Auf der Suche nach neuen Aquarienpflanzen

Ein großer Teil der beliebtesten Aquarienpflanzen kommt aus Thailand. Im südlichen Thailand kann man auf einer Strecke von 200 km mehr als 25 Arten von ihnen finden.

Dieser Teil des Landes kann auch sehr gut von bisher tropen-unerfahrenen Reisenden besucht werden, eine gute Gelegen­heit, unsere Aquarienpflanzen in freier Natur zu beob­achten. Das Gebiet, um das es hier geht, kann leicht von den beliebtesten Ferienzielen wie Phuket, Khao Lak oder Krabi erreicht werden. Die meisten Reisebüros bieten Charterflüge zu diesen Zielen an. Folgen Sie mir nun auf der ersten Etappe unserer Reise:

Pech mit dem Wetter

Es war November, und es goss in Strömen. Die Zufahrten zu den Dörfern waren überflutet und die Straßen hatten sich in Bäche verwandelt. Wir waren unterwegs durch Thailand in Richtung Süden, und die Regenzeit hätte eigentlich vorbei sein sollen. Doch die Wettergötter hatten offenbar beschlossen, uns diesmal im Stich zu lassen! 20 Kilometer südlich von Ranong besuchten wir eine Stelle, an der wir früher schon einmal gewesen waren und wo unseres Wissens nach Cyperus helferi wuchs. Wir hofften, dort viele Samen zur Vermehrung neuer Pflanzen zu finden. Leider stellte sich heraus, dass Cyperus hier doch nicht verbreitet und die ursprüngliche Ent­deckung 1991 wohl einfach ein Glücksfall gewesen war. Doch Barclaya longifolia stand hier in Blüte.

Bei seinem ersten Besuch mit einem einheimischen Sammler hatte man Holger Windeløv gesagt, dass Cyperus nur ein Unkraut sei und sich nicht für Aqua­rien eigne. Diese Einstellung ist weit ver­brei­tet – wenn man gute Pflanzen für Aquarien fin­den will, muss man sie oft aus einer anderen Perspektive betrachten.

Der Lebensraum von Cyperus helferi

Der natürliche Lebensraum von Cyperus helferi

Der kleine Bach, in dem die Pflanze damals wuchs, lief durch einen kleinen Bestand von Büschen und kleinen Bäumen. Das Wasser war glasklar, obwohl der Fluss von den Einheimischen zum Baden und Waschen von Kleidung benutzt wurde. Cyperus helferi wuchs in kleinen Popula­tionen am Rande des Baches in einem Boden mit feinem weißen Sand. Cyperus ist in den Tropen überall verbreitet, doch nur wenige Arten sind gute Unter­wasserpflanzen. Cyperus helferi ist die erste im Aquarium verwendete Cyperus-Art.

Ausschnittvergrößerung des darüber befindlichen Ufer­ab­schnittes mit Cyperus helferi im Wasser

Die Pflanze benötigt relativ viel Licht, und eine Zugabe von CO2 fördert das Wachstum. Die Blätter wachsen aus der Sprossbasis. Sie sind schmal, hellgrün und haben einen glatten Rand. Manchmal sieht man, dass Teile des Blattes in Zick Zack-Form deformiert sind. In Aquarien mit einer guten Wasserbe­wegung wiegt sich die Pflanze hübsch in der Strömung. Holger Windeløv, Gründer der Firma Tropica, war der erste, Cyperus helferi in Aquarienkultur brachte.

Cyperus helferi im Aquarium. Photo: Jan Ole Pedersen

Ranong

Ranong ist ein guter Ort für einen Aufenthalt in dieser Region – der einzige in einem Um­kreis von mehreren hundert Kilometern, in dem man ein Hotel finden kann! Außer­dem ist Ranong eine aufregende Stadt voller Eindrücke und Gerüche des Orients – ge­heim­nis­voll und wunderbar. Im Restaurant des Hotels “Jansons Terra” erlebten wir die thailändische Version von Karaoke: “Sing a song”. Die einheimischen Musiktalente versuchten abwechselnd, ihr Publikum zu unterhalten, indem sie melancholische Lieder über Liebeskummer sangen Der Abend war relativ kühl, und wir wurden bald hungrig. Das beste “Pad-Thai” in Ra­nong bekommt man auf dem Nacht­markt. Auf den ersten Blick mögen die hygie­nischen Verhältnisse etwas gefährlich für empfindliche europäische Mägen wirken, doch das Essen ist frisch und wird sorgfältig zubereitet. “Pad-Thai” besteht aus gebraten­em Gemüse mit Nudeln und köstlichen Gewürzen und enthält oft Wasserpflanzen wie z.B. Blyxa spp..

Claus Christensen – www.AquaDiscover.com – Dänemark

Über den Autor Frank Schäfer

Frank Schäfer, geboren 1964, Biologe, seit frühester Jugend Tier- und Pflanzenhalter aus Leidenschaft. Sein besonderes Interesse gilt seit jeher den Fischen, aber Reptilien, Amphibien, Wirbellose, Kleinsäuger und Vögel sowie eine Vielzahl von Pflanzen begeistern ihn ebenso.

Seit 1980 Mitglied im Verein für Aquarien- und Terrarienkunde Hottonia e.V., dort seit 1982 auch immer wieder Vorstandsämter (Gartenwart, Redakteur der Vereinszeitschrift, 1. Schriftführer), seit 1982 Mitglied in der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische (IGL), seit 1992 auch im European Anabantoid Club (EAC). Erste Fachartikel über Pflege und Zucht von Puntius vittatus, Macropodus opercularis, Trionyx ferox und Polypterus senegalus in der Hottonia-Post 1981; erste große Fischfangreise in die Tropen 1983 nach Sumatra, worüber anschließend zahlreiche Aufsätze in der Hottonia-Post, der Zeitschrift „Der Makropode“ und „Das Aquarium“ erschienen; von da an regelmäßig Publikationen in vielen aquaristischen Fachzeitschriften, sowohl national wie auch international. Seither außerdem jährlich mehrere Dia-Vorträge auf nationalen und internationalen Tagungen.

Studium der Biologie in Darmstadt von 1984-1989, Abschluss als Diplom-Biologe mit den Prüfungsfächern Zoologie, Botanik, Ökologie und Psychologie. Diplomarbeit bei Prof. Ragnar Kinzelbach zum Thema „Wirtspezifität der Glochidien von Anodonta anatina“.

Zahlreiche Fang-, Sammel- und Studienreisen in das europäische Ausland, die Türkei, Sambia und vor allem Indien; Forschungsschwerpunkt ist die Süßwasserfischfauna des Ganges mit dem Ziel einer kompletten Revision der Arbeit von Francis Hamilton (1822): An account of the fishes found in the river Ganges and its branches. Edinburgh & London. Wissenschaftliche Erstbeschreibung von Oreichthys crenuchoides und gemeinsam mit Ulrich Schliewen von Polypterus mokelembembe. Wissenschaftliche Besuche und kurzzeitige Arbeiten in den zoologischen Sammlungen von London, Paris, Brüssel, Tervueren, Wien, Berlin, Frankfurt und München.

Seit 1996 bis heute Redakteur bei Aqualog und wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Fischbestimmung bei Aquarium Glaser, Rodgau. In dieser Zeit verantwortlich als Autor oder Co-Autor von über 20 Büchern und über 400 größeren Fachartikeln, nicht nur bei Aqualog, sondern bei nahezu allen deutschsprachigen Fachverlagen, vereinzelt auch in internationalen Publikationen. Seit 2009 Betreuung der Homepage und des Newsletters bei Aquarium Glaser mit 3-5 Posts pro Woche. Nach wie vor leidenschaftlicher Tier- und Pflanzenpfleger, quer durch den Gemüsegarten: Aquaristik (Süß- und Seewasser), Terraristik, Teichpflege, Kleinvögel.

Frank Schäfer ist verheiratet und hat zwei Töchter, die 1989 und 1991 geboren wurden.

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