Der Koran-Kaiserfisch – Pomacanthus semicirculatus Cuvier, 1831

Seinen Namen verdankt diese Art einem Farbmuster in der Schwanzflosse, das sich während der Umfärbung vom Jung- zum Alttier zeigt. Das blaue Linienmuster ähnelt in dieser Zeit dem arabischen Schriftbild des Korans.

Halbwüchsiger Korankaiserfisch in der Umfärbung; er zeigt die Schwanzflossenfärbung, die zum Populärnamen führte.

Zur Hochphase der marinen Fisch­pflege wurde die robuste und im Indo-Westpazifik weit verbreitete und häufig vorkommende Art regelmäßig als Jungtier eingeführt. Wie bei allen Pomacanthus-Arten aus dem Indopazifik zeigt die Juvenilfärbung einen blau gefärbten Körper, der von weißen Binden unterbrochen ist. Anders als bei der einzigartigen Jugendfärbung von P. impe­rator sind die Jungtiere von P. semi­circulatus leicht mit anderen Arten aus dieser Gattung zu verwechseln. Hier empfiehlt es sich unbedingt, beim gewünschten Kauf ein entsprechendes Bestimmungsbuch parat zu haben. Mit einer Größe von ungefähr 12 cm weicht die attraktive Jungendfärbung einer eher schlichten Adultfärbung. Mit einer zu er­wartenden Länge von über 30 cm gehört die Art in ein großes Aquarium.

Etwa 5 cm langer Korankaiserfisch.

Dieser Großkaiserfisch erweist sich im Aquarium als ausgezeichneter Fresser, der keine Ersatznahrung verschmäht. Oft werden auch die angesiedelten Korallen als Appetithappen betrachtet, weshalb eine Pflege mit Korallen sorgfältig zu überlegen ist. Weiterhin gilt er als wenig krankheits­anfällig, weshalb er in der Fachliteratur zu jenen Kaiserfischen zählt, die dem Anfänger empfohlen werden. Vergesellschaftet wird der Korankaiserfisch mit robusten Fischen, da das friedfertige Gemüt des Jungstadiums einem eher ro­busten Verhalten im Alter weichen kann.

Korankaiserfische kann man paarweise pflegen.

Zahlreichen Unterwasserbeobachtungen zur Folge lebt die Art vorzugsweise einzeln. Gelegentlich werden Paare beobachtet. Ob die Beobachtungen daraus resultieren, dass das Sozialgefüge dieser Art aus einer Art Harem besteht, bei dem das Männchen in seinem Revier mehrere Weibchen beher­bergt, die in diesem Territorium ihre eigenen Terrains inne haben, das vehement gegen andere Weibchen verteidigt wird, ist ungewiss. Farbliche Geschlechtsmerkmale fehlen. Einzig die Länge der Kiemendeckelstachel ist ein Anhaltspunkt der Geschlechtszu­ord­nung. Auch wenn es explizit bei Poma­canthus semicirculatus bisher noch nicht beschrieben ist, zeigt es sich in der Gattung doch, dass die Kiemendeckel­stacheln der Männchen auffallend länger sind, als jene der Weibchen. Ein Merkmal, dass schon bei Jungtieren zu sehen ist. Wer die Möglichkeit hat, mehrere Jungtiere dieser Art beim Händler zu begutachten und darauf aus ist, ein Paar zu pflegen, sollte sich des beschriebenen Kriteriums zur Ge­schlechts­bestimmung bedienen.

Ausgewachsener Pomacanthus semicircularis

Eine andere Möglichkeit der Paarbildung ist die Vergesellschaftung eines Jung- und eines Alttieres. Die Natur hat den beiden Lebens­stadien deshalb unterschiedliche Körperfar­ben gegeben, damit sich die Jungtiere problemlos im Revier der Alttiere aufhalten können. Eine Gabe die man sich im Aquarium zunutze macht. Wie es jedoch mit der Harmonie der beiden Farbstadien bestellt ist, wenn die Umfärbung zum Alttier einsetzt, muss hier unbeant­wortet bleiben. Es gibt Spekulationen, die davon ausgehen, dass erst mit dem Beginn der Umfärbung zum Alttier eine Ge­schlechts­spezifizierung erfolgt. Die Jungtiere selbst sollen in der Lage sein, einen Ge­schlechtswechsel durchführen zu können. Eine spannende Thematik, die vor allem auch durch die Beobachtungen von Aquarianern manifestiert werden könnte.

Übrigens…

Nach Klausewitz fand sich einst auf einem Fischmarkt in Sansibar ein Exemplar des Korankaisers, auf dessen Schwanzflosse man auf der einen Seite “Laillaha Illatah” (es gibt keinen Gott außer Allah) und auf der anderen “Skani Allah” (eine Warnung von Allah) zu erkennen glaubte. Der Fisch stieg daraufhin im Wert von wenigen Pfennigen auf 5000 Rupien… und heißt seither Korankaiserfisch!

Joachim Frische

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