Serranocirrhitus latus- Der Dickkopf-Fahnenbarsch ist nicht ganz einfach in der Pflege

Dieser Fahnenbarsch unterscheidet sich in seinem Verhalten, im Vergleich zu anderen Fahnenbarschen aus der Gattung Pseudanthias, erheblich.

Kein „richtiger“ Fahnenbarsch
Viele Fahnenbarsche sind in der Meeres­aquaristik beliebte und weitgehend prob­lemlose Pfleglinge. Die aquaristische Herausforderung beim Dickkopf-Fahnen­barsch liegt bei der Fütterung: Gefressen wurden bei mir bislang größere Krebsartige, wie Mysis und – wenngleich auch weniger willig – Artemien. In dem 800 Liter Aquarium, das reich an Xenien-Beständen ist, wurde kurze Zeit später kleiner Krill das bevorzugte Futter. Meine zwei Tiere zeigen sich als be­dächtige Fresser, die sich schnell durch gierige Nahrungskonkurrenten abschrecken lassen. Anders als sonst bei Fahnenbarschen üblich, sind diese beiden keine hemmungs­losen Fresser, die das verab­reichte Futter gierig in sich hinein schlingen.

Mehrmals tägliche Fütterung
Dieses überraschende Verhalten macht eine täglich mehrmalige Gabe von Frostfutter notwendig, da Trockenfutter bisher ver­schmäht wird – bezüglich der Fütterung ist die Pflege des Dickkopf-Fahnenbarsches also aufwändig.


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Keine Gruppenbildner
Die meiste Zeit des Tages stehen die Tiere in getrennten Bereichen des Aquariums ohne allzu große Schwimmaktivitäten. Erwach­sene Exemplare erreichen immerhin 13 cm.
Fenner (2004) erwähnt, dass die Männchen eher orangerot gefärbt sind, während die Weibchen verhältnismäßig viel lila in der Färbung haben. Ich setze nicht auf unter­schiedliche Körperfärbung, sondern hoffe auf den protogynen Hermaphroditismus der bei Fahnenbarschen üblich ist.

Geschlechtswechsel bei Fischen
Bei den allermeisten Süßwasserfischen ist das Geschlecht genetisch festgelegt und kann vom einzelnen Tier nicht gewechselt werden.
Anders bei sehr vielen Meeresfischen. Hier ist Geschlechtswechsel fast die Regel.
Man unterscheidet protogyne Arten, die ihr Le­ben als Weibchen beginnen und als Männ­chen beenden (können) und protan­dri­sche Ar­ten, bei denen es umgekehrt ist. Ob sich ein Exemplar umwandelt hängt dabei u. a. davon ab, ob das andere Geschlecht vor­handen ist. So sind z.B. Anemo­nen­fische (Amphiprion) protan­drisch. Jedoch vermag sich nur das ranghöchste Tiere in einer Gruppe zum Weibchen zu ver­wandeln.

Lebensweise in der Natur
Michael (1998) beschreibt das Sozialgefüge von Serranocirrhitus latus als einzeln oder paarweise. Gelegentlich, so seine Angaben, hat er die Art in einer Dreier­gruppe beobachtet. Die Tiere sind eng an das Riff gebunden, wo sie stets die Körperunterseite dem Substrat zuwenden. Bevorzugte Le­bens­räume sind Steinkorallenfor­ma­ti­onen, Ansammlungen von Weichkorallen und Gorgonien. Andere Autoren berichten von kleineren Gruppen an den Außenriffen, dort, wo die Steilhänge in die schier unendliche Tiefe abfallen.

Korallenwächter oder Zackenbarsch
Eine interessante Geschichte verbirgt sich hinter dem wissenschaftlichen Namen der mono­typischen Gattung Serranocirrhitus. Dabei steht “Serrano” für die Familie Serranidae (Zackenbarsche, zu denen auch die Fahnenbarsche gehören) und “cirrhitus” für die Familie der Büschelbarsche. Der Namensgeber dieser Art, Watanabe, konnte sich 1949 nicht entscheiden, in welche Familie er seine neu entdeckte Art latus einordnen sollte. So gab er ihr den Gattungsnamen Serranocirrhitus und stellte sie in die Familie der Büschelbarsche (Cirrhitidae). Dreizehn Jahre später beschrieb Whitley einen attraktiven kleinen Barsch­artigen, dem er den Namen Dactylanthias mcmichaeli verlieh. Da sich der Holotyp farb­lich etwas von jenem Watanabes unter­schied, wurden beide Arten bis 1978 als eigen­stän­dig geführt. Es war Randall der diesen Irrtum 1978 aufklärte und die zwei vermeintlichen Arten als eine erkannte. Er stellte sie in die zur Familie Serranidae (Zackenbarsche) gehö­ren­den Unterfamilie Anthiinae (Fahnen­bar­sche), in welcher sie bis heute zu finden ist.

Literatur:
Fenner, R. (2004): Serranocirrhitus latus ist ein nicht alltäglicher Aquarienfisch. Das Aquarium 38(10), 41-42
Michael, S. W. (1998): Reef Fishes, Volume 1. Microcosm Ltd. Shelburne.

Joachim Frische

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