Amblydoras nauticus – der Knurrende Dornwels

Dieser Dornwels gehört seit Jahrzehnten zu den am häufigsten importierten Vertretern der Familie. Allerdings ist Amblydoras nauticus seit 1950 falsch identifiziert worden, nämlich als Amblydoras hancockii; unter diesem Namen findet man die Fische in der meisten aquaristischen und wissenschaftlichen Literatur. Die Dornwelsart hancockii gibt es wirklich, es ist ein schwarzer Dornwels mit einem hellen Längsband, der heutzutage in der Gattung Platydoras steht. Es handelte sich also um eine klassische Fehlbestimmung von Amblydoras nauticus.

Amblydoras aus Peru, wahrscheinlich A. nauticus

Amblydoras nauticus wurde 1874 aus Peru beschrieben; leider gab es von Anfang an Verwirrung um diese etwa 7-8 cm lang werdende, sehr friedliche Art. Der Erstbeschreiber Cope merkte nämlich nicht, dass sein Material zum Teil (4 von 6 Exemplaren) der von ihm selbst zwei Jahre früher (1872) beschriebenen Art Amblydoras monitor gehörte! Offenbar sind sich diese beiden Amblydoras-Arten also außerordentlich ähnlich. A. monitor hat aber eine sehr viel weitere Verbreitung: Brasilien, Kolumbien und Guyana. A. monitor wird auch etwas größer, nämlich 9 cm.

Die Panzerung der Art ist beeindruckend.

Gezüchtet wurde A. nauticus noch nicht; die Beschreibung, dieser Dornwels sei ein Schaumnestbauer, bezieht sich vermutlich auf Verwechslungen mit Callichthys callichtys. Denn der Entdecker der Art Platydoras hancockii, John Hancock, beschreibt in einer Publikation aus dem Jahr 1828, dass der Dornwels aus Demerara (Guyana) bei Austrocknung des Wohngewässers über Land wandern solle und eben auch zur Fortpflanzung ein Schaumnest baue. Beides tut Callichthys callichthys, aber keine Dornwels-Art.

Amblydoras können Luft atmen, über Land wandern können sie aber nicht.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass alle als  „Amblydoras hancockii“ gehandelten Dornwelse in Wirklichkeit A. nauticus oder A. monitor sind. Die Unterscheidung der beiden Arten ist schwierig; sie kommen auch gemeinsam vor. Verlässliche Unterscheidungsmerkmale sind unseres Wissens nicht publiziert, die von Cope genannten scheinen nicht zuverlässig zu sein.

Wir recherchieren das Thema weiter und sobald wir mehr wissen, erfahren Sie es hier. Die fotografierten Tiere, die diesen Beitrag illustrieren, stammen aus Peru.

Frank Schäfer

Über den Autor Frank Schäfer

Frank Schäfer, geboren 1964, Biologe, seit frühester Jugend Tier- und Pflanzenhalter aus Leidenschaft. Sein besonderes Interesse gilt seit jeher den Fischen, aber Reptilien, Amphibien, Wirbellose, Kleinsäuger und Vögel sowie eine Vielzahl von Pflanzen begeistern ihn ebenso.

Seit 1980 Mitglied im Verein für Aquarien- und Terrarienkunde Hottonia e.V., dort seit 1982 auch immer wieder Vorstandsämter (Gartenwart, Redakteur der Vereinszeitschrift, 1. Schriftführer), seit 1982 Mitglied in der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische (IGL), seit 1992 auch im European Anabantoid Club (EAC). Erste Fachartikel über Pflege und Zucht von Puntius vittatus, Macropodus opercularis, Trionyx ferox und Polypterus senegalus in der Hottonia-Post 1981; erste große Fischfangreise in die Tropen 1983 nach Sumatra, worüber anschließend zahlreiche Aufsätze in der Hottonia-Post, der Zeitschrift „Der Makropode“ und „Das Aquarium“ erschienen; von da an regelmäßig Publikationen in vielen aquaristischen Fachzeitschriften, sowohl national wie auch international. Seither außerdem jährlich mehrere Dia-Vorträge auf nationalen und internationalen Tagungen.

Studium der Biologie in Darmstadt von 1984-1989, Abschluss als Diplom-Biologe mit den Prüfungsfächern Zoologie, Botanik, Ökologie und Psychologie. Diplomarbeit bei Prof. Ragnar Kinzelbach zum Thema „Wirtspezifität der Glochidien von Anodonta anatina“.

Zahlreiche Fang-, Sammel- und Studienreisen in das europäische Ausland, die Türkei, Sambia und vor allem Indien; Forschungsschwerpunkt ist die Süßwasserfischfauna des Ganges mit dem Ziel einer kompletten Revision der Arbeit von Francis Hamilton (1822): An account of the fishes found in the river Ganges and its branches. Edinburgh & London. Wissenschaftliche Erstbeschreibung von Oreichthys crenuchoides und gemeinsam mit Ulrich Schliewen von Polypterus mokelembembe. Wissenschaftliche Besuche und kurzzeitige Arbeiten in den zoologischen Sammlungen von London, Paris, Brüssel, Tervueren, Wien, Berlin, Frankfurt und München.

Seit 1996 bis heute Redakteur bei Aqualog und wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Fischbestimmung bei Aquarium Glaser, Rodgau. In dieser Zeit verantwortlich als Autor oder Co-Autor von über 20 Büchern und über 400 größeren Fachartikeln, nicht nur bei Aqualog, sondern bei nahezu allen deutschsprachigen Fachverlagen, vereinzelt auch in internationalen Publikationen. Seit 2009 Betreuung der Homepage und des Newsletters bei Aquarium Glaser mit 3-5 Posts pro Woche. Nach wie vor leidenschaftlicher Tier- und Pflanzenpfleger, quer durch den Gemüsegarten: Aquaristik (Süß- und Seewasser), Terraristik, Teichpflege, Kleinvögel.

Frank Schäfer ist verheiratet und hat zwei Töchter, die 1989 und 1991 geboren wurden.

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