Teichrosen im Aquarium

Während Seerosen, Gattung Nymphaea, als Lotus oder Tigerlotus etablierte und beliebte Aquarienpflanzen sind, führen die Teichrosen oder Mummeln (Nuphar) nur ein Schattendasein in der Aquaristik. Dabei weisen sie viele Vorzüge auf, die sie zu idealen Aquarienpflanzen machen.

Im Gegensatz zu den obengenannten Seerosen oder Lotus bilden die Teichrosen oder Mummeln auch in der freien Natur häufig ständig untergetaucht lebende, sogenannte submerse, Formen aus. Die im Aquarium unerwünschte Neigung, Schwimmblätter auszubilden, ist daher bei diesen Arten viel weniger ausgeprägt. Wenn man Teichrosen in relativ mageren Boden pflanzt wachsen sie oft über Jahre hinweg an dem selben Standort, ohne dass jemals Schwimmbläter auszukneifen sind. Wichtig ist allerdings, dass der Bodengrund genügend tief ist. Das heißt, am Standort der Mummel, die man am besten als Solitärpflanze verwendet, sollte die Bodengrunddicke 10 – 15 cm betragen. Da Teichrosen starke Wurzelzehrer sind, darf Lehm oder Ton im Bodenrund nicht fehlen. Regelmäßige Düngung ist ebenfalls angebracht.

Nuphar japonica

Die Pflanzen haben einen dicken, kriechenden Wurzelstock, ein sogenanntes Rhizom. An der Spitze des Rhizoms werden die Blätter getrieben. Beim Einpflanzen ist unbedingt darauf zu achten, dass das Rhizom waagerecht im Boden zu liegen kommt. Es darf keine weichen oder fauligen Stellen aufweisen. Ist das dennoch der Fall, so muss man die entsprechenden Stellen mit einem sehr scharfen Messer großzügig ausschneiden. Die dabei entstandenen Wunden behandelt man mit Aktivkohle und lässt sie leicht antrocknen. Während des Antrocknens muss man aber unbedingt die gegen Austrocknung empfindlichen Blätter und die Rhizomspitze nass halten.

Unterwasserformen aller Nuphar-Arten sind sehr schön.

Einmal angewachsen, begeistern die Teichrosen den Betrachter immer wieder aufs Neue durch ihre zarten, frischgrünen, leicht gewellten Blätter. Sie bilden einen wundervollen Kontrast zu fast allen gängigen Aquarienpflanzen.

Obwohl alle Teichrosen-Arten in gemäßigten Klimaten vorkommen, vertragen sie dennoch die Temperaturen eines Tropenaquariums ganz ausgezeichnet. Die Lichtstärke ist bei Temperaturen bis 22°C mit 0,5 Watt Leuchtstofflampenlicht pro Liter Wasser absolut ausreichend, bei Temperaturen bis 27°C sollte man etwas stärker beleuchten.

Im Aquarium pflanzt man Mummeln am besten als Solitärpflanzen.

Ein ganz großer Vorteil der Teichrosen ist, dass sie trotz ihres appetitlichen Outfits von den allermeisten pflanzenfressenden Fischen nicht angerührt werden. Sie scheinen bestimmte Stoffe zu enthalten, die die Fische abschrecken.

Von Nuphar japonica gibt es eine rotblühende Variante “rubrotincta”.

Eine Blüte ist bei der Aquarienkultur nicht zu erwarten. Will man die Pflanze zum Blühen bringen, muss man sie im Freiland kultivieren und ihr Gelegenheit bieten, Schwimmblätter zu entwickeln.  Die Blüten sind meist selbstbefruchtend und so erhält man relativ leicht Sämlingspflanzen.

Frucht einer Mummel.

Vier Arten von Teichrosen werden in der aquaristischen Literatur erwähnt, wovon die schönste, Nuphar sagittifolia aus Süd-Carolina nur sehr selten im Hobby vertreten ist. In ihrer Heimat wird sie Spatterdock genannt. Im Habitus erinnert N. sagittifolia an eine Barclaya, sie hat lange, pfeilförmige Blätter.

Nuphar sagittifolia, der Spatterdock aus Corolina, ist eine Rarität.

Die am häufigsten angebotene Art ist die einheimische Teichrose, N. lutea und gelegentlich die ebenfalls mittel- bis nordeuropäische Zwergteichrose, N. pumila. Beide stehen unter strengen Naturschutz und dürfen nicht in der Natur gesammelt werden! Häufiger als im Aquarienpflanzenhandel kann man diese Arten als Gartenteichpflanzen erwerben.

Als letzte Art sei noch die Japanische Teichrose, N. japonica, genannt, die im Gegensatz zu den beiden heimischen, rundblättrigen Arten eher pfeilförmiges Laub ausbildet; sie wird im Wasserpflanzenhandel ziemlich regelmäßig angeboten.

Frank Schäfer

Über den Autor Frank Schäfer

Frank Schäfer, geboren 1964, Biologe, seit frühester Jugend Tier- und Pflanzenhalter aus Leidenschaft. Sein besonderes Interesse gilt seit jeher den Fischen, aber Reptilien, Amphibien, Wirbellose, Kleinsäuger und Vögel sowie eine Vielzahl von Pflanzen begeistern ihn ebenso.

Seit 1980 Mitglied im Verein für Aquarien- und Terrarienkunde Hottonia e.V., dort seit 1982 auch immer wieder Vorstandsämter (Gartenwart, Redakteur der Vereinszeitschrift, 1. Schriftführer), seit 1982 Mitglied in der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische (IGL), seit 1992 auch im European Anabantoid Club (EAC). Erste Fachartikel über Pflege und Zucht von Puntius vittatus, Macropodus opercularis, Trionyx ferox und Polypterus senegalus in der Hottonia-Post 1981; erste große Fischfangreise in die Tropen 1983 nach Sumatra, worüber anschließend zahlreiche Aufsätze in der Hottonia-Post, der Zeitschrift „Der Makropode“ und „Das Aquarium“ erschienen; von da an regelmäßig Publikationen in vielen aquaristischen Fachzeitschriften, sowohl national wie auch international. Seither außerdem jährlich mehrere Dia-Vorträge auf nationalen und internationalen Tagungen.

Studium der Biologie in Darmstadt von 1984-1989, Abschluss als Diplom-Biologe mit den Prüfungsfächern Zoologie, Botanik, Ökologie und Psychologie. Diplomarbeit bei Prof. Ragnar Kinzelbach zum Thema „Wirtspezifität der Glochidien von Anodonta anatina“.

Zahlreiche Fang-, Sammel- und Studienreisen in das europäische Ausland, die Türkei, Sambia und vor allem Indien; Forschungsschwerpunkt ist die Süßwasserfischfauna des Ganges mit dem Ziel einer kompletten Revision der Arbeit von Francis Hamilton (1822): An account of the fishes found in the river Ganges and its branches. Edinburgh & London. Wissenschaftliche Erstbeschreibung von Oreichthys crenuchoides und gemeinsam mit Ulrich Schliewen von Polypterus mokelembembe. Wissenschaftliche Besuche und kurzzeitige Arbeiten in den zoologischen Sammlungen von London, Paris, Brüssel, Tervueren, Wien, Berlin, Frankfurt und München.

Seit 1996 bis heute Redakteur bei Aqualog und wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Fischbestimmung bei Aquarium Glaser, Rodgau. In dieser Zeit verantwortlich als Autor oder Co-Autor von über 20 Büchern und über 400 größeren Fachartikeln, nicht nur bei Aqualog, sondern bei nahezu allen deutschsprachigen Fachverlagen, vereinzelt auch in internationalen Publikationen. Seit 2009 Betreuung der Homepage und des Newsletters bei Aquarium Glaser mit 3-5 Posts pro Woche. Nach wie vor leidenschaftlicher Tier- und Pflanzenpfleger, quer durch den Gemüsegarten: Aquaristik (Süß- und Seewasser), Terraristik, Teichpflege, Kleinvögel.

Frank Schäfer ist verheiratet und hat zwei Töchter, die 1989 und 1991 geboren wurden.

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