Eine Putzergarnele im Süßwasser!

Putzersymbiosen aus dem Meer kennt man in Hülle und Fülle. Dort unterhalten z.B. kleine Lipp­fische der Gattung Labroides regelrechte Putzerstationen, aber auch zahlreiche Garnelen-Arten betä­tigen sich als Ge­sundheits­polizei und dürfen zwischen den nadelspitzen Zähnen auch großer Raubfische ungestört ihrer Reinigungs­tätigkeit nach­gehen. Im Süßwasser kennt man bis­lang kaum derartige Lebens­gemein­schaften. Eine Ausnahme ist der ohnehin in vielerlei Hinsicht bemerkenswerte Bitterling (Rhodeus amarus), der gelegentlich beim Putzen von Barschen (Perca fluviatilis) beobachtet wird.

Die Glasgarnele aus Paraguay beim Putzen eines Corydoras sp.. Zum besseren Erkennen wurde der ”Putzbereich” im Bild aufgehellt.

Die nun erstmals beobachtete und dokumentierte Putzertätigkeit einer Süßwassergarnele ist daher aus­gesprochen bemerkenswert. Wie so oft spielte der Zufall bei der Entdeckung dieses Sachverhaltes eine entscheid­ende Rolle. Ich hatte gerade eine zier­liche ”Glasgarnele” (vermutlich ein Ange­hör­­iger der Gattung Macrobrachium), die als Beifang mit kleinen Welsen aus Paraguay mitgekommen war, im Fotobecken, als kurzfristig ein neu importierter Langschnäuzer-Panzerwels fotografiert werden musste. Langschnäuzer gelten generell als ein wenig empfindlich und so wollte ich so wenig Stress wie möglich aufkommen lassen. Also, so dachte ich, das Garnel­chen wird schon nicht stören und setzte die Welse kurzerhand in das Fotobecken. Leider waren die Tiere vom langen Transport noch etwas geschwächt und so mussten sie statt der geplanten paar Stunden ein paar Tage im Fotobecken bleiben. Schließlich kam der Tag, an dem sie für die Nachwelt festgehalten werden sollten. Ich schaltete das Licht über dem Aquarium ein, brachte die Kamera in Anschlag und fing an. Zu meinem Ärger kroch ständig die Garnele ins Bild. Zunächst verscheuchte ich sie mit einem Stöckchen, doch das Tier blieb hartnäckig. Schließlich gab ich auf. Und nun beo­bachtete ich, dass die Garnele ziel­ge­richtet auf den Panzerwels zukroch und anfing, ihm Hautfetzchen von der Schnau­ze zu picken. Der Panzerwels blieb dabei völlig regungslos liegen und genoss die Prozedur sichtlich!

Die Garnele in Nahaufnahme.

Frank Schäfer

Über den Autor Frank Schäfer

Frank Schäfer, geboren 1964, Biologe, seit frühester Jugend Tier- und Pflanzenhalter aus Leidenschaft. Sein besonderes Interesse gilt seit jeher den Fischen, aber Reptilien, Amphibien, Wirbellose, Kleinsäuger und Vögel sowie eine Vielzahl von Pflanzen begeistern ihn ebenso.

Seit 1980 Mitglied im Verein für Aquarien- und Terrarienkunde Hottonia e.V., dort seit 1982 auch immer wieder Vorstandsämter (Gartenwart, Redakteur der Vereinszeitschrift, 1. Schriftführer), seit 1982 Mitglied in der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische (IGL), seit 1992 auch im European Anabantoid Club (EAC). Erste Fachartikel über Pflege und Zucht von Puntius vittatus, Macropodus opercularis, Trionyx ferox und Polypterus senegalus in der Hottonia-Post 1981; erste große Fischfangreise in die Tropen 1983 nach Sumatra, worüber anschließend zahlreiche Aufsätze in der Hottonia-Post, der Zeitschrift „Der Makropode“ und „Das Aquarium“ erschienen; von da an regelmäßig Publikationen in vielen aquaristischen Fachzeitschriften, sowohl national wie auch international. Seither außerdem jährlich mehrere Dia-Vorträge auf nationalen und internationalen Tagungen.

Studium der Biologie in Darmstadt von 1984-1989, Abschluss als Diplom-Biologe mit den Prüfungsfächern Zoologie, Botanik, Ökologie und Psychologie. Diplomarbeit bei Prof. Ragnar Kinzelbach zum Thema „Wirtspezifität der Glochidien von Anodonta anatina“.

Zahlreiche Fang-, Sammel- und Studienreisen in das europäische Ausland, die Türkei, Sambia und vor allem Indien; Forschungsschwerpunkt ist die Süßwasserfischfauna des Ganges mit dem Ziel einer kompletten Revision der Arbeit von Francis Hamilton (1822): An account of the fishes found in the river Ganges and its branches. Edinburgh & London. Wissenschaftliche Erstbeschreibung von Oreichthys crenuchoides und gemeinsam mit Ulrich Schliewen von Polypterus mokelembembe. Wissenschaftliche Besuche und kurzzeitige Arbeiten in den zoologischen Sammlungen von London, Paris, Brüssel, Tervueren, Wien, Berlin, Frankfurt und München.

Seit 1996 bis heute Redakteur bei Aqualog und wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Fischbestimmung bei Aquarium Glaser, Rodgau. In dieser Zeit verantwortlich als Autor oder Co-Autor von über 20 Büchern und über 400 größeren Fachartikeln, nicht nur bei Aqualog, sondern bei nahezu allen deutschsprachigen Fachverlagen, vereinzelt auch in internationalen Publikationen. Seit 2009 Betreuung der Homepage und des Newsletters bei Aquarium Glaser mit 3-5 Posts pro Woche. Nach wie vor leidenschaftlicher Tier- und Pflanzenpfleger, quer durch den Gemüsegarten: Aquaristik (Süß- und Seewasser), Terraristik, Teichpflege, Kleinvögel.

Frank Schäfer ist verheiratet und hat zwei Töchter, die 1989 und 1991 geboren wurden.

Ein Kommentar zu “Eine Putzergarnele im Süßwasser!

  1. Frank Zöller

    “…. Der Panzerwels blieb dabei völlig regungslos liegen und genoss die Prozedur sichtlich!”
    Ach ja? Und WIE GENAU sieht es denn aus, wenn ein Cory genießt? Außer, dass er, wie beim Ruhen allgemein, reglos bleibt?

    Antworten

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