Was fressen Süßwassermuränen?

Die häufig importierte Muräne Gymnothorax tile aus Indien ist an und für sich ein unempfindlicher Pflegling. Doch ihre Ernährung stellt viele vor ein Rätsel. In Importeurskreisen geht gar das Ge­rücht um, sie sei ein Nahrungs­spezialist, weil Fütterungs­ver­suche in Import­stationen und beim Einzelhändler oft er­folglos sind.

Gymnothorax tile, jung erwachsenes Exemplar

Die Muränen sind jedoch lediglich „Sensibelchen“, die sich absolut ein­ge­wöhnt haben müssen, bevor sie Nah­rung (tote und lebende Fische, ge­fros­te­te Garnelen und Regen­würmer) an­­nehmen. Diese freiwillige Hunger­phase dauert nach meinen Er­fahrungen etwa 3–4 Wochen und wird auch von kleinen Exem­plaren gut überstanden.  Also: Nur Geduld, früher oder später fangen sie schon an zu fressen. Am besten setzt man ein paar lebende Futterfische passender Größe (besonders eignen sich Mollys wegen ihrer großen Salztoleranz) in das Muränenbecken. Sind die Mollys verschwunden, haben die Muränen zu fressen begonnen; nun kann auch eine Fütterung mit toten Futtermitteln probiert werden.

Babyexemplare von Gymnothorax tile sind oft hübsch gefärbt.

Für eine ständige Pflege im Süßwasseraquarium ist Gymnothorax tile nicht gut geeignet. In der Natur lebt sie im Gezeitenbereich, also dort, wo die Ebbe und Flut gut spürbar sind. Ähnlich wie Argusfische, Silberflossenblätter, Kugelfische usw., die aus dieser Zone kommen, vertragen sie durchaus reines Süßwasser, sind dort aber sehr empfindlich gegen Nitrat – selbst Werte von nur 50 mg/l werden schlecht vertragen – und noch empfindlicher gegen Nitrit. Wenn nach einer Fütterung der Nitritwert plötzlich ansteigt ist das oft das Todesurteil für die Brackwasserfische, auch wenn echte Süßwasserfische im gleichen Becken keinerlei Anzeichen von Unwohlsein zeigen.

Salz verringert die physiologische Giftwirkung von Nitrat und Nitrit auf den Organismus der Muränen. Darum pflegt man sie besser in Brack- oder Meerwasseraquarien.

Ein voll erwachsenes Exemplar der Süßwassermuräne. Die Art wird 60-80 cm lang.

Von vielen Muränen wird behauptet, ihr Biss sei giftig. Der Biss von Gymnothorax tile ist definitiv nicht giftig. Ich hatte einmal das zweifelhafte Vergnügen, von einem Exemplar sehr heftig gebissen zu werden, was zu einem blutenden Finger führte. Das geschah nicht aus Bosheit des Tieres, sondern nach einer Fütterung. Meine Finger rochen noch nach Fisch und ich arbeitete am Filter, was die offenbar noch nicht gesättigte Muräne veranlasste, von mir zu probieren. Ich ließ die Wunde unter fließendem, warmem Wasser gut ausbluten. Sie heilte ohne Schwellung oder Entzündung völlig problemlos von alleine ab.

Diese Gymnothorax isingteena (eine Meeresmuräne) zeigt schön das Gebiss einer Muräne.

Frank Schäfer

Über den Autor Frank Schäfer

Frank Schäfer, geboren 1964, Biologe, seit frühester Jugend Tier- und Pflanzenhalter aus Leidenschaft. Sein besonderes Interesse gilt seit jeher den Fischen, aber Reptilien, Amphibien, Wirbellose, Kleinsäuger und Vögel sowie eine Vielzahl von Pflanzen begeistern ihn ebenso.

Seit 1980 Mitglied im Verein für Aquarien- und Terrarienkunde Hottonia e.V., dort seit 1982 auch immer wieder Vorstandsämter (Gartenwart, Redakteur der Vereinszeitschrift, 1. Schriftführer), seit 1982 Mitglied in der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische (IGL), seit 1992 auch im European Anabantoid Club (EAC). Erste Fachartikel über Pflege und Zucht von Puntius vittatus, Macropodus opercularis, Trionyx ferox und Polypterus senegalus in der Hottonia-Post 1981; erste große Fischfangreise in die Tropen 1983 nach Sumatra, worüber anschließend zahlreiche Aufsätze in der Hottonia-Post, der Zeitschrift „Der Makropode“ und „Das Aquarium“ erschienen; von da an regelmäßig Publikationen in vielen aquaristischen Fachzeitschriften, sowohl national wie auch international. Seither außerdem jährlich mehrere Dia-Vorträge auf nationalen und internationalen Tagungen.

Studium der Biologie in Darmstadt von 1984-1989, Abschluss als Diplom-Biologe mit den Prüfungsfächern Zoologie, Botanik, Ökologie und Psychologie. Diplomarbeit bei Prof. Ragnar Kinzelbach zum Thema „Wirtspezifität der Glochidien von Anodonta anatina“.

Zahlreiche Fang-, Sammel- und Studienreisen in das europäische Ausland, die Türkei, Sambia und vor allem Indien; Forschungsschwerpunkt ist die Süßwasserfischfauna des Ganges mit dem Ziel einer kompletten Revision der Arbeit von Francis Hamilton (1822): An account of the fishes found in the river Ganges and its branches. Edinburgh & London. Wissenschaftliche Erstbeschreibung von Oreichthys crenuchoides und gemeinsam mit Ulrich Schliewen von Polypterus mokelembembe. Wissenschaftliche Besuche und kurzzeitige Arbeiten in den zoologischen Sammlungen von London, Paris, Brüssel, Tervueren, Wien, Berlin, Frankfurt und München.

Seit 1996 bis heute Redakteur bei Aqualog und wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Fischbestimmung bei Aquarium Glaser, Rodgau. In dieser Zeit verantwortlich als Autor oder Co-Autor von über 20 Büchern und über 400 größeren Fachartikeln, nicht nur bei Aqualog, sondern bei nahezu allen deutschsprachigen Fachverlagen, vereinzelt auch in internationalen Publikationen. Seit 2009 Betreuung der Homepage und des Newsletters bei Aquarium Glaser mit 3-5 Posts pro Woche. Nach wie vor leidenschaftlicher Tier- und Pflanzenpfleger, quer durch den Gemüsegarten: Aquaristik (Süß- und Seewasser), Terraristik, Teichpflege, Kleinvögel.

Frank Schäfer ist verheiratet und hat zwei Töchter, die 1989 und 1991 geboren wurden.

Ein Kommentar zu “Was fressen Süßwassermuränen?

  1. Tobias Baumann

    Hallo,
    ich halte mittlerweile seit einigen Jahren G. tile bei mir, und habe meine ersten Tiere am besten mit den Im Fachhandel erhältlichen Sandgarnelen ans Fressen bekommen, und mit “Söll Organix” Shrimp Sticks sogar an Trockennahrung gewöhnen können.
    Mittlerweile gehen sie an fast alles was so ins Aquarium kommt, und werden erfolgreich mit Dennerle, Söll, Hikari und Repaschy ernährt, wobei Muscheln, Garnele, Fisch so wie Kopffüsser weiterhin im Speiseplan vorhanden sind.

    Regenwürmer werden auch genommen, Grillen eher weniger und auch Mehlkäferpuppen bleiben erst mal liegen in der Hoffnung es kommt was besseres nach.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.