Der Türkis-Goldbarsch, Melanochromis auratus

Als ich das erste Mal einen Türkisgoldbarsch sah (wie er damals, Mitte der 1970er Jahre, allgemein genannt wurde), war ich gebannt. Er sah völlig anders aus als jeder andere Fisch, den ich je zuvor gesehen hatte. Ich kaufte mehrere kleine Exemplare, die sich problemlos eingewöhnten. Dann begannen sie zu wachsen und mit ihnen wuchs ihre Aggressivität. Schließlich musste ich sie voneinander trennen. Kommt Ihnen das bekannt vor?

Weibchen des Türkisgoldbarsches, Melanochromis auratus

Vermutlich schon! Ich werde wohl kaum der erste und sicher nicht der letzte Aquarianer gewesen sein, der entdecken musste, dass diese goldenen Juwelen aus dem Malawisee zu den aggressivsten aller felsenbewohnenden Buntbarsche, den sogenannten Mbunas, gehören. Zu meiner Entschuldigung ist zu sagen, dass wir uns damals alle auf einer aufregenden Entdeckungsfahrt befanden, denn die Kenntnisse über die Buntbarsche der großen Grabenseen steckten noch in den Kinderschuhen.

Heute, nach einer langen, langen Zeit überblicken nur noch Spezialisten für afrikanische Buntbarsche die riesige Artenfülle und auch die durch ständigen Wissenszuwachs sich ständig ändernde Nomenklatur der vielen Neuendeckungen aus den verschiedenen Seen.

In den 1970er Jahren war Melanochromis auratus eine Sensation! Hier eine Originalaufnahme aus dieser Zeit.

Dennoch. Trotz des riesigen Angebotes an Arten, Morphen und neuen Zuchtformen gehört der gute alte Türkis-Goldbarsch immer noch zu den Favoriten vieler Aquarianer. Diese “klassische” goldfarben und schwarz gezeichnete Art ist nicht nur in meinen Augen, sondern auch in den Augen ihrer großen Schar von Anhängern, einer der schönsten Malawi-Buntbarsche. Dort, im Malawi-See, wird er vom Südwest-Ufer ge­meldet. Sein Reich beginnt am Jalo Reef (gerade nördlich zu Nkhota Kota) und geht über die Crocodile Rocks hinunter fast bis zu dem südlichsten Ende der Monkey Bay. Das liegt genau nördlich zum Lake Malombe, der sozusagen ein Ableger vom Malawisee ist und mit dem Shire River verbunden ist. Eine ganz ähnliche Art mit einem etwas spitzeren Kopf wurde lange als Melanochromis sp. “auratus elongate” bezeichnet. Sie besiedelt einen begrenzten Abschnitt der Südostküste, von Metangula südwärts zum Nkhungu Reef, das genau gegenüber dem Jalo Reef liegt. 2009 beschrieben sie Konings-Dudin et al. als Melanochromis mossambiquensis. Es gibt weitere Arten, die dem Türkisgoldbarsch ähneln, doch der “auratus elongate” ist wahrscheinlich die ähnlichste.

Im Aquarium ist M. auratus ein unproble­matischer Pflegling, wenn die Bedingungen stimmen. Tatsache ist, dass er trotz seiner relativ geringen Größe von etwa 10 – 12 cm einer der aggresivsten Mbunas ist. Ein halbwüchsiges Männchen wird bespiels­weise ohne zögern einen wesentlich größeren Mitbewohner angreifen, be­sonders wenn es in höchster sexueller Motivation ist. Am stärksten ist die Aggres­sion gegenüber artgleichen Männ­chen ausgeprägt, doch auch die Weibchen sind aggressiv, besonders untereinander, und es kommt nicht selten vor, dass das rang­niedrigste Tier zu Tode gehetzt wird.

Geschlechtsreife Männchen (das hintere Tier) wechseln die Farbe und bekommen einen dunklen Bauch.

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Man könnte nun den Eindruck gewinnen, es sei unmöglich, M. auratus im Aquarium zu pflegen. Das ist aber Unsinn. Wenn das Becken jedoch kleiner als 150 cm ist, sollte man nur ein Männchen halten und zwar mit einer Gruppe von mindestens vier Weib­chen. Es ist unumgänglich, ausreichend Höh­len und sonstige Verstecke zur Ver­fügung zu stellen, so dass jedes Tier eine eigene Ver­steck­möglichkeit hat. Wenn man andere Fische mit den Türkisgoldbarschen verge­sell­­schaften möchte, sollten das robuste Ar­ten sein. Auch hier ist das Einbringen einer aus­reichenden Zahl von Verstecken unum­gänglich!

Bezüglich der Wasserwerte ist ein hartes, alkalische Wasser, das gut gefiltert und belüftet sein sollte zu bevorzugen. Das Aquarium sollte gut beleuchtet sein. Die Wassertemperatur sollte 22-26°C betragen. Die Ernährung ist an sich unproblematisch, doch sollte man bedenken, dass in der Natur hauptsächlich Algen und Aufwuchs gefressen werden. Entsprechend sollten pflanzliche Komponenten im Futter nicht fehlen.

Obwohl der Türkisgoldbarsch zu Millionen gezüchtet wird und zu den dienstältesten Buntbarschen aus dem Malawisee in der Aquaristik zählt, begeistert er auch heute noch ernsthafte Aquarianer so sehr, dass man gelegentlich vergleichsweise teure Wildfänge importiert, so wie dieses Tier.

Die Männchen werden territorial, wenn sie Brutstimmung kommen. Abgelaicht wird in Höhlen oder nahe bei Steinen. Nach der Ablage und Befruchtung der Eier nimmt das Weibchen sie zur Brutpflege ins Maul, die etwa drei Wochen dauert. Nach dem Schlupf werden die Jungen noch etwa eine Woche betreut und auch nach dem ersten Entlassen bei vermeintlicher Gefahr wieder ins Maul genommen. Danach wird die Brut sich selbst überlassen und wächst rasch heran. Männ­chen nehmen ihre dunkle Adult­färbung im Alter zwischen sechs und neun Monaten an. Der Aggressionspegel steigt allerdings viel früher an. Melanochromis auratus ist viel­leicht nicht eben der ideale Anfängerfisch. Aber er gehört definitiv zu den Arten, die, wie ich finde, jeder Aquarianer irgendwann einmal in seinem Leben gepflegt und gezüchtet haben sollte. Die Art stellt eine Heraus­forderung an das Einfühlungs­ver­mögen des Pflegers dar. Sie ist es unbe­dingt wert!

John Dawes

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