Der Mittlere Armmolch, Siren intermedia

Molche und Salamander haben vier Beine und besitzen während der larvalen Phase äußere Kie­men, die sie nach der Umwand­lung zum erwachsenen, eher landlebenden Tier verlieren. Es gibt Ausnahmen, am bekann­tes­ten ist wohl das Axolotl (Amby­stoma mexicanum), das lebens­lang äußere Kiemen hat und im Wasser lebt. Und dann gibt es noch Molche, die nicht nur ihre äuße­ren Kiemen lebenslang behalten, sondern auch nur zwei statt vier Beine haben!

Frei im Wasser schwimmende Armmolche sehen aus wir Aale mit Ärmchen.

Diese interessanten Kreaturen kennt man als Armmolche (Familie Sire­nidae). Gegenwärtig kennt man zwei Gattungen: Pseudobranchus (zwei Arten) und Siren (zwei Arten). Die beiden Pseudo­branchus werden als Zwerg-Armmolche bezeichnet, während Siren lacertina, die größte der vier Arten, als Großer Armmolch bezeichnet wird. Folgerichtig nennt man den Gegenstand dieses Artikels, der größen­mäßig dazwischen liegt, Mittlerer Armmolch (Siren intermedia). Die Größenangaben für erwachsene Mittlere Armmolche schwanken zwischen 18 und 68 cm. Dagegen werden für Siren lacertina bis zu einem Meter, für die Zwerge um 25 cm angegeben. Die Art Siren intermedia ist in den USA weit verbreitet, man findet sie in Florida, Virgina, Texas, Nordost-Mexiko, Illinois, Indiana, entlang des Mississippi und in Michigan. Zwar tritt er innerhalb dieser Staaten nicht überall auf, gilt jedoch insgesamt als häufig, außer in Michigan.

Wie so oft (oder eigentlich meistens) unter­scheiden sich bei Arten mit einer weiten Verbreitung die einzelnen Population teil­weise deutlich voneinander; sie werden gewöhnlich als Unterarten bezeichnet. Bei Siren intermedia sind die S. i. intermedia (Östlicher Mittlerer Armmolch), S. i. nettingi (Westlicher Mittlerer Armmolch) und S. i. texana (Rio-Grande Mittlerer Armmolch). Die Angabe “werden gewöhnlich als Unter­arten bezeichnet” bezieht sich auf eine laufende Diskussion über die dritte der Unterarten. Manche glauben, der Rio-Grande Armmolch sei eine Unterart von S. lacertina und nicht von S. intermedia. Und es gibt auch Stimmen, die eine separate Art in ihm sehen.

Unabhängig von dieser Diskussion zeigen alle Mittleren Armmolche die familien­typischen Merkmale. Dazu gehört der abgeflachte Kopf, eine kleine Rückenflosse am hinteren Körperende, die vierzehigen Vorderbeine (aber keine Hinterbeine), gut ausgebildete, federförmige äußere Kiemen und der lange, aalförmige Körper. Der ist der Grund für einen der Populärnamen dieser Tiere: Zweibeiniger Aal! Obwohl Mittlere Aalmolche hauptsächlich nachtaktiv sind, können sie im Aquarium auch tagsüber unterwegs sein, besonders nach der Eingewöhnung. Wenn das einmal geschafft ist fressen sie auch fröhlich in hellerleuchteten Aquarien. Untereinander können die Tiere während der Fütterung ziemlich aggressiv werden, wobei domi­nante Tiere die unterlegenen wegschubsen. Darum muss der Pfleger dafür sorgen, dass jeder Aalmolch genug abbekommt. Bezüglich der Futtermittel ist die Auswahl groß. Alle Würmer werden gerne genom­men, wobei die Größe der Würmer der der Aalmolche angepasst sein sollte. Schnecken, Seidenraupen-Puppen, Fleischstückchen, Fisch und anderes fleischliche Futter wird akzeptiert. Man sollte abwechslungsreich füttern, um die Vitamin- und Nährstoff­versorgung sicherzustellen. Jungtiere füttere man täglich, während Erwachsene nur zwei bis drei Mahlzeiten pro Woche erhalten (siehe aber auch weiter unten).

Während Jungtiere in relativ kleinen Aqua­rien (etwa 35 bis 40 Liter) untergebracht werden können, sollten die Aquarien für Erwachsenen größer sein (ab 60 Liter aufwärts, abhängig von der Größe und Anzahl der Tiere). Eine dicht abschließende Abdeckung ist wichtig, auch ein guter Filter und regel­mäßige Wassertests sind zu empfehlen, damit Ammonium/Nitrit-Gehalte nicht zu sehr ansteigen. Vorbeugend sollten Teil­wasserwechsel vorgenommen werden, be­sonders wenn nicht getestet werden kann. Das ersetzt nicht den Filter, hilft aber. Die Wasserqualität ist besonders wichtig wegen der massiven Ausscheidungen dieser Tiere. Nicht gefressene Futterreste müssen schnell entfernt werden, bevor sie die Wasserqualität verschlechtern.

Das Maul des Mittleren Armmolches ist unterständig.

Mittlere Armmolche sind kräftige Tiere. Darum müssen Einrichtungsgegenstände, seien es Wurzeln, Steine oder Sonstiges, stabil eingebaut werden. Wenn man Steine oder andere Gegenstände aufeinanderbaut, müssen sie entweder so schwer sein, dass die Armmolche sie nicht bewegen können oder mit einem Aquarienkleber fest miteinander verbunden werden. Das kraftvolle Schwimmen der Tiere birgt nicht nur Gefahren für die Molche durch zu­sammenstürzende Einrichtung; es kann auch zum Desaster für im Bodengrund wurzelnde Pflanzen werden. Bevor sie richtig eingewurzelt sind, sollte man den Wurzel­bereich darum mit Steinen schützen. Unter Umständen empfiehlt es sich auf Plastik­pflanzen zurückzugreifen, die doch erheblich unempfindlicher als ihre natürlichen Gegen­stücke sind. Man kann sie zudem notfalls leichter reinigen.

Wegen der weiten geografischen Verbrei­tung toleriert Siren intermedia Wassertem­pera­turen vom Kaltwasserbereich bis in den Bereich, wie ihn wärmeliebende Fische (z. B. Diskus) fordern. Dem entsprechend ist alles zwischen 15 und 28°C ok. Die Aktivität der Armmolche wird allerdings mit steigender Temperatur zunehmen und entsprechend muss bei höheren Temperaturen mehr gefüttert und die Wasserqualität überprüft werden. In freier Natur pflanzen sich Mittlere Arm­molche von Dezember bis April fort -das hängt davon ab, wo sie leben. Es gibt nur wenige Zuchtberichte, diese weisen aller­dings darauf hin, dass die Fortpflanzungs­periode im Aquarium ähnlich wie draußen liegt. Die Angaben über die Eizahlen schwanken sehr (meist 200 – 700 Eier pro Weibchen, aber auch 12 – 300 Eier). Sie werden üblicherweise in Klumpen abgelegt. Während es nicht genau bekannt ist, was dann in der Natur geschieht gibt es wenigstens einen Zuchtbericht, wonach ein erwachsenes Tier die in einer Grube abge­legten Eier verteidigte. Das Balzverhalten scheint eine rauhe Angelegenheit zu sein, jedenfalls wenn man nach den Beißspuren geht, die man während der Brutzeit an den Tieren beobachten kann. Es wird angenommen, dass die Eier nach der Ablage besamt werden, denn man kann bei den Weibchen keine Samenspeicher in der Kloake nachweisen. Die Eier brauchen ein bis zwei Monate zur Entwicklung, die Larven messen 11 mm beim Schlupf.

John Dawes

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