Der Blaue Fadenfisch – Teil 2: Pflege & Zucht

Ein Paar aus Vietnam. .

Ein Paar aus Vietnam…

Pflege von Fadenfischen
Jungtiere des Punktierten Gurami, wie sie  überall im Zoofachhandel erhältlich sind, sind sehr hübsche und problemlose Aquarienfische. Die Tiere sind sehr friedlich und lassen die Pflanzen in Ruhe, lassen sich leicht mit jeglichem Zierfischfutter passender Größe ernähren und stellen keinerlei Ansprüche an Härte und pH-Wert. Die Wassertemperatur kann sich zwischen 18 und 30°C bewegen, wobei man den Fadenfischen nachsagt, dass sie höhere Temperaturen (24-28°C) bevorzugen; wenn die Tiere herangewachsen sind, erreichen sie eine Gesamtlänge zwischen 8 und 12 cm. Werden sie sexuell aktiv, können manche männlichen Exemplare aggressive Verhaltensweisen entwickeln. In kleineren Aquarien können sie nicht nur Artgenossen, sondern auch artfremde Fische umbringen. Leider ist es unmöglich vorherzusagen, welche Exemplare aggressiv werden und welche friedlich bleiben. Es ist darum verständlich, wenn manche Aquarianer, die einmal das Pech hatten, ein bösartiges Tier zu pflegen, kaum noch dazu zu bringen sind, es erneut mit Punktierten Fadenfischen zu versuchen. Allerdings gelten goldene, silberfarbene und Cosby-Mutanten grundsätzlich als friedfertiger, verglichen mit wildfarbigen Tieren. Auch die Blauen, die seit über 80 Jahren ausschließlich als Nachzuchten gepflegt werden. In den Zuchtanstalten arbeitet man gewöhnlich nicht mit übermäßig aggressiven Männchen. Und da auch Verhalten zu einem großen Teil vererbt wird, sind viele Blaue Guramis ziemlich friedlich. Dabei darf man jedoch nicht vergessen, dass Fadenfische in den Zuchtanstalten gewöhnlich in großen Freilandteichen vermehrt werden. Hier fällt es nicht weiter ins Gewicht, wenn einmal ein garstiges Männchen zur Fortpflanzung kommt. Pech kann man immer haben…

Ein Paar von thailändischen Insel Phuket.

Ein Paar von der thailändischen Insel Phuket.

Fadenfischzucht
Trichogaster-Fadenfische sind ganz und gar typische Schaumnestbauer. Das bedeutet, das Männchen besetzt ein Revier und baut darin aus mit einem in der Mundhöhle gebildeten Sekret umhüllten Luftbläschen ein Schaumnest an der Wasseroberfläche. Alle Farbvarianten/Mutanten des Punktierten Fadenfisches verwenden dabei typischerweise KEINE zusätzlichen Baustoffe, sondern nur Bläschen. Der Mosaik- und der Mondscheinfadenfisch (Trichogaster leerii und T. microlepis) bauen dagegen sehr gerne feine Pflanzenwurzeln, Algen etc. mit ein. Die Art T. pectoralis (Schaufelfadenfisch) wiederum gleicht bezüglich des Schaumnestbaues dem Punktierten Fadenfisch, nur ist das Nest des deutlich größeren, 15-20 cm langen T. pectoralis eher klein und kompakt, das des Punktierten Fadenfisches großflächiger. Man weiß aber von vielen Labyrinthfischen, dass beim Nestbau auch immer wieder einmal individuelle Abweichungen vorkommen. Bei der Zucht ist es wichtig, einen niedrigen Wasserstand (maximal 20 cm, 15 cm sind besser) und eine hohe Wassertemperatur zu wählen; 30-32°C sind angemessen. Die Härte und der pH-Wert spielen eine untergeordnete Rolle, jedes normale Leitungswasser eignet sich auch für die Zucht. Da das Männchen während der Nestbauphase sehr aggressiv sein kann, muss man dem Weibchen Versteckmöglichkeiten bieten. Das können Pflanzenbüsche sein (die meisten Pflanzen vertragen allerdings die hohen Temperaturen nicht), aber auch senkrecht stehende Steinplatten. Ideal, wenn auch potthässlich, sind schwimmende Stücke von PVC-Rohr mit 5 cm Durchmesser, wie sie für Wasserleitungen in Baumärkten angeboten werden. Hier finden die Weibchen Deckung, sind für das Männchen weitgehend unsichtbar und müssen zum Luftholen nicht weit aus dem Versteck heraus. Man sollte immer nur Weibchen mit bereits deutlich sichtbarem Laichansatz zur Zucht ansetzen, sonst kann das Männchen das Weibchen zu Tode hetzen. Ein laichreifes Weibchen hingegen sucht aktiv die Nähe des Männchens und signalisiert Paarungsbereitschaft.

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Zwei Männchen des Mosaikfadenfisches.

Man erkennt die Weibchen beim Punktierten Fadenfisch immer sicher an der Form der Rückenflosse, die beim Männchen lang und spitz ausgezogen ist, beim Weibchen dagegen kürzer und am hinteren Ende abgerundet. Das Ablaichen ist wieder ganz labyrinthfisch typisch. Das Männchen umschlingt das Weibchen in Form eines U und kippt so mit dem Weibchen auf die Seite. Währenddessen werden Eier und Spermien abgegeben. Die winzigen Eier enthalten ein Öltröpfchen und steigen daher von alleine zur Wasseroberfläche auf, wo sie das Männchen einsammelt und in das Nest spuckt. Das Weibchen beteiligt sich nicht an der Brutpflege, die ist Männersache. Darum fängt man das Weibchen nach dem Ablaichen auch am besten aus dem Aquarium, es stört eher als das es nutzt und läuft zudem Gefahr, von dem brutpflegenden Männchen angegriffen und verletzt oder getötet zu werden. Die winzigen Jungfische, es sind bis zu 1.500 – 2.000 von ihnen, schlüpfen bei Temperaturen um 30°C bereits nach ca. 24 Stunden, zwei weitere Tage später ist der Dottersack aufgezehrt und das Babygewimmel lässt sich nicht mehr im Nest zusammenhalten. Jetzt sollte auch der Papa abgefischt werden. Man sollte gar nicht erst versuchen, mehr als 100-150 Jungtiere aufzuziehen, bereits das erfordert sehr viel Platz und Zeit. In der Natur überleben statistisch gesehen nur zwei Tiere (also höchstens 0,1%, gewöhnlich jedoch viel weniger) von allen Nachkommen eines Paares und sorgen selbst für Nachwuchs, 99,9% gehen vorher zugrunde. Wenn wir 10% der Jungen aufziehen, ist das also mehr als genug.

Die Aufzucht der Jungen
Das Wachstum der Jungtiere ist rasant, bereits nach 8 Tagen können sie Artemia – Nauplien bewältigen; davor reicht in einem alteingerichteten Aquarium das dort vorhandene Mikroleben, das man mit einem Blatt getrockneten Salats noch ankurbelt. Eine winzige Prise (!) Eigelb eines hartgekochten Hühnereis, das man nach dem Kochen auf einem Brettchen zu einer flachen, rund 1 mm dicken Schicht ausstreicht (nur das Eigelb!) und bei 60°C im Backofen getrocknet hat, ist ebenfalls als Erstnahrung sehr gut geeignet. Ich rate davon ab, bei der Aufzucht einen Filter zu verwenden. Stattdessen darf der Wasserstand nicht höher als 10-15 cm sein. So kommt es aufgrund der Heizung zu einer ausreichenden Durchmischung des Wassers (warmes Wasser steigt vom Heizer zur Oberfläche auf, kühleres, sauerstoffangereichertes Wasser sinkt von der Wasseroberfläche nach unten). Ab der zweiten Lebenswoche sollte ein täglicher Teilwasserwechsel von ca. 30% des Beckeninhalts durchgeführt werden, wobei die Temperatur des Frischwassers identisch mit der Temperatur des Beckens sein sollte. Einige kleinere Paradies-Schnecken (Marisa cornuarietis) halten das Becken sauber. Bereits nach 4 Wochen bildet sich das Labyrinth. Man erkennt das daran, dass die Jungtiere an der Wasseroberfläche Luft holen. Sie sind zu diesem Zeitpunkt ca. 1-1,5 cm groß. Während der Bildung des Labyrinthes verengt sich der Schlund und die Jungfische können an zu großen Futterbrocken ersticken. Darum füttert man am besten bis zu einer Größe von ca. 2 cm Artemia-Nauplien als Hauptfutter, dazu staubfeines Trockenfutter, das im Zoofachhandel angeboten wird. Wenn das Labyrinth fertig ausgebildet ist, kann man den Wasserspiegel auf Normalhöhe bringen und einen kleinen mit Luft betriebenen Blubberfilter installieren. Leider wachsen die Jungfische unterschiedlich rasch und vorwüchsige Tiere unterdrücken ihre Geschwister; dagegen hilft nur sortieren und auseinandersetzen. Nach ca. 5 Wochen sehen die Jungtiere bereits wie Miniatur-Ausgaben der Eltern aus. Zum Schluss: Niemals die Deckscheibe vergessen! Eine Deckscheibe auf dem Aquarium ist absolute Grundvoraussetzung für die Pflege und Zucht des Blauen Fadenfisches (und der meisten Labyrinthfische). Denn wenn die Luft über dem Aquarium kühler ist als das Wasser, so erkälten sich die Tiere beim Luftholen. Zwischen Deckscheibe und Wasseroberfläche muss mindestens 1 cm Abstand sein, etwas mehr ist besser. Labyrinthfische können tatsächlich ertrinken, wenn man sie am Lufholen hindert.

Das war sie, die Geschichte vom Blauen Fadenfisch. Und es gäbe noch so viel mehr zu erzählen. Aber das können Sie ja auch zuhause selbst beobachten….

Frank Schäfer

Über den Autor Frank Schäfer

Frank Schäfer, geboren 1964, Biologe, seit frühester Jugend Tier- und Pflanzenhalter aus Leidenschaft. Sein besonderes Interesse gilt seit jeher den Fischen, aber Reptilien, Amphibien, Wirbellose, Kleinsäuger und Vögel sowie eine Vielzahl von Pflanzen begeistern ihn ebenso.

Seit 1980 Mitglied im Verein für Aquarien- und Terrarienkunde Hottonia e.V., dort seit 1982 auch immer wieder Vorstandsämter (Gartenwart, Redakteur der Vereinszeitschrift, 1. Schriftführer), seit 1982 Mitglied in der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische (IGL), seit 1992 auch im European Anabantoid Club (EAC). Erste Fachartikel über Pflege und Zucht von Puntius vittatus, Macropodus opercularis, Trionyx ferox und Polypterus senegalus in der Hottonia-Post 1981; erste große Fischfangreise in die Tropen 1983 nach Sumatra, worüber anschließend zahlreiche Aufsätze in der Hottonia-Post, der Zeitschrift „Der Makropode“ und „Das Aquarium“ erschienen; von da an regelmäßig Publikationen in vielen aquaristischen Fachzeitschriften, sowohl national wie auch international. Seither außerdem jährlich mehrere Dia-Vorträge auf nationalen und internationalen Tagungen.

Studium der Biologie in Darmstadt von 1984-1989, Abschluss als Diplom-Biologe mit den Prüfungsfächern Zoologie, Botanik, Ökologie und Psychologie. Diplomarbeit bei Prof. Ragnar Kinzelbach zum Thema „Wirtspezifität der Glochidien von Anodonta anatina“.

Zahlreiche Fang-, Sammel- und Studienreisen in das europäische Ausland, die Türkei, Sambia und vor allem Indien; Forschungsschwerpunkt ist die Süßwasserfischfauna des Ganges mit dem Ziel einer kompletten Revision der Arbeit von Francis Hamilton (1822): An account of the fishes found in the river Ganges and its branches. Edinburgh & London. Wissenschaftliche Erstbeschreibung von Oreichthys crenuchoides und gemeinsam mit Ulrich Schliewen von Polypterus mokelembembe. Wissenschaftliche Besuche und kurzzeitige Arbeiten in den zoologischen Sammlungen von London, Paris, Brüssel, Tervueren, Wien, Berlin, Frankfurt und München.

Seit 1996 bis heute Redakteur bei Aqualog und wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Fischbestimmung bei Aquarium Glaser, Rodgau. In dieser Zeit verantwortlich als Autor oder Co-Autor von über 20 Büchern und über 400 größeren Fachartikeln, nicht nur bei Aqualog, sondern bei nahezu allen deutschsprachigen Fachverlagen, vereinzelt auch in internationalen Publikationen. Seit 2009 Betreuung der Homepage und des Newsletters bei Aquarium Glaser mit 3-5 Posts pro Woche. Nach wie vor leidenschaftlicher Tier- und Pflanzenpfleger, quer durch den Gemüsegarten: Aquaristik (Süß- und Seewasser), Terraristik, Teichpflege, Kleinvögel.

Frank Schäfer ist verheiratet und hat zwei Töchter, die 1989 und 1991 geboren wurden.

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