Heilkräuter für Fische

Schon immer verwenden Menschen Pflanzen als Heilmittel. In erster Linie kommen sie in der Humanmedizin zur Anwendung, doch auch Haustiere werden seit jeher damit behandelt. Nur bei Zierfischen ist es bisher völlig unüblich, Heilkräuter zu verwenden.

Seemandelbaum und Erlenzäpfchen

Heutzutage beschränkt sich die Anwendung pflanzlicher Heilmittel in der Aquaristik weitgehend auf den tropischen Seemandelbaum (Cattapa terminalis), dessen Blättern von manchen Anwendern geradezu Wunderwirkung nachgesagt wird. Seltener, aber immerhin noch gebräuchlich, sind die Zäpfchen der einheimischen Schwarzerle (Alnus glutinosus) und Rindenröllchen des tropischen Zimtstrauches (Cinnamomum verum).

Heilkräuter können mehr!

Es gibt in der heimischen Natur sehr viele, pharmazeutisch hochwirksame Kräuter. Einige davon sind so potent, dass man lieber die Finger davon lassen sollte, um keine Vergiftungen zu riskieren. Andere sind aber harmlos und trotzdem sehr wirksam. Hier sollen nur einige der bedeutsamsten Kräuter aufgeführt werden:

Kamille (Matricaria chamomilla)

Diese universelle Heilpflanze wirkt sanft antibiotisch und ist entzündungshemmend. Zugleich hat sie eine beruhigende Wirkung.

Wegerich (Plantago major, P. lanceolata)

Auch diese Pflanzen sind entzündungshemmend und haben sogar antivirale Wirkstoffe, wirken also gegen Viren. In der Humanmedizin benutzt man Wegerich gerne gegen Entzündungen der Magen und Darmschleimhaut.

Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Das Johanniskraut ist sehr wirksam zur Förderung der Wundheilung.

Birke (Betula spp.)

Die grünen Blätter der Birke enthalten Wirkstoffe, die den Heilungsprozess schlecht heilender Wunden fördern und Hauterkrankungen mildern.

Schafgarbe (Achillea millefolium)

Der wissenschaftliche Name Achillea weist auf den antiken Helden Achilles hin, der angeblich mit dem Kraut seine Wunden behandelte. Die Schafgarbe wirkt blutstillend und wundheilend.

Vorbeugen und pflegen statt heilen

Der Einsatz von Heilkräutern im Aquarium ist immer dann angezeigt, wenn Fische einer besonderen physischen Belastung ausgesetzt waren, besonders, wenn es notwendig war, sie zu fangen. Ganz allgemein sind Fische gar nicht so sehr empfindlich, aber es lässt sich nun einmal auch bei sorgfältiger Handhabung nicht ganz ausschließen, dass es zu kleinen Wunden am Körper der Tiere kommt, die man allerdings in der Regel mit bloßem Auge nicht sehen kann. Dennoch können (nicht: müssen) solche Mikrowunden zu Eintrittpforten für mögliche Krankheitserreger sein, z.B. Pilze oder Bakterien. Falls das Immunsystem der betroffenen Tiere geschwächt ist, weil der Fisch negativen Stress erlebte, dann kann es zur Erkrankung kommen. Die Heilkräuter helfen dabei, dass sich die Wunden schnell schließen und sie schnell abheilen, die Kräuter hemmen das Wachstum der potentiellen Krankheitserreger und sie mildern die psychischen Folgen von negativem Stress. Letzteres ist zumindest für den Menschen bewiesen, über die Psyche von Fischen wissen wir kaum etwas. Besonders bewährt hat sich der Einsatz von Heilkräutern beim Neukauf von Fischen. Denn die Neuzugänge müssen doch allerhand verkraften und neigen darum, wer wüsste das nicht, leichter zu Erkrankungen als eingewöhnte Tiere. Da geht es den Fischen nicht anders als uns Menschen: wer unter negativem Stress steht, der wird leichter krank. Ist es trotz Kräutern doch passiert und eine Erkrankung aufgetreten, soll und muss diese mit konventioneller Fischmedizin behandelt werden. Die Kräuteranwendung ist keine Garantie dafür, dass Fische nicht krank werden, sie macht es aber sehr wahrscheinlich, dass keine Medikamente benötigt werden.

Wie bringt man Kräuter in den Fisch?

Natürlich könnte man die Kräuter einfach in das Aquarium geben. Die wasserlöslichen Wirkstoffe werden dann abgegeben und gelangen über das Wasser in den Fisch und auf seine Haut. Allerdings empfiehlt sich diese Methode überhaupt nicht; denn alle in Heilkräutermischungen verwendeten Pflanzen werden grün geerntet und enthalten dem zu Folge reichlich Zucker und anderes fäulnisfähiges Material. Eine Massenvermehrung von Bakterien, Sauerstoffmangel und übler Geruch wären die Folge. Das schlechte Wasser würde die Fische eher schädigen, statt ihnen gut zu tun. Die Lösung des Problems: Tee! Man überbrüht die Kräutermischung einfach mit sprudelnd kochendem Wasser, lässt 10 Minuten ziehen, entfernt die Kräuter und hat eine einsatzfähige Lösung all der guten, erwünschten Wirkstoffe. Den Tee gibt man nach dem Abkühlen einfach in der gewünschten Dosierung in das Aquarium. Eine Überdosierung ist nicht zu befürchten, selbst in reinem Tee geschieht (wenn die Sauerstoffversorgung sichergestellt ist und der Tee nur als Bad für einige Stunden verwendet wird) den Fischen nichts. Der Tee ist – in eine saubere Flasche abgefüllt und verschlossen – im Kühlschrank mehrere Tage haltbar.

Risiken und Nebenwirkungen?

Die einzige Gefahr, die theoretisch von dem Tee ausgeht, ist, dass bei sehr hoher Dosierung der im Tee befindliche Zucker aus den Pflanzen zu einer verstärkten Bakterienvermehrung führt. Sollte dieser Fall wirklich einmal eintreten, ist das Malheur mit einem großzügigen Teilwasserwechsel schnell zu beheben.

Auswirkungen auf das Aquarium

Wir haben die bewährte Teemischung von Aquariana, die aus den erwähnten und einigen weiteren Kräutern besteht und speziell für die Eingewöhnung neu erworbener Fische entwickelt wurde, in ihrer Auswirkung auf die Wasserchemie untersucht. Gemessen wurden die für Fische bedeutsamsten Parameter pH-Wert, Gesamt härte, Karbonathärte, Ammonium-, Nitrit- und Nitrat-Gehalt, sowie Phosphat, Chlor, Silizium und Kupfer. Als Testequipment diente der Aqua-Check von Söll, der alle genannten Parameter sehr bequem und exakt mit einer photometrisch arbeitenden Elektrode erfasst; lediglich die Härte wurde mit einem Tropftest erfasst, ebenfalls aus dem Aqua-Check-Koffer von Söll.

Gemessen wurden:

1. Das Leitungswasser, mit dem der Tee aufgebrüht wurde vor dem Kochen
2. Das Leitungswasser, mit dem der Tee aufgebrüht wurde nach dem Kochen
3. Der frisch aufgebrühte Tee nach dem Abkühlen auf Raumtemperatur (muss allerdings für die Härtemessung stark mit destilliertem Wasser verdünnt werden, da bei der Gelbfärbung des Tees ein Farbumschlag sonst kaum sichtbar ist).
4. Das Aquarien-Rohwasser
5. Das Aquarienwasser nach der Einrichtung ohne Teezusatz
6. Das Aquarienwasser nach der Einrichtung mit Teezusatz (1 Esslöffel Tee / 10 l Aquarienwasser)
7. Das unbehandelte Aquarienwasser nach zwei Wochen ohne Wasserwechsel
8. Das mit Tee versetzte Aquarienwasser nach zwei Wochen ohne Wasserwechsel. Die kleinen Testaquarien waren mit jeweils 10 Liter Aquarienwasser gefüllt und jeweils 5 Neonsalmlern (Paracheirodon innesi) besetzt. Die Testaquarien enthielten 1 Liter gewaschenen Flusssand als Bodengrund und wurden mit einfachen, luftbetriebenen Innenfiltern über Perlonwatte gefiltert. Die Fische erhielten täglich eine Viertel Futtertablette. Es zeigte sich bei dieser Versuchsanordnung, dass der Tee keinerlei nennenswerten Einfluss auf die Wasserchemie nimmt.

Kräuter selbst sammeln oder kaufen?

Soweit uns bekannt, bietet derzeit nur Aquariana eine fertige Teemischung zur Eingewöhnung neu erworbener Fische an. Diese ist aufbrühfertig in Organza-Säckchen verpackt. Wer selbst sammeln will, sollte über eine gute Artenkenntnis verfügen, um nicht versehentlich giftige Pflanzen zu sammeln und sich kundig machen, zu welcher Jahres und Tageszeit welche Pflanzen gesammelt werden sollten. Die Pflanzen sind schonend zu trocknen und dunkel und trocken aufzubewahren. Alles in allem stellen Heilkräuter in der Aquaristik eine wunderbare Möglichkeit dar, auch sehr empfindliche Fische optimal einzugewöhnen. Probieren Sie es doch einmal aus! Es ist ganz einfach…


Anzeige


Über den Autor


Notice: Undefined variable: description_teaser in /var/www/web22669273/html/wp-content/themes/aqualog/single.php on line 33
Weiterlesen

Ein Kommentar zu “Heilkräuter für Fische

  1. Pingback: Blog Aquaristik und Umwelt – aquaterra70

Comments are closed.