Laub im Aquarium (Teil 4): Die Birke

Unter den Baumarten der Nordhalbkugel nehmen die Birken (Betula) einen bedeutenden Platz in der traditionellen Volksmedizin ein. Zeitweise galt der Baum als heilig, wurden Birkenprodukte bis in das Hochmittelalter nahezu als Universalheilmittel eingesetzt. Jedoch auch in der modernen, zeitgenössischen Medizin wird die Wirksamkeit der Birkenblätter von der Schulmedizin offiziell anerkannt.

Birken erkennt man leicht an der weißen Rinde

In Mitteleuropa gibt es vier heimische Birkenarten: die Hänge- oder Warzenbirke (Betula pendula), die Moor- oder Haarbirke (B. pubescens), die Strauchbirke (B. humilis) und die Zwergbirke (B. nana). Die beiden ersteren sind Bäume und allgemein verbreitet, die beiden letzteren bei uns sehr seltene und geschützte Eiszeitrelikte, die nur strauchartig wachsen. Für die Laubernte werden nur die beiden Bäume genutzt, die übrigens gar nicht so leicht auseinanderzuhalten sind. Für unsere Zwecke ist die Artzugehörigkeit nicht bedeutend, weshalb hier nicht weiter auf die Artunterschiede eingegangen wird, aber vielleicht nutzen Sie ja diese Zeilen als Anregung, einmal botanisieren zu gehen und die Birken in Ihrer Umgebung zu bestimmen.

Birken sind Kätzchenblüher. Ihr Pollen ist für Allergiker eine Plage, zeigt aber auch, wie potent Birkeninhaltsstoffe sind.

Medizinische Anwendungsgebiete

Beim Menschen wird Birkenlaub heutzutage therapeutisch bei entzündlichen Erkrankungen des Urogenitaltraktes und in der Oedemtherapie angewendet. Es wirkt mild, aber sehr effektiv entwässernd. Dieser Effekt ist bei Aquarienfischen von untergeordneter Bedeutung. Hier interessieren vor allem die entzündungshemmenden und hautheilenden Eigenschaften, die in der Kosmetik übrigens auch zur Verwendung von Birke führen: Birkenhaltiges Shampoo wird bei Schuppen und zur Kopfhautbelebung hergestellt.


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Über historische Anwendungsgebiete informiert ausführlich Norbert Lagoni in der von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft herausgegebenen Schrift ”Beiträge zur Sandbirke LWF-Bericht Nr. 28” aus dem Jahr 2000. Hier werden folgende traditionelle Anwendungsgebiete von Birkenprodukten – nicht nur Laub, sondern auch Rinde, Birkenwasser, Harz und Birkenwein – genannt: bei Sumpffieber, Magen- und Darmleiden, Gicht, Gelbsucht, Harnverhalten, rheumatischen Beschwerden, Wurmerkrankungen und Parasitenbefall, Hauterkrankungen, Mundfäule, Krätze, Haarausfall und Schuppenbildung.

Bei Aquarienfischen finden grün gepflückte, getrocknete Birkenblätter Anwendung in der Teemischung (siehe hier: https://www.aqualog.de/blog/suesswasser/heilkraeuter-fuer-fische/). Da sich das gesamte Feld der Pflanzenheilkunde für Aquarienfische noch im Experimentierstadium befindet, können wir hier leider keine wissenschaftlich fundierten Anwendungen beschreiben; die Erfahrung zeigt jedoch, dass bei Anwendung der Teemischung im Großhandel bei frisch importierten Fischen eine deutliche Verbesserung des Allgemeinzustandes der Tiere (weniger Flossenklemmen, Schaukeln oder andere Unwohlseinsbekundungen, aktiveres Schwimmen und mehr Balzverhalten) zu verzeichnen ist, verglichen mit Kontrollgruppen der gleichen Fischart aus den gleichen Importen, bei denen keine Teemischung zugegeben wurde.

Birken sind nicht auf Gewässer angewiesen, wachsen aber manchmal am Ufer.

Weitere Anwendungen

Herbstlaub der Birke ist ein gutes Zusatzfutter für Garnelen, Krebse und Krabben. Auch für ”normale” Aquarien kann und sollte man Herbstlaub aller Art in geringen Mengen stets im Aquarium haben. Es dient während des mikrobiologischen Abbaus als Zusatzfutter für Fische, danach als idealer Pflanzendünger; zusätzlich gibt Herbstlaub günstig wirkende, sekundäre Pflanzenstoffe an das Wasser ab. Der pharmazeutische Effekt von Birken- Herbstlaub ist aber wohl nur gering.

Von herbstlichem Birkenlaub sind keine besonderen Heilwirkungen zu erwarten, aber es kann sehr gut als Ergänzungsfutter und Wasserverbesserer Verwendung finden.

Frank Schäfer

Über den Autor Frank Schäfer

Frank Schäfer, geboren 1964, Biologe, seit frühester Jugend Tier- und Pflanzenhalter aus Leidenschaft. Sein besonderes Interesse gilt seit jeher den Fischen, aber Reptilien, Amphibien, Wirbellose, Kleinsäuger und Vögel sowie eine Vielzahl von Pflanzen begeistern ihn ebenso.

Seit 1980 Mitglied im Verein für Aquarien- und Terrarienkunde Hottonia e.V., dort seit 1982 auch immer wieder Vorstandsämter (Gartenwart, Redakteur der Vereinszeitschrift, 1. Schriftführer), seit 1982 Mitglied in der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische (IGL), seit 1992 auch im European Anabantoid Club (EAC). Erste Fachartikel über Pflege und Zucht von Puntius vittatus, Macropodus opercularis, Trionyx ferox und Polypterus senegalus in der Hottonia-Post 1981; erste große Fischfangreise in die Tropen 1983 nach Sumatra, worüber anschließend zahlreiche Aufsätze in der Hottonia-Post, der Zeitschrift „Der Makropode“ und „Das Aquarium“ erschienen; von da an regelmäßig Publikationen in vielen aquaristischen Fachzeitschriften, sowohl national wie auch international. Seither außerdem jährlich mehrere Dia-Vorträge auf nationalen und internationalen Tagungen.

Studium der Biologie in Darmstadt von 1984-1989, Abschluss als Diplom-Biologe mit den Prüfungsfächern Zoologie, Botanik, Ökologie und Psychologie. Diplomarbeit bei Prof. Ragnar Kinzelbach zum Thema „Wirtspezifität der Glochidien von Anodonta anatina“.

Zahlreiche Fang-, Sammel- und Studienreisen in das europäische Ausland, die Türkei, Sambia und vor allem Indien; Forschungsschwerpunkt ist die Süßwasserfischfauna des Ganges mit dem Ziel einer kompletten Revision der Arbeit von Francis Hamilton (1822): An account of the fishes found in the river Ganges and its branches. Edinburgh & London. Wissenschaftliche Erstbeschreibung von Oreichthys crenuchoides und gemeinsam mit Ulrich Schliewen von Polypterus mokelembembe. Wissenschaftliche Besuche und kurzzeitige Arbeiten in den zoologischen Sammlungen von London, Paris, Brüssel, Tervueren, Wien, Berlin, Frankfurt und München.

Seit 1996 bis heute Redakteur bei Aqualog und wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Fischbestimmung bei Aquarium Glaser, Rodgau. In dieser Zeit verantwortlich als Autor oder Co-Autor von über 20 Büchern und über 400 größeren Fachartikeln, nicht nur bei Aqualog, sondern bei nahezu allen deutschsprachigen Fachverlagen, vereinzelt auch in internationalen Publikationen. Seit 2009 Betreuung der Homepage und des Newsletters bei Aquarium Glaser mit 3-5 Posts pro Woche. Nach wie vor leidenschaftlicher Tier- und Pflanzenpfleger, quer durch den Gemüsegarten: Aquaristik (Süß- und Seewasser), Terraristik, Teichpflege, Kleinvögel.

Frank Schäfer ist verheiratet und hat zwei Töchter, die 1989 und 1991 geboren wurden.

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