Ein wundervoller Wasserkelch

Das letzte Wochenende verbrachten wir auf der Fachmesse Aqua-Fisch in Friedrichshafen. Wie immer hatte der Arbeitskreis Wasserpflanzen im VDA (Verband Deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde e.V.) dort einen Infostand mit hochinteressanten Raritäten, darunter eine Cryptocoryne in emerser Kultur (also Überwasserkultur), die wirklich ganz und gar ungewöhnlich gefärbt ist. Es handelt sich, wie mir Mario Pohl, der erfolgreiche Pfleger, mitteilte um den Stamm „Rawang I“, den Thomas Weiblen 2016 sammeln konnte. Wow!

Cryptocoryne striolata “Rawang I”

Cryptocoryne striolata ist ein Wasserkelch, der bisher nur von der Insel Borneo bekannt ist; dort wiederum kennt man die Pflanze nur aus dem politisch zu Malaysia gehörenden Bundesstaat Sarawak im Nordwesten der Insel. Bei weitem nicht alle Standortformen von C. striolata sind so auffällig gefärbt, viele sind eher unauffällige Pflänzlein. Unter Pflanzenkennern sind bislang 81 Fundorte bekannt geworden, die sich bezüglich ihrer ökologischen Bedingungen ziemlich stark voneinander unterscheiden. Wohl ist das Wasser dort immer sehr weich (Leitwert zwischen 30 und 70 µS/cm), aber der pH-Wert kann zwischen neutral (7,2) bis schwach sauer (5,5) schwanken; oft sind die Standorte beschattet, aber keineswegs immer, die Pflanze kann über und unter Wasser wachsen. In der Kultur gilt Cryptocoryne striolata als schwierig.

Cryptocoyrne bullosa “Lasi”, eine weitere Wasserkelch-Kostbarkeit auf dem Stand des Arbeitskreises Wasserpflanzen im VDA.

Im Zooladen kaufen kann man sie nicht, solche Raritäten gibt es nur unter Spezialisten. Trotz ihres wunderschönen Aussehens wird C. striolata „Rawang I“ wohl niemals eine allgemein verbreitete Aquarienpflanze werden, denn in normalen Aquarien und vor allem bei normaler Fischfütterung und entsprechend hohen Nährstoffkonzentrationen stirbt die Pflanze schneller, als man sie nachpflanzen kann. Cryptocoryne striolata ist eine eine Liebhaberpflanze für Aquarienfreunde, die sich diesem speziellen Zweig des Hobbys – also der Kultur von Sumpf- und Wasserpflanzen um ihrer selbst willen – verschrieben haben. Für uns „normales Fußvolk“ ist es aber trotzdem schön, zu wissen, dass es so etwas gibt. Danke, Arbeitskreis Wasserpflanzen im VDA!

Diese Cryptocoryne ist wissenschaftlich noch nicht beschrieben, Botaniker arbeiten daran; dieser Bestand in voller Blüte, ausgestellt beim Arbeitskreis Wasserpflanzen im VDA, ist sensationell!

Frank Schäfer

Über den Autor Frank Schäfer

Frank Schäfer, geboren 1964, Biologe, seit frühester Jugend Tier- und Pflanzenhalter aus Leidenschaft. Sein besonderes Interesse gilt seit jeher den Fischen, aber Reptilien, Amphibien, Wirbellose, Kleinsäuger und Vögel sowie eine Vielzahl von Pflanzen begeistern ihn ebenso.

Seit 1980 Mitglied im Verein für Aquarien- und Terrarienkunde Hottonia e.V., dort seit 1982 auch immer wieder Vorstandsämter (Gartenwart, Redakteur der Vereinszeitschrift, 1. Schriftführer), seit 1982 Mitglied in der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische (IGL), seit 1992 auch im European Anabantoid Club (EAC). Erste Fachartikel über Pflege und Zucht von Puntius vittatus, Macropodus opercularis, Trionyx ferox und Polypterus senegalus in der Hottonia-Post 1981; erste große Fischfangreise in die Tropen 1983 nach Sumatra, worüber anschließend zahlreiche Aufsätze in der Hottonia-Post, der Zeitschrift „Der Makropode“ und „Das Aquarium“ erschienen; von da an regelmäßig Publikationen in vielen aquaristischen Fachzeitschriften, sowohl national wie auch international. Seither außerdem jährlich mehrere Dia-Vorträge auf nationalen und internationalen Tagungen.

Studium der Biologie in Darmstadt von 1984-1989, Abschluss als Diplom-Biologe mit den Prüfungsfächern Zoologie, Botanik, Ökologie und Psychologie. Diplomarbeit bei Prof. Ragnar Kinzelbach zum Thema „Wirtspezifität der Glochidien von Anodonta anatina“.

Zahlreiche Fang-, Sammel- und Studienreisen in das europäische Ausland, die Türkei, Sambia und vor allem Indien; Forschungsschwerpunkt ist die Süßwasserfischfauna des Ganges mit dem Ziel einer kompletten Revision der Arbeit von Francis Hamilton (1822): An account of the fishes found in the river Ganges and its branches. Edinburgh & London. Wissenschaftliche Erstbeschreibung von Oreichthys crenuchoides und gemeinsam mit Ulrich Schliewen von Polypterus mokelembembe. Wissenschaftliche Besuche und kurzzeitige Arbeiten in den zoologischen Sammlungen von London, Paris, Brüssel, Tervueren, Wien, Berlin, Frankfurt und München.

Seit 1996 bis heute Redakteur bei Aqualog und wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Fischbestimmung bei Aquarium Glaser, Rodgau. In dieser Zeit verantwortlich als Autor oder Co-Autor von über 20 Büchern und über 400 größeren Fachartikeln, nicht nur bei Aqualog, sondern bei nahezu allen deutschsprachigen Fachverlagen, vereinzelt auch in internationalen Publikationen. Seit 2009 Betreuung der Homepage und des Newsletters bei Aquarium Glaser mit 3-5 Posts pro Woche. Nach wie vor leidenschaftlicher Tier- und Pflanzenpfleger, quer durch den Gemüsegarten: Aquaristik (Süß- und Seewasser), Terraristik, Teichpflege, Kleinvögel.

Frank Schäfer ist verheiratet und hat zwei Töchter, die 1989 und 1991 geboren wurden.

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