Nano-Terrarien – Teil 3: Trockene Nano-Terrarien

Dieser Terrarientyp dient der Pflege und Zucht von Tieren der Steppen, Wüsten und Halbwüsten. Hitzeliebende bzw. tagaktive Arten, die gerne sonnenbaden, lassen sich aus verschiedenen Gründen (extreme Überhitzungs­ge­fahr!) in Nano-Terrarien nicht pflegen. Die am besten geeignet­en Arten sind dämmerungs- und nachtaktiv und verbringen die Hitze des Tages in der Natur in kühlen Verstecken mit einer gewissen Boden­feuchte, doch gibt es auch einige tagaktive Arten, die sich für trockene Nano-Terrarien eignen. Die Einrichtung eines solchen Terrariums muss das berücksichtigen. Ein Teil der Bodenwanne wird daher mittels eines mit Silikon wasserdicht eingeklebten Glasstreifens abgeteilt. Dieser Teil wird mit einem Torf-Sandgemisch (1:1, s. Teil 2) gefüllt und stets leicht feucht gehalten. Er dient als Tagesversteck und Eiablageplatz. Zur Kontrolle des Feuchtig­keitsgehaltes ist es sinnvoll eine kleine krautige Pflanze zu setzen, deren gedeihen anzeigt, ob der richtige Feuchtig­keitsgrad eingehalten wird. Jedes zuviel ist ebenso schlimm wie zu wenig.

Kleine Grünpflanzen, hier ein trockenheitsliebender Farn, sind exttem hilfreich beim Einstellen eines guten Mikroklimas im Nano-Terrarium.

Gut geeignet sind viele mediterrane Kräuter, besonders Thymian wirkt sehr natürlich. Leider sind diese Pflanzen ausgesprochen lichtbedürftig, so dass man, will man sie verwenden, gut beleuchten muss, auch wenn die Tiere das eigentlich nicht brauchen. Gleichfalls schön, weniger licht­bedürftig, aber wegen ihrer sukkulenten Blattstruktur weniger gut als Mikroklima­anzeiger geeignet, sind kleine Kalanchoen, Sanseverien und einige Sedum-Arten. Keinesfalls sollten stachelige Kakteen oder Euphorbien verwendet werden. Es besteht in einem Nano-Terrarium wegen der räum­lichen Enge eine zu große Verletzungsgefahr für Pfleger und auch Tiere. Man bedenke zudem, dass alle Euphorbien giftig sind. In der feuchten Ecke sollte daher immer ein hohl liegender Stein oder ein Rindenstück liegen, unter dem die Tiere ein Tagesversteck finden können. Viele wüstenbewohnende Arten regeln ihren Feuchtigkeitshaushalt über die Haut. Gleichfalls findet sich in der feuchten Ecke der Platz für einen kleinen Wassernapf, der grundsätzlich vorhanden sein sollte. Das restliche Becken erhält zunächst eine Auflage von ca. 1 cm dickem Styropor. Darauf baut man Steinaufbauten auf. Anschließend wird das Bodensubstrat eingefüllt. Dabei kann es sich, je nach Tierart, um feinen Sand oder auch lehmige Garten­erde handeln. Bei Sand ist wiederum zu beachten, dass es sich um rundkörnige Flusssande handelt und keine in der Mikro­struktur scharfkantigen Industrie­sande. Der Terraristikbedarf liefert ebenfalls eine große Auswahl, aber nicht alles, was gut aussieht ist auch praktisch. Man achte vor allem auf eine relative Staub­freiheit. Wenn der Sand durch­feuchtet wird, darf er sich nach dem Trock­nen nicht zu stein­artigen Klumpen verdich­ten. Zu fein darf der Sand auch nicht sein, sonst drohen Atemwegs­erkrankungen der Tiere. Schließ­lich sehen die Tiere, auch wenn es vielleicht nicht schädlich ist, nicht schön aus, wenn sie ständig wie frisch eingepudert wirken. Einige dürre Äste vervollständigen die Einrichtung.

Die Tiere

Auch wenn es den Laien erstaunt, auch in Wüsten leben Amphibien. Für Nano-Terrarien eignet sich die wunderhübsche Zwergkröte Bufo debilis aus Nordamerika; ein Badegefäß in Form eines wassergefüllten Blumentopfuntersetzers sollte ihr regelmäßig angeboten werden.

Bufo debilis

Einige Zwerggeckos sind tolle Pfleglinge für Nano-Terrarien, so z.B. etliche der wunder­schönen Lygodactylus-Arten. Im Gegensatz zu allen weiteren hier be­sprochenen Arten sind sie tagaktiv. In der Natur leben sie an Baumstämmen, in Trockenmauern etc. Sie brauchen keinen Spot zur Wärme­regu­lierung des Körpers, aber es muss kräftig beleuchtet werden, ebenso ist ein Heizstein unumgänglich. Die Tagestemperatur sollte etwa 28°C erreichen, nachts darf sie auf bis zu 15°C abfallen, aber das ist in Wohn­räumen ohnehin kaum zu erreichen. Die nächtliche Temperaturabsenkung erfolgt automatisch durch das Abschalten der Lampen und des Heizsteins. Es empfiehlt sich dringend, das für Lygodactylus-Arten vorgesehene Nano-Terrarium einige Wochen ohne Besatz zu betreiben, damit man mit den Leuchtmitteln etwas experimentieren kann, bis sich das gewünschte, optimale Mikroklima einge­stellt hat.

Lygodactylus kimhowelli

Ideal für die Pflege in Nano-Terrarien eignen sich die winzigen Geckos der Gattung Tropiocolotes, die aus Ägypten regelmäßig importiert werden. Auch die Stenodactylus-Arten der Halbwüsten bleiben klein und sind gut für Nano-Terrarien geeignet. Angesichts der riesigen Arten­zahlen bei Geckos muss man sich genau über die Maximallänge informieren, länger als 10 cm (die Hälfte ist Schwanz) sollten sie nicht werden, wenn mann sie in Nano-Terrarien pflegen möchte. Und bitte daran denken: die Gattungszugehörigkeit allein sagt nicht zwingend etwas über die öko­logischen Ansprüche aus.

Tropiocolotes bisharicus

Stenodactylus sthenodactylus, ein Zwerggecko aus Ägypten

Einige Schlangen­arten haben sich ebenfalls an das Leben in Wüsten angepasst, darunter zahlreiche Zwergarten. Im Handel ist regel­mäßig die kleine Lythorhynchus dia­dema aus Ägpten zu finden. Sie frisst neu­geborene Mäuse. Zu Insektenfressern haben sich einige nordamerikanische Arten entwickelt, die zudem ausgesprochen hübsch sind. Im Handel findet sich gelegentlich die wunderschöne Chionactis occipitalis.

Lytorhynchus diadema

Schlussbetrachtungen

Gesetzliche Bestimmungen über die Mindestgröße eines Terrariums gibt es in Deutschland nicht. Wir empfehlen aus den oben aufgeführten Gründen (Mikroklima!) eine Bodenfläche von 30 x 30 cm nicht wesentlich zu unterschreiten. Die Höhe richtet sich nach der Lebensweise der geplanten Pfleglinge. Bei Bodenbewohnern reicht eine Höhe von 30 cm (und selbst diese Höhe braucht man eher aus ästhetischen Gründen, als dass sie für die Pflege bedeutsam wäre), Arten, die sich vertikal orientieren, bietet man besser 40 oder 50 cm. In öffentlichen Tierhaltungen werden meist die “Mindest­anforderungen für die Haltung von Reptilien” als Maßstab seitens der Veterinärämter zu­grunde gelegt (kostenloser Download z.B. hier möglich: http://www.bmel.de/cae/servlet/contentblob/383050/publicationFile/22241/HaltungReptilien.pdf). Sie haben zwar, wie gesagt, keine gesetzlich bindende Kraft, geben jedoch meist brauchbare Hinweise. Für Echsen wird dabei die Kopf-Rumpflänge (also ohne Schwanz!) als Maßstab genommen. Für bewegungs­freudige tagaktive Echsen wird gewöhnlich ein Wert von 5 x 4 x 4 für ein Tier angesetzt, pro zusätzlichem Exemplar 15% mehr. Rechenbeispiel: Scincella lateralis erreicht eine KRL von 4 cm (Gesamtlänge etwa 10 cm), die Terrarienmindestgröße wäre hier also 20 x 16 x 16 cm (Länge x Breite x Höhe) für 1 Tier, 23 x 18,4 x 18,4 für zwei Tiere usw. Sind die Tiere als innerartlich zänkisch bekannt (siehe Beispiel der Geckos oben), rechnet man KRL 6 x 6 x 8. Keine Faustregel kann aber das Einfühlungsvermögen des Pflegers ersetzen. Ziel der Tierhaltung ist es ja, ein möglichst natürliches Verhalten zu beobachten. Jeder Wildtierhalter ist also gehalten, selbst zu experimentieren, um die optimalen Pflegebedingungen für seine Pfleglinge zu ermitteln. Ganz grundsätzlich sollten weder Echsen noch Amphibien von erheblich mehr als 5 cm KRL in Nano-Terrarien gepflegt werden. Aber auch hier gibt es Ausnahmen.

Hornfrösche, dies ist Ceratophrys cranwelli, gehören zwar zu den großen Froscharten, bewegen sich jedoch freiwillig kaum.

Extreme Lauerjäger, wie manche Hornfrösche, die sich freiwillig praktisch nicht bewegen und ohnehin einzeln gepflegt werden müssen, können durchaus auch in Nano-Becken unter­gebracht werden. Bei Schlangen ist bekannt, dass sie ganz allgemein sehr platzsparend untergebracht werden können. Selbst­verständlich brauchen aktive Hetzjäger unter den Schlangen (z.B. manche Coluber-Arten etc.) mehr Platz als Ansitzjäger. Auch hier ist also der Sachverstand des Tierhalters gefragt. In aller Regel können alle Zwergschlangen, die nicht länger als 40 cm werden, in Nano-Terrarien gepflegt und gezüchtet werden. Die “Mindest­anforderungen” formulieren für die Haltung der meisten Arten die Gesamtlänge als Maßstab und fordern 1 x 0,5 x 0,5 (Länge x Breite x Höhe).

Nano-Terrarien eignen sich selbstverständlich besonders zur Aufzucht von Jungtieren, hier ein frischgeschlüpfter Lygodactylus kimhowelli auf dem Finger des Fotografen.

Schließlich und endlich wird man Nano-Terrarien gewöhnlich zur Aufzucht von Jungtieren verwenden, denn nur in kleinen Behältern hat man eine ausreichende Kontrollmöglichkeit über den Gesundheitszustand.

Nano-Terrarien sind somit eine perfekte Einsteige- und Umsteigemöglichkeit für alle Tierpfleger, die sich noch nicht sicher sind, ob das Hobby Terraristik für sie das richtige ist. Also los, nur zu: ich bin mir sicher, Sie werden es nicht bereuen!

Frank Schäfer

Über den Autor Frank Schäfer

Frank Schäfer, geboren 1964, Biologe, seit frühester Jugend Tier- und Pflanzenhalter aus Leidenschaft. Sein besonderes Interesse gilt seit jeher den Fischen, aber Reptilien, Amphibien, Wirbellose, Kleinsäuger und Vögel sowie eine Vielzahl von Pflanzen begeistern ihn ebenso.

Seit 1980 Mitglied im Verein für Aquarien- und Terrarienkunde Hottonia e.V., dort seit 1982 auch immer wieder Vorstandsämter (Gartenwart, Redakteur der Vereinszeitschrift, 1. Schriftführer), seit 1982 Mitglied in der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische (IGL), seit 1992 auch im European Anabantoid Club (EAC). Erste Fachartikel über Pflege und Zucht von Puntius vittatus, Macropodus opercularis, Trionyx ferox und Polypterus senegalus in der Hottonia-Post 1981; erste große Fischfangreise in die Tropen 1983 nach Sumatra, worüber anschließend zahlreiche Aufsätze in der Hottonia-Post, der Zeitschrift „Der Makropode“ und „Das Aquarium“ erschienen; von da an regelmäßig Publikationen in vielen aquaristischen Fachzeitschriften, sowohl national wie auch international. Seither außerdem jährlich mehrere Dia-Vorträge auf nationalen und internationalen Tagungen.

Studium der Biologie in Darmstadt von 1984-1989, Abschluss als Diplom-Biologe mit den Prüfungsfächern Zoologie, Botanik, Ökologie und Psychologie. Diplomarbeit bei Prof. Ragnar Kinzelbach zum Thema „Wirtspezifität der Glochidien von Anodonta anatina“.

Zahlreiche Fang-, Sammel- und Studienreisen in das europäische Ausland, die Türkei, Sambia und vor allem Indien; Forschungsschwerpunkt ist die Süßwasserfischfauna des Ganges mit dem Ziel einer kompletten Revision der Arbeit von Francis Hamilton (1822): An account of the fishes found in the river Ganges and its branches. Edinburgh & London. Wissenschaftliche Erstbeschreibung von Oreichthys crenuchoides und gemeinsam mit Ulrich Schliewen von Polypterus mokelembembe. Wissenschaftliche Besuche und kurzzeitige Arbeiten in den zoologischen Sammlungen von London, Paris, Brüssel, Tervueren, Wien, Berlin, Frankfurt und München.

Seit 1996 bis heute Redakteur bei Aqualog und wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Fischbestimmung bei Aquarium Glaser, Rodgau. In dieser Zeit verantwortlich als Autor oder Co-Autor von über 20 Büchern und über 400 größeren Fachartikeln, nicht nur bei Aqualog, sondern bei nahezu allen deutschsprachigen Fachverlagen, vereinzelt auch in internationalen Publikationen. Seit 2009 Betreuung der Homepage und des Newsletters bei Aquarium Glaser mit 3-5 Posts pro Woche. Nach wie vor leidenschaftlicher Tier- und Pflanzenpfleger, quer durch den Gemüsegarten: Aquaristik (Süß- und Seewasser), Terraristik, Teichpflege, Kleinvögel.

Frank Schäfer ist verheiratet und hat zwei Töchter, die 1989 und 1991 geboren wurden.

Ein Kommentar zu “Nano-Terrarien – Teil 3: Trockene Nano-Terrarien

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