Ancistrus sp. L180 – nur eine Art?

Saugwelse, deren Artzugehörigkeit nicht eindeutig bestimmt werden kann oder konnte, haben von der Zeitschrift DATZ häufig L-Nummern erhalten, damit wenigstens eine Kommunikation möglich ist. Das System hat sich insgesamt hervorragend bewährt.

Die Codenummer “L180” erhielt dieser hübsche Ancistrus aus dem Rio Tocantins in Datz 9/94.

Ich pflege seit ca. 10Jahren hauptsächlich verschiedene ancistrine Welse, das ist eine Gruppe von Saugwelsen, zu der u.a. die Antennenwelse der Gattung Ancistrus zählen. Im Oktober/November 2010 sah ich bei Aquarium Glaser verschiedene Anten­nen­welsarten, die aus Brasilien stammten, darunter sehr attraktive Tiere. Da diese Tiere nicht eindeutig bestimmt werden konnten, wurden sie als “L180 spez.” angeboten. Dabei wurde die charakteristische Körperform des L180 zugrunde gelegt. Diese ist bei L180 flach, breit und durch kurze kräftige Brust­flossen­strahlen charakterisiert.

Erwachsenes Männchen von L180a.

Wieviel “L180” gibt es?
In einem Becken schwammen zwei ver­schiedene Typen herum. Zuerst glaubte ich, es wären Farbvarianten einer Art: es gab Tiere mit größeren Punkten auf dunkelbraunem Unter­grund und welche mit sehr vielen, weißen, kleinen Punkten. Bei genauerer Be­trachtung glaubte ich dann aber eher, dass es sich um zwei verschiedene Arten handeln müsste. Da die Tiere noch klein waren (um 4 cm), würde ich natürlich noch warten müssen, um Näheres sagen zu können. Dann entdeckte ich noch in zwei anderen Becken wiederum zwei Arten, welche ich dann ebenfalls mitnehmen durfte. Diese Tiere waren schon größer bis zu ca. 8 cm und L180-typisch sehr flach und breit mit der dunkelbraunen Grundfärbung und den weißen Punkten.

Jungtiere von L180a sind allerliebst.

Herkunft unbekannt
Leider ist nur bekannt, dass die Fische aus Brasilien kommen; genaueres ließ sich nicht herausfinden. Auch zusätzliche Recherechen mit Frank Schäfer, um welche Tiere es sich handeln könnte bzw. ob sie vielleicht schon einen Namen haben, brachten keine Ergeb­nisse. Ich bekam den Vorschlag, mich doch mal mit unserem weltweit anerkann­ten Wels­spezialisten Ingo Seidel in Ver­bindung zu setzen, was ich dann auch tat. Ich schickte ihm verschiedene Bilder der “Ancistrus spez L180” und er antwortete folgendermaßen: Einer gehört, für ihn, auf jeden Fall zu den L180 und die anderen drei Arten sind ihm bislang nicht bekannt.

L180b bleibt kleiner als L180a und ist hochrückiger.

Zucht geglückt!
Mittlerweile kann ich folgende Hinweise zu Haltung und Zucht machen. Es ist mir gelungen, drei der vier Arten erfolgreich zu vermehren, dazu nun einige Anmerkungen zu der Pflege und zu den Haltungsbeding­ungen. Die Pflege der Welse erfolgt in Leitungswasser mit den Werten < 16°dGH, die Wassertemperaturen liegen bei 26-28°C, der pH Wert liegt bei 7. Jede Woche werden bei den 200Ltr Becken 40Ltr Wasser gewechselt. Gefüttert werden verschiedene Tabletten­futter, persönlich favorisiere ich Plankton Tabs und viformo Tabs, beide von Sera. Ab­wechslung im Futterplan wird zudem durch gefrostete Artemien und rote Mückenlarven erreicht. Die Welse werden zweimal täglich gefüttert. Nach meiner Erfahrung sehr be­währt hat sich die Zugabe von getrockneten Walnussblättern.

L180c fällt durch die sehr zahlreichen Punkte auf.

Nun, nach vier Monaten der Pflege war es dann soweit: die dem geläufigen L180 ähnlichsten Ancistrus laichten erstmalig ab. Ich bezeichne diesen Fisch im Folgenden als L180a. Das Ablaichen entsprach dem aller Ancistrus-Arten und geschah in einer selbst­getöpferten Höhle, die ich bei einem Bekann­ten erstanden hatte. L180a laichte das erste Mal im Januar ab. Die Eianzahl lag bei gut 50 Eiern, die gelblich und recht groß (ca. 4mm) im Durchmesser waren. Die Zeitigung erfolgte in einem separatem Be­hälter unter Hinzugabe von sehr weichem Quellwasser (<2°dGH, pH 5,5, Leitwert 135µs/cm), das täglich zweimal gewechselt wurde. Die Aufzucht der Larven bereitete keine Probleme, sofort nach Auf­zehren des Dottersacks sind die Tiere dann schon in Leitungswasser bei 29°C überführt worden. L180a ist ca. 10 cm groß und hat bislang zweimal abgelaicht. Im März haben dann noch zwei weitere Welsarten dieses L180-Formenkreises abgelaicht. Es waren die beiden Arten, welche gemeinsam ange­boten wurden und zum Zeitpunkt des Kaufes noch sehr klein waren.

L180d ist die flachste Art und besitzt gebänderte Flossen.

Eine scheinbar kleiner bleibende Art, die ich hier L180b nennen möchte, ist bisher nicht über 6 cm hinausgekommen. Die Tiere wirken sehr flach und breit in ihren Pro­portionen, sie haben schöne, größere, weiße Punkte.

Jungfisch von L180a

Die dritte Art, die ich hier als L180c bezeichnen möchte, ist etwas hochrückiger und misst derzeit ca. 8 cm. Diese Art ist mit kleinen, weißen Punkten geradezu übersät und ist auch nicht ganz so breit gebaut wie die anderen drei Arten. Die Eier dieser beiden Vertreter sind ebenfalls gelblich, ca. 3-4 mm im Durchmesser und die Gelegegröße liegt bei 25-35 Eiern. Die Zeitigung der Gelege beider Arten (L180b und L180c) erfolgte ebenfalls separat im Quellwasser bis zur Aufzehrung des Dottersacks der Larven, danach über­führte ich sie wiederum in Leitungs­wasser bei 28-29°C. Das Erstfutter aller Welsarten sind bei mir die vorher einge­weichten Walnussblätter. Anschließ­end wird schon mit gängigen Welstabs gefüttert.

Jungfisch von L180b

Wie die Bilder der Jungfische zeigen, handelt es sich um sehr attraktive Welsarten, die den Vorteil haben, auch noch im „Alter“ ihr schönes Punktekleid zu behalten. Die weißen bis gelblichen Flossensäume bzw. Flossen­spitzen sind nur im Jungtierstadium vorhan­den und verlieren sich später, aber die Punktierung bleibt erhalten.

Jungfisch von L180c

Eine der vier L180-artigen Welsarten hat noch nicht abgelaicht, hier werde ich mich weiter in Geduld üben. Diese Welsart, ich bezeichne sie als L180d, ist die flachste der hier be­schriebenen Ancistrus. Im Händler­becken wirkte sie auf mich zunächst etwas un­attraktiv, was sich aber so nicht bestätigte. Anfangs wirkten die Tiere am ganzen Körper verwaschen braun; jetzt ist nur die hintere Körperhälfte so geblieben, während die vor­dere Körperhälfte eine weißlich-gelbe Punk­tierung zeigt. Über die Endgröße kann ich nur spekulieren, warten wir es mal ab, zur Zeit sind meine größten Exemplare 7 cm lang. Sie läßt sich, wie die anderen Arten, gut im Leitungs­wasser pflegen und nimmt die genannten Futtersorten ebenfalls gut an.

Vielleicht kann ja einer der Leser Hinweise zur Identität dieser vier Ancistrus-Arten geben? Ich würde mich darüber freuen.

Aquarium Glaser, Rodgau, danke ich, dass ich schon verschiedentlich die Möglichkeit er­hielt, schöne Importwelse zu erwerben, um sie für Aquarium Glaser weiterzuzüchten.

Peter Schwabe

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