Trichomycterus alternatus: Im Schatten des Vampirs

Fische haben das gleiche Problem wie Menschen: sie können sich ihre Verwandten nicht aussuchen! Und so leidet der gute Ruf eines kleinen Welses arg unter dem Leumund einiger seiner Vettern. Der am meisten gefürchtete Fisch Südamerikas ist der Candiru (hinter dem Namen verbergen sich mehrere Arten und Gattungen, das braucht an dieser Stelle aber nicht zu interessieren), denn dieser Fisch kann in die Harnröhre des Menschen eindringen, wenn dieser unter Wasser uriniert. Die Folge sind furchtbare, oft tödliche Infektionen, denn durch Widerhaken an den Kiemendeckeln kann der Fisch nicht wieder zurück. Er stirbt und verseucht sein Opfer von innen heraus.

Männchen von Trichomycterus alternatus

Natürlich ist das nicht der Lebenszweck des Candirus. Der liegt vielmehr darin, das Blut aus den Kiemen riesiger Raubwelse zu saugen. Wenn  ein Candiru in eine Harnröhre schwimmt, verirrt er sich also bloß. Aber auch das Blutsaugen macht den Candiru nicht eben sympathischer…

Weibchen von Trichomycterus alternatus

Das ist schade, denn der Candiru hat Verwandte, die ganz entzückende und hochinteressante Aquarienfische sind. Eine dieser Arten ist Trichomycterus alternatus aus Brasilien. Die etwa 10 cm lang werdenden Fische sind muntere und friedliche Fische, die an Bachschmerlen mit Schnauzbart erinnern. Besonders interessant ist, dass die Geschlechtsunterschiede (Männchen und Weibchen sind unterschiedlich gefärbt, dazu haben die Männchen längere und breitere Brustflossen) und die Jugendfärbung genau wie bei unseren heimischen Bachschmerlen (Barbatula barbatula) sind.

Jungfisch von Trichomycterus alternatus

Bezüglich der Fütterung ist dieser Schmerlenwels völlig unproblematisch. Die Art liebt die Geselligkeit und sollte immer im Trupp gehalten werden, sonst sind die Fische scheu. Die Temperatur kann zwischen 22 und 25°C liegen, an das Wasser werden keine besonderen Ansprüche gestellt, es sollte allerdings sauber und sauerstoffreich sein. Da die Fische aus stark strömenden Bächen stammen, lieben sie entsprechend starke Filterung.

Frank Schäfer


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Über den Autor Frank Schäfer

Frank Schäfer, geboren 1964, Biologe, seit frühester Jugend Tier- und Pflanzenhalter aus Leidenschaft. Sein besonderes Interesse gilt seit jeher den Fischen, aber Reptilien, Amphibien, Wirbellose, Kleinsäuger und Vögel sowie eine Vielzahl von Pflanzen begeistern ihn ebenso.

Seit 1980 Mitglied im Verein für Aquarien- und Terrarienkunde Hottonia e.V., dort seit 1982 auch immer wieder Vorstandsämter (Gartenwart, Redakteur der Vereinszeitschrift, 1. Schriftführer), seit 1982 Mitglied in der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische (IGL), seit 1992 auch im European Anabantoid Club (EAC). Erste Fachartikel über Pflege und Zucht von Puntius vittatus, Macropodus opercularis, Trionyx ferox und Polypterus senegalus in der Hottonia-Post 1981; erste große Fischfangreise in die Tropen 1983 nach Sumatra, worüber anschließend zahlreiche Aufsätze in der Hottonia-Post, der Zeitschrift „Der Makropode“ und „Das Aquarium“ erschienen; von da an regelmäßig Publikationen in vielen aquaristischen Fachzeitschriften, sowohl national wie auch international. Seither außerdem jährlich mehrere Dia-Vorträge auf nationalen und internationalen Tagungen.

Studium der Biologie in Darmstadt von 1984-1989, Abschluss als Diplom-Biologe mit den Prüfungsfächern Zoologie, Botanik, Ökologie und Psychologie. Diplomarbeit bei Prof. Ragnar Kinzelbach zum Thema „Wirtspezifität der Glochidien von Anodonta anatina“.

Zahlreiche Fang-, Sammel- und Studienreisen in das europäische Ausland, die Türkei, Sambia und vor allem Indien; Forschungsschwerpunkt ist die Süßwasserfischfauna des Ganges mit dem Ziel einer kompletten Revision der Arbeit von Francis Hamilton (1822): An account of the fishes found in the river Ganges and its branches. Edinburgh & London. Wissenschaftliche Erstbeschreibung von Oreichthys crenuchoides und gemeinsam mit Ulrich Schliewen von Polypterus mokelembembe. Wissenschaftliche Besuche und kurzzeitige Arbeiten in den zoologischen Sammlungen von London, Paris, Brüssel, Tervueren, Wien, Berlin, Frankfurt und München.

Seit 1996 bis heute Redakteur bei Aqualog und wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Fischbestimmung bei Aquarium Glaser, Rodgau. In dieser Zeit verantwortlich als Autor oder Co-Autor von über 20 Büchern und über 400 größeren Fachartikeln, nicht nur bei Aqualog, sondern bei nahezu allen deutschsprachigen Fachverlagen, vereinzelt auch in internationalen Publikationen. Seit 2009 Betreuung der Homepage und des Newsletters bei Aquarium Glaser mit 3-5 Posts pro Woche. Nach wie vor leidenschaftlicher Tier- und Pflanzenpfleger, quer durch den Gemüsegarten: Aquaristik (Süß- und Seewasser), Terraristik, Teichpflege, Kleinvögel.

Frank Schäfer ist verheiratet und hat zwei Töchter, die 1989 und 1991 geboren wurden.

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Ein Kommentar zu “Trichomycterus alternatus: Im Schatten des Vampirs

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