Der La-Plata-Algensalmler – Apareiodon affinis

Ist es nicht seltsam, dass so viele Algenfresser weißlich oder silbern gefärbte Fische mit einem dunklen Längsband sind? Egal ob Saugschmerle (Gyrinocheilus aymonieri), Rüsselbarbe (Garra cambodgiensis und Epalzeorhynchus siamensis) oder Ohrgitterharnischwels (Otocinclus), sie alle zeigen dieses Farbmuster. Auch der einzige regelmäßig im Handel befindliche Algenfresser unter den Salmlern, der La-Plata-Algensalmler (Apareiodon affinis, oft unter dem Namen Parodon affinis im Handel) ist so gezeichnet.

Apareiodon affinis sind gesellige Fische

Der La-Plata-Algensalmler kommt im südlichen Südamerika vor, importiert wird er aus Paraguay. Es gibt mehrere ähnliche Arten der Gattung Apareiodon, deren Identifizierung auch für Wissenschaftler nicht ganz einfach ist. Im La-Plata-Becken, das die Einzüge die Flüsse Rio Paraguay, Rio Uruguay, Rio Paraná und Rio Iguaçu umfasst, leben acht Arten der Famile Parodontidae: Apareiodon affinis, A. ibitiensis, A. piracicabae, A. vittatus, A. vladii, eine noch unbeschriebene Apareiodon-Art aus dem oberen Paraná-Einzug und die Parodon-Arten P. moreirai und P. nasus. Eine interessante DNS-Untersuchung aller Arten des La-Plata-Beckens führten Bellafronte et al. 2013 durch; sie zeigte, dass vermutlich die Populationen von A. affinis aus dem oberen Paraná eine separate, neue Art repräsentieren.

Die Rückenzeichnung ist individuell recht unterschiedlich.

Apareiodon affinis ist ein Bewohner fließender Gewässer, wo er vor allem von Aufwuchs lebt. Allerdings nutzt der Fisch durchaus auch andere Nahrungsquellen, wenn sie sich ihm bieten, etwa in der Nähe von Aquakulturen, wo Speisefische in Netzkäfigen gehalten werden.

Unter bestimmten Lichtverhältnissen leuchtet der Rücken der Art prächtig grün.

Zwei Dinge gilt es zu beachten, wenn man diesen Salmler, dem manchmal wahre Wunder in Sachen Algenvertilgung nachgesagt werden, im Aquarium pflegen möchte. Erstens wird die Art recht groß, ca. 15 cm, und ist dabei sehr schwimmaktiv. Das Aquarium sollte also nicht zu klein sein, zumal der La-Plata-Algensalmler gerne in Gesellschaft von seinesgleichen lebt. Und zweitens lebt sie in Fließgewässern der Subtropen, was bedeutet, dass die Wassertemperatur nicht dauerhaft über 27°C steige sollte – die Temperatur-Untergrenze beträgt etwa 16°C für längere Zeiträume. Wer diese Bedingungen erfüllen kann und will, wird viel Freude an den lebhaften Tieren haben.

Beunruhigte Tiere werden schlagartig blass.

Bezüglich der Algenvernichtung: es ist grundsätzlich günstig, Algenfresser (ganz gleich welcher Art) bereits einzusetzen, bevor Algen wuchern. Das ständige „ablutschen“ von Pflanzen und Dekorationsgegenständen verhindert dann zuverlässig, das sich überhaupt lästige größere Algenmengen bilden. Man muss sich nicht sorgen, dass die Algenfresser hungern, denn sie nehmen sehr gern jegliches übliche Fischfutter an. Muss man allerdings die Notbremse ziehen und möchte, dass die Algenfresser effektiv gegen übermäßiges Algenwachstum vorgehen, darf man kein Zusatzfutter anbieten. Aber – ganz ehrlich – Wunder darf man sich von keinem Algenfresser erwarten, auch nicht vom La-Plata-Algensalmler. Wenn die Algen allzu üppig wuchern, stimmt etwas grundsätzlich nicht im Aquarium, daran können auch Algenfresser nichts ändern.

Literatur:

Bellafronte, E., Mariguela, T. C., Pereira, L. H. G., Oliveira, C., & Moreira-Filho, O. (2013): DNA barcode of Parodontidae species from the La Plata river basin-applying new data to clarify taxonomic problems. Neotropical Ichthyology, 11(3): 497-506.

Brandão, H., Lobón-Cerviá, J., Ramos, I. P., Souto, A. C., Nobile, A. B., Zica, É. D. O. P., & Carvalho, E. D. (2012): Influence of a cage farming on the population of the fish species Apareiodon affinis (Steindachner, 1879) in the Chavantes reservoir, Paranapanema River SP/PR, Brazil. Acta Limnologica Brasiliensia, 24(4): 438-448.

Frank Schäfer

Und weitere Literatur über Salmler gibt es hier: https://www.animalbook.de/navi.php?qs=salmler


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Über den Autor Frank Schäfer

Frank Schäfer, geboren 1964, Biologe, seit frühester Jugend Tier- und Pflanzenhalter aus Leidenschaft. Sein besonderes Interesse gilt seit jeher den Fischen, aber Reptilien, Amphibien, Wirbellose, Kleinsäuger und Vögel sowie eine Vielzahl von Pflanzen begeistern ihn ebenso.

Seit 1980 Mitglied im Verein für Aquarien- und Terrarienkunde Hottonia e.V., dort seit 1982 auch immer wieder Vorstandsämter (Gartenwart, Redakteur der Vereinszeitschrift, 1. Schriftführer), seit 1982 Mitglied in der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische (IGL), seit 1992 auch im European Anabantoid Club (EAC). Erste Fachartikel über Pflege und Zucht von Puntius vittatus, Macropodus opercularis, Trionyx ferox und Polypterus senegalus in der Hottonia-Post 1981; erste große Fischfangreise in die Tropen 1983 nach Sumatra, worüber anschließend zahlreiche Aufsätze in der Hottonia-Post, der Zeitschrift „Der Makropode“ und „Das Aquarium“ erschienen; von da an regelmäßig Publikationen in vielen aquaristischen Fachzeitschriften, sowohl national wie auch international. Seither außerdem jährlich mehrere Dia-Vorträge auf nationalen und internationalen Tagungen.

Studium der Biologie in Darmstadt von 1984-1989, Abschluss als Diplom-Biologe mit den Prüfungsfächern Zoologie, Botanik, Ökologie und Psychologie. Diplomarbeit bei Prof. Ragnar Kinzelbach zum Thema „Wirtspezifität der Glochidien von Anodonta anatina“.

Zahlreiche Fang-, Sammel- und Studienreisen in das europäische Ausland, die Türkei, Sambia und vor allem Indien; Forschungsschwerpunkt ist die Süßwasserfischfauna des Ganges mit dem Ziel einer kompletten Revision der Arbeit von Francis Hamilton (1822): An account of the fishes found in the river Ganges and its branches. Edinburgh & London. Wissenschaftliche Erstbeschreibung von Oreichthys crenuchoides und gemeinsam mit Ulrich Schliewen von Polypterus mokelembembe. Wissenschaftliche Besuche und kurzzeitige Arbeiten in den zoologischen Sammlungen von London, Paris, Brüssel, Tervueren, Wien, Berlin, Frankfurt und München.

Seit 1996 bis heute Redakteur bei Aqualog und wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Fischbestimmung bei Aquarium Glaser, Rodgau. In dieser Zeit verantwortlich als Autor oder Co-Autor von über 20 Büchern und über 400 größeren Fachartikeln, nicht nur bei Aqualog, sondern bei nahezu allen deutschsprachigen Fachverlagen, vereinzelt auch in internationalen Publikationen. Seit 2009 Betreuung der Homepage und des Newsletters bei Aquarium Glaser mit 3-5 Posts pro Woche. Nach wie vor leidenschaftlicher Tier- und Pflanzenpfleger, quer durch den Gemüsegarten: Aquaristik (Süß- und Seewasser), Terraristik, Teichpflege, Kleinvögel.

Frank Schäfer ist verheiratet und hat zwei Töchter, die 1989 und 1991 geboren wurden.

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