Trachelyopterus fisheri – der Wurzelwels

Derzeit wird ein sehr merkwürdiger Wels im Handel angeboten, nämlich Trachelyopterus fisheri. Ursprünglich stammt dieser “Schwemmholz-Wels” (der englische Populärname ist “Driftwood Catfish”) aus Kolumbien, wo er im System des Rio Sucio vorkommt. Von dort gibt es nur sehr selten Importe. Nur einmal in den letzten Jahren – 2014 – hatte Aquarium Glaser ein Männchen dieser extraordinären Art als Wildfang im Stock.

Wie die Delfinwelse (Ageneiosus) entwickeln Trachelyopterus-Männchen zur Brutzeit einen riesigen Rückenflossenstachel, verdickte Oberkieferbarteln und ein penis-artiges Begattungsorgan, mit dem eine innere Befruchtung der Weibchen erfolgt. Alle diese Merkmale verschwinden zumindest bei Ageneiosus-Arten nach der Fortpflanzungszeit wieder, dann sind Männchen und Weibchen äußerlich nicht auseinanderzuhalten. Wie die Verhältnisse bei Trachelyopterus sind, ist noch unbekannt.

Interessanterweise wird diese seltene Art in Indonesien kommerziell für die Aquarienhaltung gezüchtet. Solche Nachzuchtexemplare sind hauptsächlich im Handel. Die Fische sind farblich sehr variabel, wir haben jetzt sogar einen Weißling darunter entdeckt. In der Großhandels-Anlage schwimmen diese Welse auch tagsüber aktiv herum und zwar am liebsten in engem Kontakt zu Artgenossen.

Tracheyopterus fisheri wird gewöhnlich etwa 12-15 cm lang (das größte je bekannt gewordene Exemplar hatte eine Länge von 28 cm) und ist ein friedlicher Fisch, sehr kleine Mitbewohner werden allerdings als Nahrung angesehen.

Lexikon: Trachelyopterus: bedeutet “mit extremer Flosse”. fisheri: Widmungsname für Carl G. Fisher aus Indianapolis, der eine zweite Expedition zur Typuslokalität der Art ermöglichte.

Vorschlag eines deutschen Gebrauchsnamens: Fishers Wurzelwels

Text & Photos: Frank Schäfer

Über den Autor Frank Schäfer

Frank Schäfer, geboren 1964, Biologe, seit frühester Jugend Tier- und Pflanzenhalter aus Leidenschaft. Sein besonderes Interesse gilt seit jeher den Fischen, aber Reptilien, Amphibien, Wirbellose, Kleinsäuger und Vögel sowie eine Vielzahl von Pflanzen begeistern ihn ebenso.

Seit 1980 Mitglied im Verein für Aquarien- und Terrarienkunde Hottonia e.V., dort seit 1982 auch immer wieder Vorstandsämter (Gartenwart, Redakteur der Vereinszeitschrift, 1. Schriftführer), seit 1982 Mitglied in der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische (IGL), seit 1992 auch im European Anabantoid Club (EAC). Erste Fachartikel über Pflege und Zucht von Puntius vittatus, Macropodus opercularis, Trionyx ferox und Polypterus senegalus in der Hottonia-Post 1981; erste große Fischfangreise in die Tropen 1983 nach Sumatra, worüber anschließend zahlreiche Aufsätze in der Hottonia-Post, der Zeitschrift „Der Makropode“ und „Das Aquarium“ erschienen; von da an regelmäßig Publikationen in vielen aquaristischen Fachzeitschriften, sowohl national wie auch international. Seither außerdem jährlich mehrere Dia-Vorträge auf nationalen und internationalen Tagungen.

Studium der Biologie in Darmstadt von 1984-1989, Abschluss als Diplom-Biologe mit den Prüfungsfächern Zoologie, Botanik, Ökologie und Psychologie. Diplomarbeit bei Prof. Ragnar Kinzelbach zum Thema „Wirtspezifität der Glochidien von Anodonta anatina“.

Zahlreiche Fang-, Sammel- und Studienreisen in das europäische Ausland, die Türkei, Sambia und vor allem Indien; Forschungsschwerpunkt ist die Süßwasserfischfauna des Ganges mit dem Ziel einer kompletten Revision der Arbeit von Francis Hamilton (1822): An account of the fishes found in the river Ganges and its branches. Edinburgh & London. Wissenschaftliche Erstbeschreibung von Oreichthys crenuchoides und gemeinsam mit Ulrich Schliewen von Polypterus mokelembembe. Wissenschaftliche Besuche und kurzzeitige Arbeiten in den zoologischen Sammlungen von London, Paris, Brüssel, Tervueren, Wien, Berlin, Frankfurt und München.

Seit 1996 bis heute Redakteur bei Aqualog und wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Fischbestimmung bei Aquarium Glaser, Rodgau. In dieser Zeit verantwortlich als Autor oder Co-Autor von über 20 Büchern und über 400 größeren Fachartikeln, nicht nur bei Aqualog, sondern bei nahezu allen deutschsprachigen Fachverlagen, vereinzelt auch in internationalen Publikationen. Seit 2009 Betreuung der Homepage und des Newsletters bei Aquarium Glaser mit 3-5 Posts pro Woche. Nach wie vor leidenschaftlicher Tier- und Pflanzenpfleger, quer durch den Gemüsegarten: Aquaristik (Süß- und Seewasser), Terraristik, Teichpflege, Kleinvögel.

Frank Schäfer ist verheiratet und hat zwei Töchter, die 1989 und 1991 geboren wurden.

2 Kommentare zu “Trachelyopterus fisheri – der Wurzelwels

  1. Susi

    Hallo, habe auf ihrer seite den schwemmholzwels entdeckt. Sie schreiben er werde etwa 12-15cm gross. Laut internetrecherche wird aber auf verschiedenen seiten angegeben dass der trachelyopterus fisheri (fishers woodcat, driftwood catfish) ca 30cm, 1 foot oder 11″ gross wird.
    Wieso weichen ihre angaben so stark davon ab? Welche grösse stimmt?

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    1. Frank Schäfer Beitragsautor

      Beide Angaben sind richtig. Gewöhnlich wird T. fisheri 12-15 cm lang, das voll sexuell differenzierte Männchen, das wir abbilden, hatte eine Totallänge von 13,5 cm, also mit Schwanzflosse. In der Checkliste der Süß- und Brackwasserfische Südamerikas gibt der Bearbeiter Ferraris 28 cm Totallänge für das größte wissenschaftlich dokumentierte Exemplar an (Ferraris, C.J. Jr., 2003. Auchenipteridae (Driftwood catfishes). p. 470-482. In R.E. Reis, S.O. Kullander and C.J. Ferraris, Jr. (eds.) Checklist of the Freshwater Fishes of South and Central America. Porto Alegre: EDIPUCRS, Brasil.). Übertragen auf Menschen bedeutet das etwa: wir geben als gewöhnliche Größe für Homo sapiens 170-190 cm an, der größte je bekannt gewordene Mensch hatte aber eine Länge von 272 cm.

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