Der richtige Bodengrund im Süßwasser-Aquarium

Pflanzen

Die Diskussion um den richtigen Bodengrund im Aquarium ist so alt wie die Aquaristik selbst und ein Ende der Diskussion ist nicht annähernd in Sicht. Ganz klar ist eigentlich nur, dass es den allen Ansprüchen gerecht werdenden Bodengrund im Aquarium nicht gibt, weil es ihn nicht geben kann.
Ganz am Anfang muss daher die Überlegung stehen: was will ich in meinem Aquarium haben? Haben es mir bestimmte Wasserpflanzen angetan? Oder sind es bestimmte Fische? Oder möchte ich ”einfach nur ein schönes Aquarium”?

Grundsätzlich kommt als Basis-Bodengrund nur kalkfreier Sand oder Kies in Betracht. Erde aus dem Garten, Torf, Blumenerde für Topfpflanzen, Kompost, Hydrokultursubstrat (Blähton) oder kalkiger Korallensand sind grundsätzlich für den Betrieb eines Süßwasseraquariums ungeeignet. Erde, Blumenerde, Kompost etc., enthalten sehr viele organische Bestandteile, die im Aquarium unerwünschte Effekte haben, wie übermäßiges Bakterienwachstum, da raus resultierend Wassertrübung und Sauerstoffmangel. Ein hohes Nährstoffangebot führt zudem zu starkem Algenwachstum. All das will man nicht. Tonsubstrate wie Blähton für Hydrokultur von Landpflanzen haben im Aquarium unvorhersagbare Folgen. Manchmal klappt es, ein Aquarium mit solchem Substrat zu betreiben, aber sehr viel öfter kommt es zu explosionsartigem Algenwachstum, besonders der gefürchteten Blaualgen. Der Einsatz solcher Substrate gleicht darum einem russischen Roulette. Kalkhaltiger Boden, wie Korallensand oder Marmorkies, ist Gift für Pflanzen. Nur ganz wenige Arten können hier überhaupt wachs en. Gewöhnlich gedeihen nur Algen in einem Aquarium, das solchen Boden enthält.

Sand oder Kies?

Bei kalkfreiem Sand oder Kies besteht der Unterschied zunächst einmal in der Korngröße. Man spricht von Sand, wenn das einzelne Körnchen zwischen 0,063 und 2 mm Durchmesser hat, darüber von Kies. Ganz feiner Sand, wie Wüstensand, ist für ein normales Aquarium nicht geeignet, weil er sich im Wasser stark verdichtet und zu einer steinharten Masse wird. Hierin können keine Pflanzen wachsen. Zusätzlich bilden sich sauerstofffreie Zonen, in denen giftige, nach faulen Eiern stinkende Schwefelverbindungen entstehen, die die Fische vergiften.

Die Korngröße macht´s

Rein chemisch gesehen ist kalkfreier Sand hierzulande fast immer Quarzsand. Es gibt zwar auch andere Sande, doch kommen sie so selten vor, dass man sie an dieser Stelle vernachlässigen kann. Wichtig ist für den Einsatz in Aquarien, dass es sich um natürlich entstandene Fluss-Sande handelt, bei denen die einzelnen Körnchen abgerundet sind. Es gibt auch technisch hergestellte, gebrochene Sande, die scharfkantige Sandkörnchen haben. Denken Sie daran, dass Quarzsand der Ausgangsstoff zur Glasherstellung ist! Bodenbewohnende Fische leiden in Aquarien mit solchem Sand. Bei Welsen und Schmerlen werden die Barteln abgescheuert, Rochen, Flundern, Aale und andere Arten, die sich gerne eingraben, bekommen Hautverletzungen, Arten, die den Sand nach Nahrung durchkauen, wie viele Barben oder Buntbarsche, werden in der Maulgegend wund. Darum darf man also nie technischen Bausand verwenden.
Sand hat eine große Bedeutung im Leben vieler Fische und eine gute Pflege etlicher Arten ist gar nicht möglich, ohne dass wenigstens ein Teil der Bodenfläche mit Sand bedeckt ist.
Ein großer Nachteil von Sand ist, dass sehr viele Pflanzen nicht recht in Sandboden wachsen wollen. Das hängt damit zusammen, dass Sand relativ dicht ist und nur eine vergleichsweise geringe Wasserzirkulation zulässt. Es versickert auch nicht viel organisches Material (Mulm, also der Kot der Fische und abgestorbene Pflanzenteilchen) in Sand. Die Folge ist ein Nährstoffmangel im Boden und daraus resultiert schlechtes Pflanzenwachstum. Natürlich kann man dem begegnen, indem man unter der Sandschicht eine Depotschicht von nährstoffhaltigem Substrat einbringt. Aber dabei muss man stets in Betracht ziehen, dass grabende und wühlende Fische diese Depotschicht nicht erreichen dürfen, sonst ist eine kräftige Wassertrübung die Folge. Sand (und auch der nachfolgend beschriebene Kies) sind von Natur aus gewöhnlich lehmhaltig. Lehm ist eine Mischung aus feinstem Sand und Ton. Eigentlich ist Lehm im Aquarium sehr erwünscht, dazu gleich mehr, im Sand sollte man ihn aber nicht lassen. Denn hat man wühlende Fische im Aquarium, ist das Wasser sonst stets getrübt. Außerdem neigt ungewaschener, stark lehmhaltiger Sand zum Verdichten (siehe oben). Man muss also Sand vor der Verwendung im Aquarium so lange waschen, bis das Wasser im Eimer bei kräftigem Umrühren des Sandes klar bleibt. Das ist ein ziemlich mühsames Geschäft!

Sand

Korngrößen von 2 mm bis 6 cm bezeichnet man als Kies. Im Aquarium ist Kies der Körnung 3-5 mm der universelle Bodengrund überhaupt. Er ist locker genug, damit Mulm in ihm versickern und das Wasser ausreichend zirkulieren kann, ist aber auch dicht genug, damit die Wurzeln der Pflanzen guten Halt finden. Auch Kies dieser Körnung ist von Natur aus meist lehmhaltig. Man braucht ihn normaler Weise trotzdem nicht gründlich zu waschen. Zwar trübt der Lehm das Wasser anfänglich etwas, die Trübung verschwindet jedoch bald, da die Lehmpartikel im Kies wieder versickern. Dieser Lehm ist ganz hervor ragend für gutes Pflanzenwachstum. Lehm wirkt als Katalysator für viele Nährstoffe, die die Pflanzen mit den Wurzeln aufnehmen. Nur wer sehr stark wühlende Fische pflegen möchte, muss auf die günstige Wirkung des Lehms verzichten und auch den Kiesboden vor der Verwendung im Aquarium gründlich waschen. Es soll nicht verschwiegen werden, dass die Lehmtrübung einen großen Nachteil hat: der Lehm setzt sich auch auf den Pflanzenblättern ab, was diesen gar nicht gut bekommt. In der Praxis sollten besonders empfindliche, feinblättrige Pflanzen
(Myriophyllum, Cabomba, Limno phila etc.) darum erst ein bis zwei Wochen nach der Befüllung eines neuen Aquariums gepflanzt werden, wenn das Wasser richtig kristallklar geworden ist.

Kies – der Universalboden

Für die allermeisten Aquarien empfiehlt sich folgender Bodenaufbau: eine relativ kleine Fläche im Vordergrund des Aquariumsmaximal ein Viertel der gesamten Bodenfläche – wird mit einer 2-3 cm dicken Schicht sauber gewaschenen Sandes bedeckt. Dieses Sandfeld grenzt man gegen den Hintergrund mit geeigneten Steinen ab, so dass eine Terrasse entsteht, in die man zu – nächst 4-5 cm hoch ungewaschenen Kies von 3-5 mm Körnung einfüllt, den man abschließend mit einer 2-3 cm hohen Schicht gewaschenen Kieses der gleichen Körnung bedeckt. Die Sandfläche bleibt unbepflanzt und dient als ”Spielwiese” für sandliebende Fische. Wenn diese Sandfläche später einmal zu kahl erscheint, kann man hier z.B. Wurzel stücke oder Steine mit aufgebundenen Moosen, Javafarn oder Anubias platzieren. Den Hintergrund kann man mit der gesamten Palette der zur Verfügung stehenden Wasserpflanzen bepflanzen, die unter den im jeweiligen Aquarium herrschenden Licht- und Wasserverhältnissen gedeihen können.

Die Düngung von Aquarienpflanzen erfolgt gewöhnlich über das Wasser und die Praxis zeigt, dass diese Methode auch ganz gut funktioniert. Es gibt aber sinnvolle Zusätze zum Bodengrund, die ein optimales Pflanzenwachstum fördern.

Aufbau des Bodens

Ein Bodengrund mit Langzeit-Düngerwirkung wird von mehreren Herstellern angeboten. Die Pflanzennährstoffe sind in diesem Boden so eingeschlossen, dass sie nur nach und nach an das Wasser ab – gegeben werden. Wer von vornherein plant, ein möglichst üppiges Pflanzenaquarium zu betreiben, bei dem Schwert pflanzen (Echinodorus), Wasserkelche (Crypto coryne), Seerosen (Nymphaea) und Wasserähren (Aponogeton) den Hauptbestandteil der Bepflanzung ausmachen sollen, ist mit solchen Bodenzusätzen gut beraten. Man bringt sie als unterste Schicht in der Pflanz- Zone des Aquariums ein, also im oben beschriebenen Beispiel noch unter den ungewaschenen Kies.

Chemisch ist beides das gleiche, nur enthält Lehm noch Sandanteile. Es handelt sich bei Ton um sehr feinkörnige Mineralien mit Korngrößen zwischen 1 und 4 ?m (1 ?m = 0,001 mm). Ob man Ton oder Lehm im Aquarium verwendet ist letztendlich egal. Die Wirkung von Ton oder Lehm als Pflanzendünger ist nicht wirklich verstanden. Man nimmt, wie vorhin bereits erwähnt, an, dass er als Katalysator wirkt und es den Pflanzen erst ermöglicht, bestimmte Stoffe aufzunehmen; gleichzeitig aber giftig wirkende Stoffe an sich bindet. Darum verwendet man Ton und Lehm auch in der Human-Medizin. Man vermutet, dass die riesige Oberfläche einerseits eine hohe Bindefähigkeit hat und andererseits die gebundenen Stoffe auch wieder sukzessive abgegeben werden. Verschiedene Hersteller bieten Tonkugeln mit Depotdüngerwirkung an. Man drückt diese Kugeln einfach in der Nähe der zu düngenden Pflanze in den Bodengrund. Genau so ist die Anwendung des Lehmbasierten Aquariana-Düngetalers. Die Wirkung dieser Wurzeldüngung ist meist ganz erstaunlich, viele zuvor kümmernde Pflanzen explodieren förmlich. Nachgedüngt wird erst, wenn die Wirkung nachlässt. Wann genau das der Fall ist, lässt sich nicht vorhersagen, weil jedes Aquarium individuell unterschiedlich funktioniert, doch meist hält die Wirkung eines solchen Ton- oder Lehmdüngers mehrere Monate vor.

Bodenzusätze

Grundsätzlich ist von der Verwendung von Torf im Boden abzuraten, besonders von feinem Torfmull. Der führt in der Regel nur zu fürchterlich stinkendem Boden mit sterbenden Pflanzen. Allerdings kann Torf, gezielt in den Wurzelbereich der Pflanze gebracht, eine sehr positive Wirkung haben. Das kommt daher, dass fast alle Wasser pflanzen nur in einem sehr engen pH-Bereich ihr Wachstumsoptimum haben, nämlich zwischen pH 6,2 und 7. Torf – jedenfalls bestimmter Torf – wirkt pH-Wert senkend. Man kann also mit Torf dort helfend eingreifen, wo der pH-Wert zu hoch ist. Am besten eignen sich hierfür Torfpresslinge, wie sie verschiedene Hersteller – z.B. Aquariana – auch als Filtertorf zur pH-Stabilisierung anbieten. Man drückt solche Presslinge, wie vorhin für Ton- und Lehmdünger beschrieben, einfach in der Nähe der Pflanze in den Boden.

Depotbodengrund

Die Wirkung von Kompost auf das Pflanzenwachstum ist phänomenal. Leider kann man, wie schon erwähnt, im Aquarium keinen normalen Kompost einsetzen, weil das starke Bakterienentwicklung, Wassertrübung und eine Algenplage zur Folge hätte. Aber man kann und sollte ”Kompost light” verwenden, in Form von totem Herbstlaub. Laub ist ein für fast alle Aquarien unverzichtbares Nahrungsergänzungsmittel und versorgt die Fische und übrigen Aquarienbewohner auch mit den wichtigen sekundären Pflanzenstoffen. Je 10 Liter Beckeninhalt gibt man ein Blatt in das Aquarium und dosiert nach, wenn es ”verschwunden” ist. Dann ist es nämlich kompostiert und im Kiesboden versickert, wo es den lebenden Pflanzen als perfekter, natürlicher Nährstofflieferant dient.

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Ein Kommentar zu “Der richtige Bodengrund im Süßwasser-Aquarium

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