Babyalarm bei Acanthodactylus scutellatus

Vor ein paar Wochen legten wir Ihnen die netten Fransenfingereidechsen ans Herz, die z.B. das Tropenparadies (www.tropenparadies.org) aus Ägypten importierte (https://www.aqualog.de/blog/acanthodactylus-scutellatus-eidechsen-zum-spass-haben/). Nun schlüpfte das erste Jungtier, ein ganz niedliches Tierchen. Die Inkubation bei Acanthodactylus scutellatus ist sehr einfach, wie bei den meisten echten Eidechsen. Die Eier sind weichschalig und werden lediglich auf feuchten Zellstoff (Küchenrolle, Klopapier) gelegt. Das Ganze packt man in eine leere Heimchendose und ab damit in den Inkubator. Ich habe als Bruttemperatur 30°C eingestellt. Leider kann ich nicht genau sagen, wie lange die Eientwicklung dauert, weil ich das Gelege erst einige Zeit nach der Ablage durch Zufall fand: die Erwachsenen hatten das Ei bei ihren Wühlarbeiten freigelegt. So schlüpfte das Jungtier schon nach 23 Tagen im Inkubator, aber es ist davon auszugehen, dass die Gesamtzeitigungsdauer bei dieser Art ca. 60-70 Tagen liegt.

Der Vergleich mit der 1-Cent-Münze zeigt, wie winzig ein solches frischgeschlüpftes Echslein ist.

Das Ei wurde täglich kurz kontrolliert und bei Bedarf der Zellstoff etwas nachbefeuchtet. Bei Schimmelbildung wechselt man den Zellstoff aus, das Ei ist nicht sehr empfindlich gegen Manipulationen, man muss nur aufpassen, dass es nicht gedreht wird. Der Schlupf kündigt sich durch feine parallele Linien an, die plötzlich entlang des Eies erscheinen. Die entstehen, wenn das schlupfreife Jungtier die Eischale mit dem so genannten Eizahn, der sich auf der Schnauzenspitze befindet und kurz nach dem Schlupf verschwindet, anritzt. In diesem Fall blieb das Jungtier noch einige Stunden im Ei, nachdem es den Kopf herausgestreckt hatte. Da darf man nicht ungeduldig werden! Ich habe lediglich ein wenig Wasser gesprüht, damit nichts antrocknen und verkleben kann. Gutgemeinte Befreiungsversuche bewirken meist nichts Sinnvolles. Ein Jungtier, das sich nicht selbstständig aus dem Ei befreien kann, ist ohnehin in aller Regel nicht lebensfähig. Wenn die Tierchen noch etwas im Ei bleiben, resorbieren sie gewöhnlich restlichen Eidotter, ein wichtiger Nährstoffschub für den Start ins Leben. Die ersten paar Tage nach dem Schlupf braucht man noch kein Futter anzubieten. Ich lasse das Tierchen einfach im Brutschrank, nur in einer unteren Stufe, wo es etwas kühler ist. Erst wenn sich der Nabel am Bauch vollständig geschlossen hat beginnt der nächste Abschnitt im Leben des Echsleins. Dazu ein andermal mehr…

Frank Schäfer

Weiteren Lesestoff über Echsen finden Sie hier: https://www.animalbook.de/navi.php?qs=echsen

Über den Autor Frank Schäfer

Frank Schäfer, geboren 1964, Biologe, seit frühester Jugend Tier- und Pflanzenhalter aus Leidenschaft. Sein besonderes Interesse gilt seit jeher den Fischen, aber Reptilien, Amphibien, Wirbellose, Kleinsäuger und Vögel sowie eine Vielzahl von Pflanzen begeistern ihn ebenso.

Seit 1980 Mitglied im Verein für Aquarien- und Terrarienkunde Hottonia e.V., dort seit 1982 auch immer wieder Vorstandsämter (Gartenwart, Redakteur der Vereinszeitschrift, 1. Schriftführer), seit 1982 Mitglied in der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische (IGL), seit 1992 auch im European Anabantoid Club (EAC). Erste Fachartikel über Pflege und Zucht von Puntius vittatus, Macropodus opercularis, Trionyx ferox und Polypterus senegalus in der Hottonia-Post 1981; erste große Fischfangreise in die Tropen 1983 nach Sumatra, worüber anschließend zahlreiche Aufsätze in der Hottonia-Post, der Zeitschrift „Der Makropode“ und „Das Aquarium“ erschienen; von da an regelmäßig Publikationen in vielen aquaristischen Fachzeitschriften, sowohl national wie auch international. Seither außerdem jährlich mehrere Dia-Vorträge auf nationalen und internationalen Tagungen.

Studium der Biologie in Darmstadt von 1984-1989, Abschluss als Diplom-Biologe mit den Prüfungsfächern Zoologie, Botanik, Ökologie und Psychologie. Diplomarbeit bei Prof. Ragnar Kinzelbach zum Thema „Wirtspezifität der Glochidien von Anodonta anatina“.

Zahlreiche Fang-, Sammel- und Studienreisen in das europäische Ausland, die Türkei, Sambia und vor allem Indien; Forschungsschwerpunkt ist die Süßwasserfischfauna des Ganges mit dem Ziel einer kompletten Revision der Arbeit von Francis Hamilton (1822): An account of the fishes found in the river Ganges and its branches. Edinburgh & London. Wissenschaftliche Erstbeschreibung von Oreichthys crenuchoides und gemeinsam mit Ulrich Schliewen von Polypterus mokelembembe. Wissenschaftliche Besuche und kurzzeitige Arbeiten in den zoologischen Sammlungen von London, Paris, Brüssel, Tervueren, Wien, Berlin, Frankfurt und München.

Seit 1996 bis heute Redakteur bei Aqualog und wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Fischbestimmung bei Aquarium Glaser, Rodgau. In dieser Zeit verantwortlich als Autor oder Co-Autor von über 20 Büchern und über 400 größeren Fachartikeln, nicht nur bei Aqualog, sondern bei nahezu allen deutschsprachigen Fachverlagen, vereinzelt auch in internationalen Publikationen. Seit 2009 Betreuung der Homepage und des Newsletters bei Aquarium Glaser mit 3-5 Posts pro Woche. Nach wie vor leidenschaftlicher Tier- und Pflanzenpfleger, quer durch den Gemüsegarten: Aquaristik (Süß- und Seewasser), Terraristik, Teichpflege, Kleinvögel.

Frank Schäfer ist verheiratet und hat zwei Töchter, die 1989 und 1991 geboren wurden.

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