Gespenstheuschrecken

Gespenstheuschrecken oder Phasmiden sind ideale Terrarientiere. Etwas Anspruchsloseres kann man sich kaum denken und die Pflege und selbst die Zucht gelingen daher auch jedem Anfänger. Lediglich vor dem Wehrsekret einiger Arten muss man sich in Acht nehmen.

Fast alle hier genannten Arten haben eines gemeinsam: sie lassen sich problemlos mit Brombeerlaub ernähren. Da Bromberren sogar in Großstädten ein allgegenwärtiges “Unkraut” darstellen und ganzjährig grüne Blätter haben, steht Futter immer problemfrei zur Verfügung. Nur Peru­phasma schultei muss mit Liguster oder Cotoneaster ernährt werden.

An Phasmiden, wie die Gespenstheu­schrecken auch genannt werden, fas­zi­niert die Vielfalt der Gestalt. An Lebens­äußerungen haben sie nicht allzu­viel zu bieten, es sei denn, man ärgert sie. Dann zeigen sie ein arttypisches Abwehrver­hal­ten, das darin bestehen kann, stark be­dorn­te Körperteile schwungvoll gegen den Angreifer einzusetzen (was bei großen Arten durchaus blutende Wunden ver­ur­sachen kann) oder sie packen die chemi­sche Keule aus. Ernsthaft zu Scha­den kommt man als Mensch dabei nicht, aber es kann sehr unangenehm sein und lehrt, dass man Tiere gefälligst nicht zu ärgern hat. Prädikat: Pädagogisch wertvoll!

Hier zehn beliebt und häufig erhältliche Arten:

Exastoma tiaratum

Nummer 1 ist Extatosoma tiara­tum. Diese ursprünglich aus Austr­alien stammende Art ist die häufigste Phasmide im Handel. Die Weibchen werden bis zu 14 cm lang, die Männchen bleiben, wie bei Phasmiden üblich, deutlich kleiner. Sie sehen auch ganz anders aus und als Laie könnte man sie für eine andere Art halten. Die Jungtiere imitieren Ameisen und sind recht lebhaft.

Hetero­pteryx dilatata

Nummer 2 ist ein Schwergewicht: Hetero­pteryx dilatata gilt – zumindest das Weib­chen – als schwerstes Insekt der Welt und diese Wuchtbrummen legen auch noch die größten Eier im Insektenreich. Beliebt sind vor allem die hübsch grün gefärbten Weibchen, natürlich auch ihrer imposan­ten Größe von ausnahmsweise bis zu 17 cm wegen. Das Bild zeigt ein jüngeres Tier.

Pharnacia biceps

Nummer 3 ist eine Phasmide, die nicht schwer, aber lang ist: gut 30 cm kann das Weibchen von Pharnacia biceps erreichen. Leider kommt diese gewaltige Länge auf dem Photo nicht so recht rüber.

Phyllium bio­cula­tum

Das Wandelnde Blatt, Phyllium bio­cula­tum, ist unsere Nummer 4. Normalerweise ist die Art grün gefärbt, aber ganz selten kommen auch rote (wie im Bild) oder gelbe Exemplare vor – Wandelnde Herbst­blätter! Allerdings vererbt sich die Fär­bung nicht. Die dauerhafte Zucht über Generationen hinweg ist bei dieser Art recht an­spruchsvoll.

Peru­phasma schultei

Nun Nummer 5: eine wahre Giftspritze ist Peru­phasma schultei, die erst vor wenigen Jahren in Peru gefunden wurde. Sie warnt aber ausgiebig, bevor sie ihre Ladung Pfefferspray versprüht. Diese Art ist mit Liguster oder Cotoneaster zu füttern.

Aretaon asperrimus

Die 6 ist ein stacheliges Schätzchen: Aretaon asperrimus, bei dem die Weibchen 9, die Männchen etwa 5.5 cm lang werden. Sie stammt von Borneo.

Eurycantha calcarata
Eurycantha calcarata
Eurycantha calcarata

Ähnlich sieht dieser Art die größte Dorn­schrecke, die als wir als Nummer 7 vorstellen: Eurycantha calcarata. Die Riesen-Gespenstschrecke ist bestens geeignet für alle, die erste Erfahrungen in der Insekten­pflege machen wollen. Sie ist groß (Weib­chen um 14.5 cm, Männchen um 12 cm), weit­gehend harmlos (Männchen können mit den Stacheln an den Hinterbeinen em­pfind­lich pieksen, giftig sind sie aber nicht) und mit Brombeerlaub extrem einfach zu ernähren. Die geselligen Tiere haben trotz ihrer Größe nur geringe Platzansprüche, da sie sich wenig bewegen. Wichtig sind für diese Gespenst­schrecken, deren ursprüng­liche Heimat in Neu Guinea liegt, Versteck­plätze in Form von hohl liegender Rinde etc., denn sie sind – ein weiterer Vorteil dieser Tiere – nachtaktiv. So verschlafen sie den Tag, wenn der Pfleger auf Arbeit ist und sind abends, wenn er oder sie nach Hause kommt, fit. Trotz ihrer tropischen Heimat hat sich gezeigt, dass bei Unterbringung in normal beheizten Räumen keine Zusatzheizung nötig ist. Die Tiere haben jedoch einen erhöhten Wasser­bedarf, weshalb es günstig ist, einen Wasser­napf ins Becken zu stellen. Die Fortpflanzung erfolgt durch Eier, die in Erde abgelegt wer­den. Das Maximalalter liegt bei etwa 1 Jahr.

Ramulus sp. “Blue”

Nummer 8 dient als Beispiel für eine Reihe kleinerer, unscheinbarer Arten: Ramulus sp. “Blue”, bei der es sich möglicherweise um R. nematodes handelt. Die Männ­chen sind hier blau, die Weibchen meist grün.

Lam­po­nius guerini

Die Guadeloupe-Stab­­­schrecke, Lam­po­nius guerini, ist unsere Nummer 9. Diese Art imitiert eher einen Vogeldreck als ein Stöckchen, wie viele ihrer Verwandten.

Medauroidea extradentata

Nummer 10 schließlich ist ein Tier, das zu tau­sen­den Schulen und La­bo­ratorien als Lehr­tier bewohnt: die Annam-Stabschrecke (Medauroidea extradentata), die viele noch als Bacu­lum extra­den­tatum kennen. Diese an­­spruchslose Schrecke kann sich wie so viele Phasmiden so­wohl ge­schlecht­­lich mit Männchen wie auch in Abwe­senheit von Männ­chen durch Jungfernzeug­ung (Parthe­nogenese) fort­pflanzen.

Frank Schäfer

Über den Autor Frank Schäfer

Frank Schäfer, geboren 1964, Biologe, seit frühester Jugend Tier- und Pflanzenhalter aus Leidenschaft. Sein besonderes Interesse gilt seit jeher den Fischen, aber Reptilien, Amphibien, Wirbellose, Kleinsäuger und Vögel sowie eine Vielzahl von Pflanzen begeistern ihn ebenso.

Seit 1980 Mitglied im Verein für Aquarien- und Terrarienkunde Hottonia e.V., dort seit 1982 auch immer wieder Vorstandsämter (Gartenwart, Redakteur der Vereinszeitschrift, 1. Schriftführer), seit 1982 Mitglied in der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische (IGL), seit 1992 auch im European Anabantoid Club (EAC). Erste Fachartikel über Pflege und Zucht von Puntius vittatus, Macropodus opercularis, Trionyx ferox und Polypterus senegalus in der Hottonia-Post 1981; erste große Fischfangreise in die Tropen 1983 nach Sumatra, worüber anschließend zahlreiche Aufsätze in der Hottonia-Post, der Zeitschrift „Der Makropode“ und „Das Aquarium“ erschienen; von da an regelmäßig Publikationen in vielen aquaristischen Fachzeitschriften, sowohl national wie auch international. Seither außerdem jährlich mehrere Dia-Vorträge auf nationalen und internationalen Tagungen.

Studium der Biologie in Darmstadt von 1984-1989, Abschluss als Diplom-Biologe mit den Prüfungsfächern Zoologie, Botanik, Ökologie und Psychologie. Diplomarbeit bei Prof. Ragnar Kinzelbach zum Thema „Wirtspezifität der Glochidien von Anodonta anatina“.

Zahlreiche Fang-, Sammel- und Studienreisen in das europäische Ausland, die Türkei, Sambia und vor allem Indien; Forschungsschwerpunkt ist die Süßwasserfischfauna des Ganges mit dem Ziel einer kompletten Revision der Arbeit von Francis Hamilton (1822): An account of the fishes found in the river Ganges and its branches. Edinburgh & London. Wissenschaftliche Erstbeschreibung von Oreichthys crenuchoides und gemeinsam mit Ulrich Schliewen von Polypterus mokelembembe. Wissenschaftliche Besuche und kurzzeitige Arbeiten in den zoologischen Sammlungen von London, Paris, Brüssel, Tervueren, Wien, Berlin, Frankfurt und München.

Seit 1996 bis heute Redakteur bei Aqualog und wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Fischbestimmung bei Aquarium Glaser, Rodgau. In dieser Zeit verantwortlich als Autor oder Co-Autor von über 20 Büchern und über 400 größeren Fachartikeln, nicht nur bei Aqualog, sondern bei nahezu allen deutschsprachigen Fachverlagen, vereinzelt auch in internationalen Publikationen. Seit 2009 Betreuung der Homepage und des Newsletters bei Aquarium Glaser mit 3-5 Posts pro Woche. Nach wie vor leidenschaftlicher Tier- und Pflanzenpfleger, quer durch den Gemüsegarten: Aquaristik (Süß- und Seewasser), Terraristik, Teichpflege, Kleinvögel.

Frank Schäfer ist verheiratet und hat zwei Töchter, die 1989 und 1991 geboren wurden.

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