Chindongo demasoni, ein Zwergbuntbarsch aus dem Malawisee

Die Art Chindongo (früher Pseudotropheus) demasoni gehört mit ihren 6-8 cm Gesamtlänge zu den kleinsten Mbunas, wie man die felsbewohnenden Buntbarscharten aus dem See auch nennt. Viele Pfleger haben die Art als einen der aggressivsten Mbunas überhaupt kennengelernt, dessen Pflege sogar in sehr großen Aquarien auf Dauer wegen der ausgeprägten Aggressivität Probleme bereiten kann.

Chindongo demasoni in der Natur

Andreas Spreinat, Buchautor und einer der besten Kenner der Malawiseebuntbarsche weltweit, schreibt in seinem 1995 erschienenen Buch „Lake Malawi Cichlids from Tanzania“ (Verdujin Cichlids, Zevenhuizen) auf Seite 218 folgendes (das Buch erschien nur in englischer Sprache, Übersetzung durch die Redaktion): „die meisten der von uns beobachteten Exemplare lebten einzeln und waren standortreu. Diese Territorien wurden jedoch nicht gegen andere Fische verteidigt. Wir beobachteten außerdem, dass die Territorien gelegentlich verlassen wurden. An manchen Orten fanden wir mehrere Exemplare zusammen. Die innerartliche Aggression erscheint sehr gering: die meisten Exemplare verhielten sich recht friedlich.“

Im Aquarium sehr aggressiv?!

Der erfahrene Aquarianer Werner Hieber schreibt hingegen: „Bei Lesen des Artikels „Zwergbuntbarsche aus dem Malawisee / Pseudotropheus demasoni“ war ich sehr überrascht was da stand. A. Jung schreibt, dass es sich bei Chindongo demasoni um einen der friedlichsten Mbunas handelt. Da widerspreche ich und behaupte, dass es der aggressivste Mbuna von allen in Aquarien ist. Wie stark seine Aggressivität im See ist, weiss ich nicht. Weiter schreibt er, dass man diese Art in kleinen Aquarien halten kann und sie sich gut für Anfänger eignet. Auch da widerspreche ich und behaupte, dass ein Aquarium für Chindongo demasoni eine Größe von 300- 400 Liter und ein Schenkelmaß von 150 cm haben soll. Diese Art hält man auch am besten allein in einem Becken. Sie ähneln in ihrem Verhalten den Tropheus aus dem Tanganjikasee, alle Männchen im Becken, die schwächer sind als das Dominante, werden getötet. Das betrifft auch die Weibchen, die nicht schnell genug ein Versteck gefunden haben. Die beste Erfahrung mit dieser Art habe ich bei folgender Besatzung gemacht: Aquarium 375 l, 6 Männchen und 15 Weibchen. Nach gewisser Zeit ist ein bestimmter Besatz übrig geblieben, der sich eingespielt hat. Dort ist mit Gewissheit nur ein Männchen dabei. An diesem Besatz darf nichts mehr geändert werden.“

Unterschiedliche Stämme?

Wie aus diesen Ausführungen hervorgeht, kann man das Verhalten einer Fischart gar nicht viel unterschiedlicher beurteilen. Im wirklich kleinen Fotografieraquarium der Redaktion laichte ein Pärchen während der Photosession sogar ab und verhielt sich während dessen und auch danach sehr friedlich zueinander. Gibt es unterschiedliche Stämme von C. demasoni im Aquarium? Oder ist die Aggressivität an andere, noch zu erforschende Parameter gekoppelt (Futter, Wasser, Licht etc.)? Wir wissen es nicht. Sicherheitshalber empfehlen wir: Unter 80 cm Länge sollte ein Aquarium für C. demasoni auch bei Einzelhaltung aus den genannten Gründen nicht haben. Der Forderung nach Einzelhaltung können wir auch insofern zustimmen, auch weil C. demasoni in Sachen Futter manchmal etwas empfindlich ist; die Aggression kann sich zwar in einen überbesetztem Becken auch mal geben oder verteilen, aber gefahrlos ist das offenbar nicht.

Zusammenfassend gilt:

Die Art gilt als unberechenbar in Bezug auf die Aggressivität, weshalb sehr unterschiedliche Pflegeerfahrungen und Beckengrößenempfehlungen vorliegen. Als Aufwuchsfresser sollte C. demasoni möglichst ausschließlich mit Flockenfutter auf pflanzlicher Basis (Spirulina) und ggf. Gemüse, Vogelmiere etc. ernährt werden. Tierisches Futter kann zum Tod führen.

Frank Schäfer

 

Über den Autor Frank Schäfer

Frank Schäfer, geboren 1964, Biologe, seit frühester Jugend Tier- und Pflanzenhalter aus Leidenschaft. Sein besonderes Interesse gilt seit jeher den Fischen, aber Reptilien, Amphibien, Wirbellose, Kleinsäuger und Vögel sowie eine Vielzahl von Pflanzen begeistern ihn ebenso.

Seit 1980 Mitglied im Verein für Aquarien- und Terrarienkunde Hottonia e.V., dort seit 1982 auch immer wieder Vorstandsämter (Gartenwart, Redakteur der Vereinszeitschrift, 1. Schriftführer), seit 1982 Mitglied in der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische (IGL), seit 1992 auch im European Anabantoid Club (EAC). Erste Fachartikel über Pflege und Zucht von Puntius vittatus, Macropodus opercularis, Trionyx ferox und Polypterus senegalus in der Hottonia-Post 1981; erste große Fischfangreise in die Tropen 1983 nach Sumatra, worüber anschließend zahlreiche Aufsätze in der Hottonia-Post, der Zeitschrift „Der Makropode“ und „Das Aquarium“ erschienen; von da an regelmäßig Publikationen in vielen aquaristischen Fachzeitschriften, sowohl national wie auch international. Seither außerdem jährlich mehrere Dia-Vorträge auf nationalen und internationalen Tagungen.

Studium der Biologie in Darmstadt von 1984-1989, Abschluss als Diplom-Biologe mit den Prüfungsfächern Zoologie, Botanik, Ökologie und Psychologie. Diplomarbeit bei Prof. Ragnar Kinzelbach zum Thema „Wirtspezifität der Glochidien von Anodonta anatina“.

Zahlreiche Fang-, Sammel- und Studienreisen in das europäische Ausland, die Türkei, Sambia und vor allem Indien; Forschungsschwerpunkt ist die Süßwasserfischfauna des Ganges mit dem Ziel einer kompletten Revision der Arbeit von Francis Hamilton (1822): An account of the fishes found in the river Ganges and its branches. Edinburgh & London. Wissenschaftliche Erstbeschreibung von Oreichthys crenuchoides und gemeinsam mit Ulrich Schliewen von Polypterus mokelembembe. Wissenschaftliche Besuche und kurzzeitige Arbeiten in den zoologischen Sammlungen von London, Paris, Brüssel, Tervueren, Wien, Berlin, Frankfurt und München.

Seit 1996 bis heute Redakteur bei Aqualog und wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Fischbestimmung bei Aquarium Glaser, Rodgau. In dieser Zeit verantwortlich als Autor oder Co-Autor von über 20 Büchern und über 400 größeren Fachartikeln, nicht nur bei Aqualog, sondern bei nahezu allen deutschsprachigen Fachverlagen, vereinzelt auch in internationalen Publikationen. Seit 2009 Betreuung der Homepage und des Newsletters bei Aquarium Glaser mit 3-5 Posts pro Woche. Nach wie vor leidenschaftlicher Tier- und Pflanzenpfleger, quer durch den Gemüsegarten: Aquaristik (Süß- und Seewasser), Terraristik, Teichpflege, Kleinvögel.

Frank Schäfer ist verheiratet und hat zwei Töchter, die 1989 und 1991 geboren wurden.

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