Der „Minihai“ hat einen neuen, alten Namen: Ariopsis simonsi

Seit Jahrzehnten erfreut sich ein eleganter, silberglänzender Fisch großer Beliebtheit im Zoofachhandel. Der Populärname „Minihai“ hat sich unausrottbar eingebürgert. Dabei ist dieser Fisch weder Mini noch Hai. Mit einer Maximallänge von gut 30 cm gehört er eher zur Bullenklasse und erreicht die Obergrenze der Größe von Fischen, die man gewöhnlich noch im Aquarium pflegt. Allerdings erreichen die Tiere sowohl in der Natur wie im Aquarium gewöhnlich nur 15-20 cm, aber auch das ist noch jenseits von „Mini“.

Ein Blick ins Gesicht zeigt: Barteln! Kein Hai hat so etwas und tatsächlich handelt es sich beim Mini-Hai um einen Wels aus der Familie der Ariidae, auf Deutsch auch Kreuzwelse genannt. Diese Welse leben, ganz im Gegensatz zu der überwältigenden Mehrzahl ihrer Vettern, vorzugsweise im Meer. Phantasiebegabte Menschen sehen in der Innenseite des Schädels ein Kruzifix, daher der Name „Kreuzwelse“. Kitschig ausgemalt kann man diese Naturkruzifixe vielerorts in Süd- und Mittelamerika kaufen.

Kreuzwelse sind Maulbrüter im männlichen Geschlecht. Es handelt sich um eine sehr artenreiche Familie, über 150 Arten in 30 Gattungen sind gegenwärtig akzeptiert. Allerdings machen die Kreuzwelse den Systematikern das Leben schwer. Sie sehen einander sehr ähnlich, viele vermeintlich artabgrenzende Merkmale erwiesen sich im Nachhinein als im Laufe der Individualentwicklung variierende Kennzeichen. Und so ist die wissenschaftliche Literatur über Kreuzwelse sehr verworren und schwierig zu interpretieren.

Nur eine einzige Art ist aquaristisch von Bedeutung, nämlich besagter Minihai. Er wird hauptsächlich aus Kolumbien (Zuflüsse des Pazifiks) importiert. Eigentlich ist er ein Brack- und Seewasserfisch, doch passt er sich problemlos an reines Süßwasser an, nur darf der pH-Wert nicht dauerhaft unter 7 sinken: saures Wasser bringt den Fisch um. Für die langjährige Pflege empfiehlt sich darum ein Brack- oder Meerwasseraquarium, denn hier ist das Wasser durch die Salzmischung gut auf einen pH-Wert von 8,3 gepuffert.

Zunächst nannte man den Minihai Arius jordani, dann galt dieser Name als Synonym zu A. seemanni. Und dann wurde die Art durch die Gattungen gereicht. Mal wurde er Arius, mal Sciades, mal Hexanematichthys und dann Ariopsis zugeordnet. Jetzt erschien eine Revision der Gattung Ariopsis. Nach dieser heißt unser Minihai jetzt richtig Ariopsis simonsi (Starks, 1906). Bislang war dieser Name in die Synonymie von A. seemanni verwiesen worden. Mal sehen, wie lange dieser Name nun Bestand hat…

Frank Schäfer

Literatur:

Marceniuk, A.P., Acero, A.P., Cooke, R. & Betancur-R, R. (2017): Taxonomic revision of the New World genus Ariopsis Gill (Siluriformes: Ariidae), with description of two new species. Zootaxa, 4290 (1): 1-42.

Und weiteren Lesestoff zum Thema Welse gibt es hier: https://www.animalbook.de/navi.php?qs=welse

 

Über den Autor Frank Schäfer

Frank Schäfer, geboren 1964, Biologe, seit frühester Jugend Tier- und Pflanzenhalter aus Leidenschaft. Sein besonderes Interesse gilt seit jeher den Fischen, aber Reptilien, Amphibien, Wirbellose, Kleinsäuger und Vögel sowie eine Vielzahl von Pflanzen begeistern ihn ebenso.

Seit 1980 Mitglied im Verein für Aquarien- und Terrarienkunde Hottonia e.V., dort seit 1982 auch immer wieder Vorstandsämter (Gartenwart, Redakteur der Vereinszeitschrift, 1. Schriftführer), seit 1982 Mitglied in der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische (IGL), seit 1992 auch im European Anabantoid Club (EAC). Erste Fachartikel über Pflege und Zucht von Puntius vittatus, Macropodus opercularis, Trionyx ferox und Polypterus senegalus in der Hottonia-Post 1981; erste große Fischfangreise in die Tropen 1983 nach Sumatra, worüber anschließend zahlreiche Aufsätze in der Hottonia-Post, der Zeitschrift „Der Makropode“ und „Das Aquarium“ erschienen; von da an regelmäßig Publikationen in vielen aquaristischen Fachzeitschriften, sowohl national wie auch international. Seither außerdem jährlich mehrere Dia-Vorträge auf nationalen und internationalen Tagungen.

Studium der Biologie in Darmstadt von 1984-1989, Abschluss als Diplom-Biologe mit den Prüfungsfächern Zoologie, Botanik, Ökologie und Psychologie. Diplomarbeit bei Prof. Ragnar Kinzelbach zum Thema „Wirtspezifität der Glochidien von Anodonta anatina“.

Zahlreiche Fang-, Sammel- und Studienreisen in das europäische Ausland, die Türkei, Sambia und vor allem Indien; Forschungsschwerpunkt ist die Süßwasserfischfauna des Ganges mit dem Ziel einer kompletten Revision der Arbeit von Francis Hamilton (1822): An account of the fishes found in the river Ganges and its branches. Edinburgh & London. Wissenschaftliche Erstbeschreibung von Oreichthys crenuchoides und gemeinsam mit Ulrich Schliewen von Polypterus mokelembembe. Wissenschaftliche Besuche und kurzzeitige Arbeiten in den zoologischen Sammlungen von London, Paris, Brüssel, Tervueren, Wien, Berlin, Frankfurt und München.

Seit 1996 bis heute Redakteur bei Aqualog und wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Fischbestimmung bei Aquarium Glaser, Rodgau. In dieser Zeit verantwortlich als Autor oder Co-Autor von über 20 Büchern und über 400 größeren Fachartikeln, nicht nur bei Aqualog, sondern bei nahezu allen deutschsprachigen Fachverlagen, vereinzelt auch in internationalen Publikationen. Seit 2009 Betreuung der Homepage und des Newsletters bei Aquarium Glaser mit 3-5 Posts pro Woche. Nach wie vor leidenschaftlicher Tier- und Pflanzenpfleger, quer durch den Gemüsegarten: Aquaristik (Süß- und Seewasser), Terraristik, Teichpflege, Kleinvögel.

Frank Schäfer ist verheiratet und hat zwei Töchter, die 1989 und 1991 geboren wurden.

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