Die Sechzig-Null Tagebücher von Frank Schäfer (2): Der erste Teich

Ich habe den ersten Teich gegraben! Es sollen langfristig zahlreiche kleine Teiche und Tümpel auf Sechzig-Null entstehen, aber viele Fragen sind offen. Wie werden die Wildschweine mit den besonders gut für Amphibien geeigneten Tümpeln umgehen? Der ideale Laichtümpel für Amphibien ist flach, erwärmt sich rasch, ist fischfrei und friert im Winter ordentlich durch; für einige Amphibien-Arten ist es günstig, wenn der Tümpel im Spätsommer trockenfällt, da sich sonst Großlibellenlarven ansiedeln. Kurz und gut: manche Amphibien-Tümpel sind ideale Wildschweinsuhlen. Wenn eine solche Sau in einen Folienteich trampelt, ist der hin, so viel ist sicher.

Hier soll der erste Teich entstehen

Hier soll der erste Teich entstehen

So sieht es nach dem Einsatz von Sense und Rechen aus

So sieht es nach dem Einsatz von Sense und Rechen aus

Und dann sind da noch die Reiher und Störche. So schön diese Vögel sind, so destruktiv wirkt sich ihr Appetit auf Amphibien und Reptilien aus, jedenfalls auf einem so kleinen Stück Land wie Sechzig-Null.

Darum wird der erste Test-Tümpel erstmal so ganz anders, als es das Tümpelbau-Handbuch vorsieht: steile Ufer und vergeichsweise tiefes Wasser, damit weder die Wutzen zum Suhlen kommen, noch die Stelzvögel bequem im Seichten fischen können. Für Erdkröten ist das allemal akzeptabel und schlimmstenfalls können hier noch Moderlieschen einziehen, damit Ringelnattern auch was zu fressen finden.

Vier schweißtreibende Spatenstunden hat es gedauert. 2 Meter lang, 1,5 Meter breit, an der tiefsten Stelle 1 Meter. Der Aushub wird verwendet, um einen kleinen Wall um dreiviertel des Teiches anzulegen, der verhindern soll, dass bei Starkregen Oberflächenwasser übermäßig Nährstoffe einspült und die Teichfolie unterspült wird. Zwischen Teichrand und Wall sind 50-60 cm Boden, der offengehalten werden soll, um Sonnen- und Aufwärmflächen für Insekten, Amphibien und Reptilien zu schaffen.

Zuerst wird die Form des Teiches festgelegt

Zuerst wird die Form des Teiches festgelegt

Dann geht es in die Tiefe

Dann geht es in die Tiefe

Der fertig ausgehobene Teich. Der Aushub wird verwendet, um einen kleinen Wall um den Teich herum anzulegen

Der fertig ausgehobene Teich. Der Aushub wird verwendet, um einen kleinen Wall um den Teich herum anzulegen

Nun muss noch Folie rein. Leider ist gerade im Baumarkt die 4-Meter Folie alle. Also nehme ich 3 Meter 6-Meter Folie. Für diesen Mini-Teich reicht 0,5 mm dicke Folie. Es ist für Ende September immer noch herrlich warm, die Folie gleitet geschmeidig in die Kuhle und passt sich problemlos der Bodenstruktur an, auch wenn natürlich aufgrund der Steilheit vieler Uferpartien ein gewisser Faltenwurf nicht vermeidbar ist. Auf die überlappende Folie lege ich Terrakotta-farbige Wegplatten des Maßes 60×40 cm. Die waren eigentlich als Bodenplatten für den noch zu bauenden Geräteschuppen gedacht, aber egal. Befriedigt stehe ich vor dem Tagewerk und genieße die warme Abendsonne. Und schon kommen die ersten Großlibellen, Große Heidelibellen (Sympetrum striolatum), ein Weibchen und zwei Männchen, lassen sich auf den Wegplatten nieder und tun es mir geich.

Die Folie ist eingebracht, nun wird der Teichrand befestigt.

Die Folie ist eingebracht, nun wird der Teichrand befestigt.

Die Wegplatten, die den Teich umgeben, dienen nicht nur der Befestigung, sondern auch als Aufwärmemöglichkeit für die wechselwarmen Besucher des Teiches: Insekten, Spinnen, Amphibien und Reptilien.

Die Wegplatten, die den Teich umgeben, dienen nicht nur der Befestigung, sondern auch als Aufwärmemöglichkeit für die wechselwarmen Besucher des Teiches: Insekten, Spinnen, Amphibien und Reptilien.

Tierinfo: die Große Heidelibelle (Sympetrum striolatum) ist eine von neun heimischen Arten der Gattung Sympetrum. Einen sehr ausführlichen Artikel zu der Art biete die deutsche Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Große_Heidelibelle

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Bei der Großen Heidelibelle (Sympetrum striolatum) sind die Männchen rot, die Weibchen grau gefärbt

Bei der Großen Heidelibelle (Sympetrum striolatum) sind die Männchen rot, die Weibchen grau gefärbt

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Die Fotos auf 60-0 entstanden am 25.9.2016 zwischen 13.00 und 14.30 Uhr. Die Tiere haben bei vorsichtiger Annäherung eine so geringe Fluchtdistanz (weniger als 1 m), dass es nicht nötig ist, sie vor dem Fotografieren einzufangen.

Frank Schäfer


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Über den Autor Frank Schäfer

Frank Schäfer, geboren 1964, Biologe, seit frühester Jugend Tier- und Pflanzenhalter aus Leidenschaft. Sein besonderes Interesse gilt seit jeher den Fischen, aber Reptilien, Amphibien, Wirbellose, Kleinsäuger und Vögel sowie eine Vielzahl von Pflanzen begeistern ihn ebenso.

Seit 1980 Mitglied im Verein für Aquarien- und Terrarienkunde Hottonia e.V., dort seit 1982 auch immer wieder Vorstandsämter (Gartenwart, Redakteur der Vereinszeitschrift, 1. Schriftführer), seit 1982 Mitglied in der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische (IGL), seit 1992 auch im European Anabantoid Club (EAC). Erste Fachartikel über Pflege und Zucht von Puntius vittatus, Macropodus opercularis, Trionyx ferox und Polypterus senegalus in der Hottonia-Post 1981; erste große Fischfangreise in die Tropen 1983 nach Sumatra, worüber anschließend zahlreiche Aufsätze in der Hottonia-Post, der Zeitschrift „Der Makropode“ und „Das Aquarium“ erschienen; von da an regelmäßig Publikationen in vielen aquaristischen Fachzeitschriften, sowohl national wie auch international. Seither außerdem jährlich mehrere Dia-Vorträge auf nationalen und internationalen Tagungen.

Studium der Biologie in Darmstadt von 1984-1989, Abschluss als Diplom-Biologe mit den Prüfungsfächern Zoologie, Botanik, Ökologie und Psychologie. Diplomarbeit bei Prof. Ragnar Kinzelbach zum Thema „Wirtspezifität der Glochidien von Anodonta anatina“.

Zahlreiche Fang-, Sammel- und Studienreisen in das europäische Ausland, die Türkei, Sambia und vor allem Indien; Forschungsschwerpunkt ist die Süßwasserfischfauna des Ganges mit dem Ziel einer kompletten Revision der Arbeit von Francis Hamilton (1822): An account of the fishes found in the river Ganges and its branches. Edinburgh & London. Wissenschaftliche Erstbeschreibung von Oreichthys crenuchoides und gemeinsam mit Ulrich Schliewen von Polypterus mokelembembe. Wissenschaftliche Besuche und kurzzeitige Arbeiten in den zoologischen Sammlungen von London, Paris, Brüssel, Tervueren, Wien, Berlin, Frankfurt und München.

Seit 1996 bis heute Redakteur bei Aqualog und wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Fischbestimmung bei Aquarium Glaser, Rodgau. In dieser Zeit verantwortlich als Autor oder Co-Autor von über 20 Büchern und über 400 größeren Fachartikeln, nicht nur bei Aqualog, sondern bei nahezu allen deutschsprachigen Fachverlagen, vereinzelt auch in internationalen Publikationen. Seit 2009 Betreuung der Homepage und des Newsletters bei Aquarium Glaser mit 3-5 Posts pro Woche. Nach wie vor leidenschaftlicher Tier- und Pflanzenpfleger, quer durch den Gemüsegarten: Aquaristik (Süß- und Seewasser), Terraristik, Teichpflege, Kleinvögel.

Frank Schäfer ist verheiratet und hat zwei Töchter, die 1989 und 1991 geboren wurden.

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Ein Kommentar zu “Die Sechzig-Null Tagebücher von Frank Schäfer (2): Der erste Teich

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