglichte, einige Sachverhalte zu klären. Außer in Südostasien (Burma, China, Guam, Hongkong, Indonesien, Japan, Kambodscha, Laos, Papua Neu-Guinea, Philippinen, Singapur, Südkorea, Taiwan, Thailand, Vietnam) breiten sich Apfelschnecken der Gattung Pomacea auch in Teilen der USA, in der Dominikanischen Republik/Haiti, Puerto Rico und anderen Teilen der Welt aus. In ihrer ursprünglichen Heimat, nämlich Südamerika, fallen diese Apfelschnecken hingegen nicht weiter unangenehm auf. Auch die in Afrika und Asien ursprünglich heimischen Apfelschnecken, die den Gattungen Afropomus, Lanistes, Pila und Saulea angehören, sind bislang nicht als Reisschädlinge aufgefallen. Allerdings werden zumindest die asiatischen Pila-Arten teils von den Neuankömmlingen verdrängt und stehen daher unter Beobachtung, um ihre Bestandsentwicklung zu erfassen. Neben Reis werden auch zahlreiche andere Sumpf- und Wasserpflanzen von Pomacea-Arten gefressen und dort, wo diese Apfelschnecken auftreten, teils an den Rand der Ausrottung gebracht.

Der Ursprung der Ebro-Schnecken

Wie Pomacea insularum in das Ebro-Delta kamen, ist unbekannt. Es erscheint wenig wahrscheinlich, dass es sich um ausgesetzte Aquarientiere handelt, denn in der Aquaristik wird in allererster Linie eine andere Art gepflegt (dazu gleich mehr), doch ganz ausgeschlossen werden kann das nicht. Darum auch an dieser Stelle nochmal der dringende Appell an aller Aquarianer/innen: bitte, bitte, niemals irgendwelche Tiere, die man nicht mehr weiterpflegen kann oder will, aussetzen! In den allermeisten Fällen sterben diese ausgesetzten Tiere einen qualvollen Tod, doch die wenigen, die überleben, können einen extrem negativen Einfluss auf die ursprüngliche Fauna haben und im Extremfall zur Ausrottung ganzer Arten führen! Das Tierschutzgesetz verbietet es, unliebsam gewordene Pfleglinge einfach abzutöten, doch kann man sie immer in Zoos bringen, wo sie anderen Tieren als Nahrung dienen können und so wenigstens nicht sinnlos sterben müssen.  Wahrscheinlicher als eine Aussetzung ist im Falle der Ebro-Schnecken aber, dass Jungtiere mit Wasserpflanzen (z.B. jungen Reispflanzen) eingeschleppt wurden. Entsprechend wurde mit dem Verbot der Apfelschnecken eine Verordnung erlassen, die eine strenge Kontrolle von Sumpf- und Wasserpflanzen beim Verbringen in die EU vorschreibt.

Apfelschnecken in der Aquaristik
Apfelschnecken der Gattung Pomacea sind in der Aquaristik sehr beliebt. Sie sind groß und repräsentativ, die diversen Zuchtformen auch sehr bunt. Für züchtende Aquarianer sind Apfelschnecken zudem sehr nützlich, da sie in Aufzuchtaquarien, in denen stark gefüttert werden muss, hervorragende Putzhilfen darstellen. Die Riesen-Apfelschnecke (Pomacea maculata, im Hobby gerne mit dem ungültigen Namen P. gigas belegt) ist die größte Süßwasser-Apfelschnecke der Welt und erreicht gut und gerne 15 cm Gehäuse-Durchmesser! Pomacea-Arten haben zudem den Vorteil, dass sie sich nicht unkontrolliert vermehren können, denn sie legen ihre Eier in Trauben außerhalb des Wassers ab, wo sie leicht entfernt werden können, wenn man keinen Nachwuchs wünscht. Diese auffallenden, himbeerfarbenen Eitrauben sind übrigens der sicherste Hinweis für ein Auftreten von Apfelschnecken in der Natur und erlauben auch eine sichere Bestandsabschätzung. Allerdings sind die pflanzenfressenden Pomacea-Arten, wie P. insularum und P. caniculatum, im Aquarium durchaus unbeliebt und werden daher in der Regel nur von wenigen Spezialisten gepflegt. Die im Hobby verbreitete Art, von der zahlreiche Zuchtformen existieren (gold, weiß, blau, violett, pink, gestreift) ist Pomacea diffusa und diese Art ist in Europa niemals eine Gefahr, da es sich um eine auf Aufwuchs als Nahrung spezialisierte Art handelt; zwar nagt auch diese Art einmal zarte Wasserpflänzchen an, als Reisschädling ist sie hingegen nicht vorstellbar, zumindest nicht in Europa, da P. diffusa Temperaturen unter 15°C nicht erträgt und stirbt.

Apfelschnecke 1

Unschöne Konsequenzen
Von Pomacea-Arten geht natürlich nur in den EU-Staaten eine ernste Gefahr aus, in denen Reis angebaut wird, also Spanien, Italien, Bulgarien, Frankreich, Griechenland, Ungarn, Portugal und Rumänien. In mittel- oder nordeuropäischen EU-Ländern, wie Deutschland, kann keine Apfelschnecke den Winter überleben. Es wurde daher versucht, das Apfelschnecken-Verbot auf solche Staaten zu begrenzen, in denen Pomacea-Freisetzungen auch zu einer Gefahr werden könnten. Ein derartiges Vorgehen gibt es in der EU aber nicht. Alle oder keiner heißt es hier und so sind nun ab sofort alle EU-Staaten vom Apfelschnecken-Verbot betroffen.

Klopft morgen die Polizei an die Tür und beschlagnahmt Apfelschnecken?
Davon ist, zumindest in Deutschland, nicht auszugehen. Denn wenngleich das Import-, Handels-, Besitz-, Pflege- und Zuchtverbot EU-weit gilt, ist die Umsetzung dieses Verbotes Sache der jeweiligen EU-Mitgliedsstaaten. Da in Deutschland weder Reisanbau betrieben wird noch damit zu rechnen ist, dass es überhaupt zu einer Ansiedlung von freilebenden Apfelschnecken in unserem Klima kommen kann, werden die Behörden wahrscheinlich nicht sonderlich aktiv werden. Anders sieht das aus, wenn Apfelschnecken der Gattung Pomacea auf Börsen, im Internet oder in Kleinanzeigen angeboten und verkauft werden. Hier ist durchaus damit zu rechnen, dass es zu Strafanzeigen kommt, dergleichen sollte man also besser unterlassen.

Alternativen

Wer weiterhin legal Apfelschnecken pflegen und züchten will, muss darauf nicht verzichten. Man kann auf Pila-Arten zurückgreifen, die aus Thailand importiert werden, oder auf die hübsche südamerikanische Art Asolene spixi (Zebra-Apfelschnecke), die ihre Eier unter Wasser ablegt.

Ausblick
Es ist schade, dass die Verantwortlichen in der EU sich nicht dazu durchringen konnten, die harmlose Pomacea diffusa in ihren bunten Zuchtformen weiterhin legal handelbar zu lassen, denn diese Tiere sind nun wirklich unverwechselbar. Doch steht ja in der Verordnung, dass sie vor dem 28. Februar 2015 überprüft werden soll. Vielleicht sieht ja die Apfelschnecken-Welt in drei Jahren schon wieder ganz anders aus…