Axolotl (Ambystoma mexicanum) Teil 2: Zucht

Als ich – damals noch ein Junge – mein erstes Paar Axolotl sah (ohne vorher von der Existenz solcher Wesen etwas geahnt zu haben), machten sie einen tiefen Eindruck auf mich. Nicht wegen ihres Aussehens oder ihrer Farben – beides war auf den ersten Blick nicht sehr beeindruckend – sondern weil sie auf mich wie gigantische Kaulquappen aussahen.

Gelbe Albino-Zuchtform des Axolotls

Bis dahin hatte ich nur “normale” Frosch- und Krötenkaulquappen gepflegt, die vielleicht 2 cm lang wurden (Molche oder Salamander hatte ich zu der Zeit noch gepflegt). Diese neuen Kaulquappen waren anders. Sie waren enorm; etwa 15 cm lang. Später lernte ich, dass das keine gewöhnlichen Kaulquap­pen waren. Sie entwickeln sich niemals zu normalen Erwachsenen, können sich aber trotzdem fortpflanzen … und … sie können sogar noch deutlich größer als 15 cm werden.

Tatsächlich fangen Axolotl von 15 cm Länge gerade erst an, geschlechtsreif zu werden. Die meisten tun dies sogar erst, wenn sie etwas größer sind und die volle Ge­schlechtsreife setzt irgendwann zwischen dem fünften Lebensmonat und einer Reihe von Jahren ein. Das bedeutet also, wenn man z.B. ein 18 Monate altes Paar zur Zucht an­setzt, können die Tiere bereits geschlechts­reif sein, müssen es aber nicht.

Mit 18 Monaten werden die meisten Exemplare nahezu ausgewachsen sein – also rund 30 cm lang. Die Geschlechter kann man aber schon vorher unterscheiden. Zunächst liefert die allgemeine Körperform einen guten Hinweis. Männchen sind schlanker als Weibchen, besonders wenn letztere bereits Eier im Leib haben. Die Kloake (der gemeinsame Ausgang von Blase, Darm und Geschlechtsorganen) ist ebenfalls unterschiedlich geformt. Bei voll geschlechtsreifen Männchen ist sie deutlich größer als bei Weibchen. Oft wird sie als “geschwollen” bezeichnet, eine unglückliche Ausdrucksweise, impliziert sie doch einen krankhaften Vorgang, was hier keineswegs der Fall ist. Bei den Weibchen ist die Kloake niemals so groß wie bei den Männchen. Wer den Unterschied einmal gesehen hat, wird ihn nicht mehr vergessen.

Gut genährte, in geheizten und beleuch­teten Aquarien gepflegte Exemplare können ganzjährig ablaichen. Werden die Tiere in Innenräumen unter natürlichem Licht­regime in geräumigen Aquarien gehalten (60 x 90 x 45 cm bei einem Wasserstand von 15 cm) werden sie gegen Ende des Winters oder Anfang des Frühlings erstmals laichen, wenn die Tage länger werden und die Tem­peraturen steigen.

Die Einrichtung des Laichbeckens kann spartanisch sein: ein paar Pflanzen, ein paar Schieferstücke oder flache Steine – das war´s. Die Wasserqualität sollte natürlich gut sein.

Nach einiger Zeit der Balz vor dem Weibchen wird das Männchen versuchen, es zu einem der Steine zu lotsen. Dort wird ein Samen­paket (die so genannte Spermatophore) abgesetzt und das Weibchen dazu gebracht, über die Absatzstelle zu kriechen und die Spermatophore mit der Kloake aufzu­nehmen. Im Körper des Weibchens gibt die Spermatophore die Spermien frei, die nun die Eier befruchten. Diese Befruchtungs­methode wird indirekte innere Befruchtung genannt.

Der Zeitabstand zwischen Befruchtung und Eiablage variiert bei den Weibchen er­heblich. Nach meiner Erfahrung beträgt er vier bis fünf Stunden bis zu einem Tag, aber in der Literatur werden auch längere Zeitspannen beschrieben.

Genau wie der Befruchtungsvorgang via Spermatophore dem generellen Befruch­tungs­modus bei Molchen und Salamandern entspricht tut dies auch die Eiablage. Die Weibchen halten mit den Hinterbeinen Pflanzenblätter fest und heften die klebrigen Eier daran an. Bei Ambystoma werden die Eier nicht einzeln verpackt. Öfter findet man kleine Laichklumpen, aber die Eier werden immer einzeln abgelegt. In Ermangelung von Pflanzen, manchmal auch wenn sie vorhanden sind, legen die Weibchen die Eier auch an anderen Gegenständen ab, bis zu 1.000 Eier bei einem voll erwachsenen Tier.

Danach sollten die Eltern (oder nur das Weibchen, wenn man das Männchen schon vorher entfernt hat) in Einzelhaltungs­be­hälter überführt werden, wo sie sich erholen können. Ein paar Wochen reichen, ein paar Monate sind besser. Die Weibchen inves­tieren sehr viel Energie in die Fortpflanzung. Erlaubt man ihnen zu früh, sich wieder zu verpaaren, kann das dauerhafte Gesund­heits­schäden nach sich ziehen.

Tatsächlich bedeutet die Nachzucht eine solche Belastung für die Energiereserven, dass es sich empfiehlt, nur voll erwachsene Tiere züchten zu lassen. Andernfalls kann es geschehen, dass das Weibchen niemals seine maximale Größe erreicht.

Es ist eine Tatsache, dass in Gegenwart eines Männchens jedes Weibchen, sei es auch noch so jung, dem Ruf der Natur nachgeben und sich fortpflanzen wird. Es liegt daher in der Verantwortung von uns Haltern unsere Schützlinge vor solchem ungesunden Druck zu bewahren. Die Männchen investieren erheblich weniger Energie bei der Fortpflanzung und brauchen daher keine lange Erholungsphase. Man kann sie daher auch früher zu Zucht einsetzen.

John Dawes

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