Nicht aus „dem Netz“ – aus dem wirklichen Leben…

Kein Mensch glaubt mehr an Hexen. Moderne Zeiten brauchen modernen zeitgeistigen Aberglauben. Die Idee man könne die wesentlichen Antworten „im Netz“ finden zählt dazu. Denn diese findet man im richtigen Leben dort, wo sich Leute treffen, welche solche Antworten erarbeitet haben. Man muss nur hingehen. Wenn dort steht „Gäste sind herzlich willkommen. Der Eintritt ist frei!“ kann nichts schiefgehen. Man muss es nur einfach mal ausprobieren. Zwei interessante Veranstaltungen gab es im Kreis der DKG soeben. Das ist die Deutsche Killifisch Gesellschaft, die in Regionalgruppen organisiert ist. https://www.killi.org/

In Trebur bei Rüsselsheim berichtete Dr. Thomas Litz über „Killis und andere Süßwasserfische Uruguays“ bei der Regionalgruppe Rhein/Main, Leitung Christoph Samborski. Er stellte das rund 400 x 400 km kleine Land am südlichen Rand der Tropen vor sowie die Besonderheiten der besuchten Biotope. Diese sind meist verlandende Tümpel und oft permanent wasserführende Gräben in einer offenen Graslandschaft, die zur Zucht von Rindern genutzt wird. Völlig anders als man sich tropische Fische im Dschungel vorstellt. Das gilt auch für die Temperaturansprüche der diskutierten Fischarten. Sie benötigen in der Regel eine Winterpause.

Das ist die Typenlokalität von Cynolebias nioni, ebenfalls findet man dort Austrolebias arachan und Austrolebias juanlangi. An weiteren Tieren: Characidium rachovii, weitere unbestimmte Salmler, Kaulquappen von Pseudis minutus und Hyla pulchella. Photo: Thomas Litz.

Die Fischfauna permanenter Gewässer kam nicht zu kurz. So kam der Berichterstatter zu unerwarteten Informationen über kleine Welse, von deren Existenz er von alleine nichts gewusst hätte (Otothrys, Hisonotus). Bei einem Teilnehmerkreis von rund 20 Anwesenden ist die Atmosphäre entspannt familiär. Zwischenfragen zu stellen ist da leicht möglich. Da der Referent im Laufe von Jahrzehnten oft in Uruguay unterwegs war lassen sich auch Fragen beantworten, die ein Zuhörer hat, der vielleicht selber einmal dort hinreisen möchte.

Im etwas größeren Rahmen geht das auch. Die DKG Regionalgruppe Stuttgart, Leitung Klaus Umfahrer, lud ein zu einem Vortrag von Roland Wendel: „Killifischgärten – Gartenteiche im Dienste der Killifische“. Er fand in einem Vortragsaal in Plochingen bei Stuttgart statt. Rund 40 Teilnehmer waren erschienen, dem Augenschein nach 8 Gäste „U 40“. Roland Wendel hat die vorgestellten nordamerikanischen Killifische auf zahlreichen Reisen vor Ort studiert und zeigte auf, wie man diese im Garten halten und überwintern kann, wobei auch die Ausnahmen benannt wurden, die im Winter kühl, aber frostfrei gehalten werden müssen. Er richtete das Augenmerk auf Dinge, auf die ein motivierter Anfänger, der das auch einmal probieren möchte, wohl nie von selber gekommen wäre.

Photo: Roland Wendel

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Es gibt zwei Wege Killifische im Freiland zu halten. Das sind einmal große Maurerkübel, rund 100 x 70 x 40 cm, welche im Frühjahr draußen aufgestellt und eingerichtet werden. Gräbt man sie ein, gibt es Schutz gegen zu hohe Sommertemperaturen.

Oder man richtet größere permanente Gartenteiche ein. Die sind aber alle 2-3 Jahre zu leeren, weil sich, wer hätte das gedacht, zu viele Predatoren einfinden. Eisvögel und Ringelnattern sind erfolgreich, aber nur temporär da, Libellenlarven und die Larven großer Wasserkäfer (Gelbbrandkäfer) aber laufend. Interessanterweise kann man Killifsche und Sonnenbarsche zusammen halten, wobei die letzteren diese Predatoren gut kontrollieren, ohne selber den Killifischen zu stark nachzustellen. Es kommen in jedem Sommer zahlreiche Nachkommen hoch. Algen sind in diesem Fall hilfreich. Ein Punkt ist dabei aber wesentlich: „Es eignen sich die kleinbleibenden Arten: Enneacanthus gloriosus (Kiemenfleckdiamantbarsch) oder E. chaetodon (Scheibenbarsch). Die großwerdenden Arten wie Lepomis gibbosus (Sonnenbarsch) sind ungeeignet.“ (Roland Wendel)

Besonders Spaß macht es wenn der Praktiker Dinge quasi nebenbei berichtet, die man eben „im Netz“ nicht findet, weil man nicht weiß wo man danach wie fragt. So sind bei Herrn Wendel Aphanius mentoides „Kirk Göz“ in einen kleinen Teich eingewandert, der bis dahin nur Aphanius vladykovi beheimatete.

Aphanius vladykovi Photo: Roland Wendel

Die kleineren A. mentoides „Kirk Göz“ verdrängen dort langsam aber sicher die scheinbar robustere größere Art.

Fundulus lineolatus ist ein Fisch, den Wendel im Winter in einen Kaltraum holt. Die Art ist extrem agressiv untereinander, auch die Weibchen. Es ist daher nahezu unmöglich alle Tiere komplett über den Winter zu bringen.

Interessant auch dass beide Autoren die positive Bedeutung von täglichen Temperaturschwankungen für süd- und für nordamerkanische Killifische betonen. Bei letzteren sind kurzzeitig hohe Wassertemperaturen auch die Voraussetzung für einen guten Schlupferfolg.

So hat sich der Weg dorthin allemal gelohnt und man ist versucht diese Erfahrung des Informationserwerbs ohne Umwege zu vertiefen. Das geht auch – etwa bei einem guten Aquarienverein.

Fortsetzung folgt…

Michael Bischof

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Ein Kommentar zu “Nicht aus „dem Netz“ – aus dem wirklichen Leben…

  1. Tanja Laudien

    Schöner Beitrag! In Stuttgart war ich selber dabei. Leider stimmt das mit U40, aber ich hoffe ja noch, dass auch jüngere wieder erkennen, wie spannend Killis sind und wie wichtig es ist, sich im Verein zu organisieren!

    Viele Grüße,
    Tanja

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