Nano-Wasserfrösche

Die Pflege vieler Wasserfrösche ist eher etwas für eingefleischte Tierliebhaber, die bereit sind, großzügig darüber hinweg zu sehen, dass eine dekorative Bepflanzung des Aqua Terrariums auf wenig Gegenliebe seitens der Pfleglinge stößt. Denn die allermeisten Wasserfrösche, also Frösche, die ganzjährig in unmittelbarer Nähe von Wasser leben, werden deutlich über 5 cm lang. Da haben zarte Pflanzen auf Dauer nichts zu lachen… Doch seit einiger Zeit gibt es ein Fröschlein auf dem Markt, das nur etwa 3,5-4 cm lang wird und sich perfekt für schön bepflanzte Aqua-Terrarien eignet: der Reisfrosch Occidozyga lima.

Das kleine Tier hat ein riesiges Verbreitungsgebiet, das Kambodscha, China, Hongkong, Indien (West-Bengalen), Indonesien, Laos, Malaysia, Burma, Thailand und Vietnam umfasst. Allerdings ist die Art nicht überall gleich häufig. In Teilen des Verbreitungsgebietes tritt der Frosch als häufiger Kulturfolger auf, aber in West- Bengalen scheint das Tierchen weit weniger kommun zu sein, denn in einer wissenschaftlichen Arbeit über die Amphibienfauna des Staates konnte der Bearbeiter nur auf Literaturangaben zurückgreifen: kein einziges konserviertes Exemplar stand ihm zur Verfügung! Freilich kann das schlicht damit zusammenhängen, dass der Reisfrosch aufgrund seiner Kleinheit oft übersehen wird und zudem ohne jeden wirtschaftlichen Nutzen ist. In Hongkong soll die einst Individuen reiche Population aus unbekannten Gründen fast völlig zusammengebrochen sein. Importiert werden die Frösche für den Zoofachhandel aus Indonesien, dort kommen sie in großen Massen vor und können darum hierzulande für wenig Geld erworben werden.

Aussehen

Occidozyga lima ist recht variabel gefärbt, jedoch insgesamt unauffällig. Jedes Tier hat seine ganz spezielle Färbung aus Grau-, Braun- und Grüntönen auf der Körperoberseite. Die Haut ist warzig. Ganz grob kann man zwei Haupt-Farbvarianten unterscheiden, nämlich solche mit und solche ohne Rückenstreifen. Das ist kein Geschlechtsmerkmal. Die Männchen bleiben etwa 0,5 cm kleiner als die Weibchen und sind zierlicher gebaut, sonst gibt es keine erkennbaren äußeren Geschlechtsunterschiede. Auch die Schallblase des Männchens, mit deren Hilfe der kleine Bursche recht laut rufen kann, liegt im Körperinneren und ist, wenn der Frosch nicht ruft, nicht zu sehen. Der Ruf knarrend-klickend, meist ähnlich einem ä-ä-ä, nicht melodisch, aber auch nicht so laut, dass er die Pflege von Occidozyga lima in Wohn-oder Schlafräumen als nicht empfehlenswert erscheinen ließe. So variabel die Oberseite des Frosches gefärbt ist, so einheitlich präsentiert sich die Körperunterseite. Auf der Innenseite der Vorderbeine befindet sich ein dunkler Streifen, der in einen Flankenstreifen entlang der Bauchkante übergeht. Auf der Brust finden sich ebenfalls oft Ausläufer dieses Armstreifens, die als schmale Bänder in einem 90°-Winkel von ihm abgehen. Besonders auffällig sind die L-förmigen dunklen Bänder auf der Unterseite der Hinterbeine, die sehr charakteristisch für die Froschart sind. Die Bauchseite ist, abgesehen von den Brustbändern, die bei manchen Individuen auch fehlen können, schmutzig weiß ohne markante Zeichnung. Die Augen sitzen hoch oben auf dem Kopf und ermöglichen dem Reisfrosch beinahe eine Rundumsicht. Diese Position der Augen steht in engem Zusammenhang mit der Lebensweise des Reisfrosches.

An Land geht Occidozyga lima nur selten.

Lebensweise

Es gibt Frösche, die ihr ganzes Leben unter Wasser verbringen. Hierzu gehören die vivaristisch gut bekannten Wabenkröten und Krallenfrösche. Sie verlassen das Wasser nur ausnahmsweise und kurz und kommen nur zum Atmen an die Wasseroberfläche. Dann gibt es Frösche, die gewöhnlich außerhalb des Wassers sitzen, aber nur so weit vom Wasser entfernt, dass sie das nasse Element mit einem Satz erreichen können. Hierher gehört etwa der in Mitteleuropa heimische Wasserfrosch (Rana kl. esculenta). Die allgegenwärtige grüne Geselle lebt als Ansitzjäger und lauert an Land, auf Treibholz oder Seerosenblättern sitzend auf Insekten, die er mit einem Sprung erhascht. An Land bewegt sich das Tier nicht ohne Not, Revierkämpfe mit Artgenossen, überhaupt das gesamte Sozialverhalten finden im Wasser statt. Der Reisfrosch hat eine dritte Form des Wasserlebens entwickelt. Er treibt die meiste Zeit seines Lebens an der Wasseroberfläche. Nur gelegentlich verlässt er das Wasser und krabbelt auf ein Schwimmblatt oder dergleichen. Occidozyga lima jagt oberhalb und unterhalb der Wasseroberfläche. Kleine Insekten, die auf die Wasseroberfläche fallen, schwimmt der Reisfrosch an und erbeutet sie mit der beweglichen Zunge.O.lima kann aber auch untergetaucht Würmer wie Tubifex finden und stopft sie dann oft unter Zuhilfenahme der Vorderbeine ins Maul, wie man das von den Krallenfröschen her kennt. Die hochstehenden Augen dienen nicht nur der Beuteerkennung, sondern vor allem auch der Feinderkennung. Denn viele Schlangen, Vögel oder auch größere Froscharten trachten den kleinen Reisfröschen nach dem Leben.

Pflege

Die Pflege dieser niedlichen Tiere ist leicht. Sie stellen weder besondere Ansprüche an die Wasserzusammensetzung noch an das Futter. Ein Standard-Aquarium von 60 x 30 x 30 cm reicht schon völlig für die Pflege von 6-12 Exemplaren aus. Die Männchen kämpfen manchmal miteinander, was interessant zu beobachten ist, denn es wirkt wie ein Boxkampf, wenn die Tierchen sich auf der Wasseroberfläche treibend begegnen und mit den Vorderbeinen den Gegner attackieren. Diese Rangeleien sind jedoch vollkommen harmlos. Das Aquarium wird zweckmäßigweise nur zur Hälfte mit Wasser gefüllt, die Bodengrundhöhe (feiner Kies oder Sand eignen sich am besten) sollte 5-7 cm betragen, so dass der freie Wasserstand nur 8-10 cm beträgt. Das Aquarium muss mit einer Deckscheibe abgedeckt werden, denn die kleinen Frösche sind großartige Kletterer. Öffnungen in der Deckscheibe verstopft man mit Filterwatte. In der gespannten Luft dieses Aqua-Terrariums gedeihen viele Pflanzen ganz vorzüglich, etwa Schwertpflanzen (Echinodorus) oder – bioptopgerechter – Wasserkelche (Cryptocoryne). Außerdem sollte man unbedingt einige Schwimmpflanzen einbringen, etwa Muschelblumen (Pistia) oder Südamerikanischer Froschbiss (Limnobium laevigatum), die bald üppig gedeihen werden. Bis die Pflanzen richtig wuchern, sollte man ein Stück Zierkork auf die Wasseroberfläche legen, damit die Tiere eine Ruhezone finden, wenn sie das wollen.Durch die Beleuchtung des Beckens – eine Neonröhre ist völlig ausreichend – wird die Lufttemperatur tagsüber auf 28-32°C ansteigen. Nachts, wenn das Licht ausgeht, sinkt die Lufttemperatur auf Zimmertemperatur ab. Das entspricht völlig den natürlichen Verhältnissen und ist der Gesundheit der Tiere förderlich. Eine zusätzliche Heizung ist nur dann nötig, wenn die Temperatur unter 18°C sinken sollte. Als Futter können alle kleinen Insekten dienen, etwa Fruchtfliegen (Drosophila), kleine Heimchen (Acheta domesticus) oder Blattläuse. Sehr interessant ist es, die Unterwasserjagd zu beobachten, wozu sich große Wasserflöhe (Daphnia magna), lebende Rote Mückenlarven oder Tubifex am besten eignen.

Lebensraum des Reisfrosches in Thailand.

Zucht

Reisfrösche können sich ganzjährig fortpflanzen, doch scheint zumindest für die gegenwärtig aus Indonesien importierten Tiere unser Winter (November bis Februar) die bevorzugte Fortpflanzungszeit darzustellen. Die Männchen klammern die Weibchen im Bereich der Hüfte. Die Eier – es können je nach Größe und Zustand des Weibchens zwischen 50 und einige hundert sein, haben einen Durchmessers von 0,6 – 1,1 mm. Die Kaulquappen sind hell oliv gefärbt und haben einen dunklen Saum um den Schwanz. Sie fressen handelsübliches Flockenfutter für Zierfische. Die Kaulquappen erreichen bis zur Metamorphose eine Länge von bis zu 3,9 cm. Im Terrarium wurden schon eine Lebensdauer von über 5 Jahren vermeldet, was weit über der natürlichen Lebenserwartung der Tierchen in freier Wildbahn liegt.

Die Lebensweise des Reisfrosches sorgte dafür, dass die Augen weit oben am Kopf sitzen.

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