Der Zwerggürtelschweif

Aus Tansania wurde bis vor wenigen jahren regelmäßig eine kleine Eidechse importiert, die ein ideales Einsteigertier für alle ist, die sich ernsthaft für die Terraristik interessieren: Cordylus tropidosternum, der Zwerggürtelschweif. Leider ist seither still um die netten Tiere geworden…

Männchen des Zwerggürtelschweifs

Wie bei allen Dingen im Leben ist auch in der Terraristik vieles möglich und in erster Linie eine Frage des Ge­schmacks. Die Mehrzahl der Reptilienhalter pflegt nur einige wenige Tiere, meist eher aus Interesse an der Persönlichkeit dieser Tiere. Sie sind mit den Haustieren unter den Kriechtieren gut bedient, wie den Bart­aga­men, den euro­päischen Landschild­kröten, Leo­parden­gek­kos und Kornnattern. Über diese Tiere gibt es umfangreiche Literatur und wer lesen kann, wird mit diesen Pfleg­lingen keine Schwierig­keiten haben, die über die üblichen Wechsel­fälle des Lebens hinausgehen. Doch dann gibt es noch die Naturforscher unter den Ter­ra­rianern, denen es darum geht, die Lebens­geschichte ihrer Pfleglinge zu erforschen und sich durch die Beobachtung ihrer Tiere im Terrarium weiter­zubilden und so tiefere Einsichten zu ge­winnen. Wer diesen Weg ein­schlagen möchte, für den ist der Zwerg­gürtelschweif ein ideales Anfängerobjekt. Die Tiere stellen keine übermäßigen An­sprüche und sind relativ leicht zu züchten.

Weibchen des Zwerggürtelschweifs

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Gürtelschweife – eine Übersicht
Die Familie der Cordylidae oder Gürtel­schweife umfasst gegenwärtig 55 Arten in 3 – 4 Gattungen. Eine Gattung, Chamae­saura mit 3 Arten enthält fast beinlose Echsen, die ähnlich wie unsere Blind­schleiche le­ben. Cordylus enthält 37 Arten. Früher wur­de Cor­dylus von Pseudocordylus getrennt. Grund­lage dieser Trennung war die Be­schuppung im Nacken und des Rückens. Neuere Autoren führen Pseudocordylus aber nicht mehr als Gattung und die früher Pseudo­cordylus zugeordneten Arten werden heute in Cordylus geführt. Schließlich gibt es noch die Gattung Platysaurus mit 15 Arten. Von den vielen Arten der Gattung Cordylus spielt(e) terraristisch nur C. tropidosternum eine nennenswerte Rolle im Handel, begehrt und selten ist noch der Riesengürtelschweif, C. giganteus, doch die meisten anderen Arten sind terraristisch praktisch uner­schlossen.

Der Riesen-Gürtelschweif ist eine seltene Kostbarkeit

Der Zwerggürtelschweif
Diese Art ist im südlichen Afrika recht weit verbreitet und kommt im Südosten Kenias über Tansania, das nördliche Zambia und der Katanga-Provonz in der D.R. Kongo, Malawi, Mosambik und im Nordosten Zimbabwes vor. Es handelt sich beim Zwerggürtel­schweif um einen Steppenbewohner. Da das Tier nur eine Kopf-Rumpf-Länge von etwa 10 cm bei einer Gesamtlänge von 18 cm er­reicht, stellt es keine übermäßigen Platzan­for­derungen. Im Gegensatz zu fast allen anderen Echsen sind die niedlichen Zwerg­gürtelschweife untereinander vollkommen friedlich. Das gilt sogar für die Männ­chen. Ja, man kann sogar aus dem Verhalten der Tiere schließen, dass sie sich in der Gesellschaft ihresgleichen deutlich wohler fühlen als bei Einzel- oder Paarhaltung. Sie sind dann auch wesentlich weniger scheu. Beim Zwerggür­tel­schweif handelt es sich um eine lebend­gebärende Echse. Das macht sie so beson­ders geeignet für Anfänger, denn das schwierigste bei der Eidechsenzucht ist es immer noch, den Weibchen geeignete Eiablageplätze zu schaffen, die von den Tieren auch ange­nommen werden.


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Zwerggürtelschweif-Weibchen mit neugeborenem Jungtier

Pflege
Tagsüber sollten unter der Hauptwärme­quelle etwa 40°C herrschen, im gesamten Terrarium um 30°C, nachts lässt man die Temperatur auf Raumtemperatur absinken. Wichtig ist eine etwa 3-monatige kühle Phase bei tags etwa 25° und nachts um 16°C. Zwerggürtel­schwei­fe sind reine Insekten­fresser. Futter­tiere sind grundsätzlich mit einem Kalk-Vitaminge­misch zu bestreuen. Ein Trinkwassernapf darf nicht fehlen. Die Tiere können auch Wasser durch die Haut auf­nehmen.

Wer sich an Zwerggürtelschweifen erfolg­reich erprobt hat, ist den ersten Schritt in Richtung Terrarianer gegangen und wird sich vielleicht später auch mit den unbe­kannteren Vertetern der Gattung beschäf­tigen; verdient hätten sie es allemal!

Frank Schäfer

Über den Autor Frank Schäfer

Frank Schäfer, geboren 1964, Biologe, seit frühester Jugend Tier- und Pflanzenhalter aus Leidenschaft. Sein besonderes Interesse gilt seit jeher den Fischen, aber Reptilien, Amphibien, Wirbellose, Kleinsäuger und Vögel sowie eine Vielzahl von Pflanzen begeistern ihn ebenso.

Seit 1980 Mitglied im Verein für Aquarien- und Terrarienkunde Hottonia e.V., dort seit 1982 auch immer wieder Vorstandsämter (Gartenwart, Redakteur der Vereinszeitschrift, 1. Schriftführer), seit 1982 Mitglied in der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische (IGL), seit 1992 auch im European Anabantoid Club (EAC). Erste Fachartikel über Pflege und Zucht von Puntius vittatus, Macropodus opercularis, Trionyx ferox und Polypterus senegalus in der Hottonia-Post 1981; erste große Fischfangreise in die Tropen 1983 nach Sumatra, worüber anschließend zahlreiche Aufsätze in der Hottonia-Post, der Zeitschrift „Der Makropode“ und „Das Aquarium“ erschienen; von da an regelmäßig Publikationen in vielen aquaristischen Fachzeitschriften, sowohl national wie auch international. Seither außerdem jährlich mehrere Dia-Vorträge auf nationalen und internationalen Tagungen.

Studium der Biologie in Darmstadt von 1984-1989, Abschluss als Diplom-Biologe mit den Prüfungsfächern Zoologie, Botanik, Ökologie und Psychologie. Diplomarbeit bei Prof. Ragnar Kinzelbach zum Thema „Wirtspezifität der Glochidien von Anodonta anatina“.

Zahlreiche Fang-, Sammel- und Studienreisen in das europäische Ausland, die Türkei, Sambia und vor allem Indien; Forschungsschwerpunkt ist die Süßwasserfischfauna des Ganges mit dem Ziel einer kompletten Revision der Arbeit von Francis Hamilton (1822): An account of the fishes found in the river Ganges and its branches. Edinburgh & London. Wissenschaftliche Erstbeschreibung von Oreichthys crenuchoides und gemeinsam mit Ulrich Schliewen von Polypterus mokelembembe. Wissenschaftliche Besuche und kurzzeitige Arbeiten in den zoologischen Sammlungen von London, Paris, Brüssel, Tervueren, Wien, Berlin, Frankfurt und München.

Seit 1996 bis heute Redakteur bei Aqualog und wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Fischbestimmung bei Aquarium Glaser, Rodgau. In dieser Zeit verantwortlich als Autor oder Co-Autor von über 20 Büchern und über 400 größeren Fachartikeln, nicht nur bei Aqualog, sondern bei nahezu allen deutschsprachigen Fachverlagen, vereinzelt auch in internationalen Publikationen. Seit 2009 Betreuung der Homepage und des Newsletters bei Aquarium Glaser mit 3-5 Posts pro Woche. Nach wie vor leidenschaftlicher Tier- und Pflanzenpfleger, quer durch den Gemüsegarten: Aquaristik (Süß- und Seewasser), Terraristik, Teichpflege, Kleinvögel.

Frank Schäfer ist verheiratet und hat zwei Töchter, die 1989 und 1991 geboren wurden.

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2 Kommentare zu “Der Zwerggürtelschweif

  1. Pia Gombert

    Hallo,
    ich habe vor einigen Jahren Zwerggürtelschweife von Kollegen übernommen. Eigentlich will ich keine Nachzucht, aber da bei den übernommenen Jungtieren anscheinend ein Männchen dabei war, habe ich gerade ordentlich Nachwuchs. Ich würde das Männchen und eventuell einige Jungtiere, wenn sie etwas größer sind, gerne an freundliche Menschen abgeben, aber nicht einfach über ebay o.ä.. Kennen Sie jemanden mit einem Herz und Interesse für Zwerggürtelschweife?

    Antworten
    1. Ingo Conrad

      Sehr geehrte Frau Gombert,
      ich hab Interesse an Ihren Zwerggürtelschweife am Männchen sowie an einigen Jungtieren. Zur weiteren Kontaktaufnahme teile ich Ihnen meine Email Adresse mit. p-conrad@t-online.de.
      Über eine Benachrichtigung Ihrerseits würde ich mich sehr freuen.
      Mit freundlichen Grüßen
      Ingo Conrad

      Antworten

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