Geschlechtsunterschiede bei Nannostomus mortenthaleri

Der Purpurziersalmler aus Peru war im Jahr 2000 die schönste aquaristische Neuentdeckung überhaupt. Der enge Verwandte des Zwergziersalmlers, Nannostomus marginatus, bleibt klein – ca. 4 cm – und ist im männlichen Geschlecht geradezu atemberaubend schön gefärbt. Jedenfalls manchmal. Denn abgesehen von anatomischen Details zeigt der Purpurziersalmler ein deutlich von den meisten Nannostomus-Arten abweichendes Verhalten. Unter Artgenossen bildet N. mortenthaleri eine ausgesprochene Rang- oder Hackordnung aus.

Nannostomus mortenthaleri

Dominates Männchen von Nannostomus mortenthaleri. Leichte Flossenschäden sind aufgrund des Rangordnungsverhaltens bei dieser Art normal. Das ist harmlos und heilt von alleine.

Nur dominante Männchen zeigen das intensive Rot zwischen den dunklen Längsbinden. Im Rang niedrig stehende Männchen verblassen und nehmen Weibchenfärbung an. Umgekehrt können dominante Weibchen einen ordentlichen Rotanteil entwickeln. Der Purpurziersalmler ähnelt in seinem Verhalten also eher einem kleinen Malawibuntbarsch (Mbuna) als einem Ziersalmler. Man sollte die Art darum auch unbedingt im größeren Trupp pflegen, da sich sonst, genau wie bei den Mbunas, ein Tyrann enwickeln kann, der u. U. alle Artgenossen so stark unterdrückt, dass es sogar zu Todesfällen kommen kann. Für die Pflege im Gemeinschaftsaquarium ist die Geschlechterzusammensetzung unerheblich. Das Erkennen der Geschlechter ist aber wichtig, wenn man züchten möchte.

Bei allen Ziersalmlern hat sich die Form der Afterflosse als verlässlichstes Geschlechtsmerkmal herausgestellt. Leider sind die Unterschiede ausgerechnet bei N. mortenthaleri sehr schwach ausgeprägt. Die Afterflosse erwachsener Männchen ist an der Vorderkante stets leicht konvex, beim Weibchen hingegen gerade abgeschnitten. Darüber hinaus fehlt bei den Weibchen der helle Streifen an der Basis der Rückenflosse. Am sichersten sind die Geschlechter aber am Verhalten zu unterscheiden. Wir raten zur Anschaffung eines Trupps von 10-20 Exemplaren, die in einem größeren, sehr stark struktuierten (viele Wurzeln und dichte Bepflanzung) Aquarium gepflegt werden sollten. Hier werden die Tiere sicher auch ablaichen (sie sind Freilaicher über feinfiedrigen Pflanzen). Zwar kommt im Gemeinschaftsbecken kaum Nachwuchs hoch, da die erwachsenen Tiere arg kannibalisch sind, aber man weiß zumindest, ob wirklich Weibchen im Trupp vorhanden sind und kann sie auch zum Zuchtansatz gezielt herausfangen.

In Importen befinden sich aus unbekannten Gründen leider oft sehr viel mehr Männchen als Weibchen. Nachzuchten sind schwer zu bekommen, da die Zucht wenig produktiv ist. Meist züchten Salmlerliebhaber nur für den Eigenbedarf. Alle abgebildeten Exemplare sind Wildfänge, importiert von Aquarium Glaser im August 2016.

Balzendes Männchen des Purpurziersalmlers.

Balzendes Männchen des Purpurziersalmlers.

Im in Kürze erscheinenden Bookazine werden auch die weiteren Arten der Nannostomus-marginatus-Gruppe aus Peru vorgestellt.


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Über den Autor Frank Schäfer

Frank Schäfer, geboren 1964, Biologe, seit frühester Jugend Tier- und Pflanzenhalter aus Leidenschaft. Sein besonderes Interesse gilt seit jeher den Fischen, aber Reptilien, Amphibien, Wirbellose, Kleinsäuger und Vögel sowie eine Vielzahl von Pflanzen begeistern ihn ebenso.

Seit 1980 Mitglied im Verein für Aquarien- und Terrarienkunde Hottonia e.V., dort seit 1982 auch immer wieder Vorstandsämter (Gartenwart, Redakteur der Vereinszeitschrift, 1. Schriftführer), seit 1982 Mitglied in der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische (IGL), seit 1992 auch im European Anabantoid Club (EAC). Erste Fachartikel über Pflege und Zucht von Puntius vittatus, Macropodus opercularis, Trionyx ferox und Polypterus senegalus in der Hottonia-Post 1981; erste große Fischfangreise in die Tropen 1983 nach Sumatra, worüber anschließend zahlreiche Aufsätze in der Hottonia-Post, der Zeitschrift „Der Makropode“ und „Das Aquarium“ erschienen; von da an regelmäßig Publikationen in vielen aquaristischen Fachzeitschriften, sowohl national wie auch international. Seither außerdem jährlich mehrere Dia-Vorträge auf nationalen und internationalen Tagungen.

Studium der Biologie in Darmstadt von 1984-1989, Abschluss als Diplom-Biologe mit den Prüfungsfächern Zoologie, Botanik, Ökologie und Psychologie. Diplomarbeit bei Prof. Ragnar Kinzelbach zum Thema „Wirtspezifität der Glochidien von Anodonta anatina“.

Zahlreiche Fang-, Sammel- und Studienreisen in das europäische Ausland, die Türkei, Sambia und vor allem Indien; Forschungsschwerpunkt ist die Süßwasserfischfauna des Ganges mit dem Ziel einer kompletten Revision der Arbeit von Francis Hamilton (1822): An account of the fishes found in the river Ganges and its branches. Edinburgh & London. Wissenschaftliche Erstbeschreibung von Oreichthys crenuchoides und gemeinsam mit Ulrich Schliewen von Polypterus mokelembembe. Wissenschaftliche Besuche und kurzzeitige Arbeiten in den zoologischen Sammlungen von London, Paris, Brüssel, Tervueren, Wien, Berlin, Frankfurt und München.

Seit 1996 bis heute Redakteur bei Aqualog und wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Fischbestimmung bei Aquarium Glaser, Rodgau. In dieser Zeit verantwortlich als Autor oder Co-Autor von über 20 Büchern und über 400 größeren Fachartikeln, nicht nur bei Aqualog, sondern bei nahezu allen deutschsprachigen Fachverlagen, vereinzelt auch in internationalen Publikationen. Seit 2009 Betreuung der Homepage und des Newsletters bei Aquarium Glaser mit 3-5 Posts pro Woche. Nach wie vor leidenschaftlicher Tier- und Pflanzenpfleger, quer durch den Gemüsegarten: Aquaristik (Süß- und Seewasser), Terraristik, Teichpflege, Kleinvögel.

Frank Schäfer ist verheiratet und hat zwei Töchter, die 1989 und 1991 geboren wurden.

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Ein Kommentar zu “Geschlechtsunterschiede bei Nannostomus mortenthaleri

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