Zwerg-Barrakuda-Salmler Acestrorhynchus cf. minimus Menezes, 1969

Raubfische sind faszinierende Geschöpfe. Sie mussten zahlreiche Strategien entwickeln, um an ihre Nahrung zu gelangen – andere Fische, also Tiere, die den Räubern bezüglich Intelligenz und Anpassungsvermögen ebenbürtig sind. Eben darum sind Raubfische besonders spannende Beobachtungsobjekte im Aquarium. Wie beschleichen sie ihre Beute? Welche Beutefische werden bevorzugt erjagt? Wie reagieren sie auf Artgenossen – sehen sie in ihnen Konkurrenten oder jagen sie gemeinsam? Wie finden sich bei einzelgängerischen Raubfischen die Geschlechtspartner zur Fortpflanzungszeit? Das sind nur einige wenige Fragen, auf die für die meisten Arten bislang kaum Antworten gegeben werden können. Ein weites Feld also für forschende Aquarianer.

Acestrorhynchus cf. minimus aus Peru

Hinzu kommt noch, dass die meisten Raubfische entweder sehr elegante oder aber sehr bizarre Körperformen haben. Und fast alle sind – für Fischverhältnisse – besonders intelligent und manchmal scheint es gar, als könne man zu diesen uns stammesgeschichtlich so fern stehenden Geschöpfen sogar eine Art gegenseitiger Beziehung aufbauen.

Acestrorhynchus altus ist wunderschön, wird aber mit 25-30 cm Länge ziemlich groß

Leider haben fast alle Raubfische aber eine unangenehme Eigenschaft: die meisten werden zu groß für durchschnittliche Aquarienmaße. In vielen Fällen können wir darum nur Jungtiere auf Zeit pflegen und müssen uns von ihnen wieder trennen, wenn es gerade schön wird. Schade!

Acestrorhynchus microlepis sieht fast genau so aus wie A. minimus, wird aber viel größer (ca. 40 cm). Der kleine schwarze Fleck hinter dem Kiemendeckel verrät ihn.

Eine diesbezüglich Ausnahme findet sich mit Acestrorhynchus minimus, einem Barrakuda-Salmler aus Amazonien. Die Barrakuda-Salmler sind mit 14 derzeit anerkannten Arten weit in Südamerika verbreitet. Die meisten Arten werden 20-30 cm lang, können in sehr großen Aquarien also noch ganz gut gepflegt werden. Doch Acestrorhynchus minimus wird sogar nur etwa 8-10 cm lang und kann somit auch in mittelgroßen Aquarien von vielleicht 120 cm Kantenlänge noch hervorragend untergebracht werden. Leider wird die Art nur sehr selten importiert. Aus wissenschaftlichen Aufsammlungen kennt man den Fisch, dessen Typuslokalität der Lago Jacaré am Rio Trombetas in Brasilien ist, aus Brasilien, Venezuela und dem brasilianisch-kolumbianischen Grenzgebiet. Das abgebildete Exemplar stammt aber aus Peru, jedoch passen alle diagnostischen Merkmale der Art. Von morphologisch ähnlichen, großwüchsigen Arten, kann man A. minimus am sichersten dadurch unterscheiden, dass A. minimus nur einen dunklen Fleck auf der Schwanzwurzel hat, nicht aber am Ende des Kiemendeckels.

Sehr hübsch und ebenfalls ziemlich klein bleibend (10-12 cm): A. isalinae

Die herrliche grüne Körperfarbe zeigen die Fische leider nur bei entsprechender Beleuchtung von der Seite; am schönsten wirken sie, wenn zeitweise die Sonne in das Aquarium scheint. Die Aufnahme entstand ohne Blitzlicht bei seitlichem Tageslichteinfall.

Die Zähne zeigen: alle Barrakuda-Salmler sind obligatorische Raubfische. Dies ist A. heterolepis.

Der Zwerg-Barrakuda-Salmler ist gegenüber Artgenossen und artfremden Fischen, die als Beute nicht in Frage kommen, vollkommen friedlich. Futterfische sollten die Länge des Kopfes von Acestrorhynchus minimus nicht wesentlich überschreiten. Es ist aber grundsätzlich empfehlenswert, die Fische frühzeitig an tiefgekühlte Fischstückchen (ideal eignet sich dazu Stint, Osmerus eperlanus) zu gewöhnen, denn die ständige Gabe von lebenden Futterfischen ist aus mehreren Gründen problematisch: die ganzjährige, ausreichende Beschaffung kann Probleme bereiten und die Futterfische können sehr leicht Krankheiten mitbringen. Sehr sentimentale Menschen könnten mit der Zeit auch Skrupel entwickeln, lebende Fische zu verfüttern.

Insgesamt ist der Zwerg-Barrakuda-Salmler ein ideales Beobachtungsobjekt für Aquarianer, die Raubfische studieren wollen, jedoch nur eingeschränkte räumliche Möglichkeiten dazu haben.

Frank Schäfer

Über den Autor Frank Schäfer

Frank Schäfer, geboren 1964, Biologe, seit frühester Jugend Tier- und Pflanzenhalter aus Leidenschaft. Sein besonderes Interesse gilt seit jeher den Fischen, aber Reptilien, Amphibien, Wirbellose, Kleinsäuger und Vögel sowie eine Vielzahl von Pflanzen begeistern ihn ebenso.

Seit 1980 Mitglied im Verein für Aquarien- und Terrarienkunde Hottonia e.V., dort seit 1982 auch immer wieder Vorstandsämter (Gartenwart, Redakteur der Vereinszeitschrift, 1. Schriftführer), seit 1982 Mitglied in der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische (IGL), seit 1992 auch im European Anabantoid Club (EAC). Erste Fachartikel über Pflege und Zucht von Puntius vittatus, Macropodus opercularis, Trionyx ferox und Polypterus senegalus in der Hottonia-Post 1981; erste große Fischfangreise in die Tropen 1983 nach Sumatra, worüber anschließend zahlreiche Aufsätze in der Hottonia-Post, der Zeitschrift „Der Makropode“ und „Das Aquarium“ erschienen; von da an regelmäßig Publikationen in vielen aquaristischen Fachzeitschriften, sowohl national wie auch international. Seither außerdem jährlich mehrere Dia-Vorträge auf nationalen und internationalen Tagungen.

Studium der Biologie in Darmstadt von 1984-1989, Abschluss als Diplom-Biologe mit den Prüfungsfächern Zoologie, Botanik, Ökologie und Psychologie. Diplomarbeit bei Prof. Ragnar Kinzelbach zum Thema „Wirtspezifität der Glochidien von Anodonta anatina“.

Zahlreiche Fang-, Sammel- und Studienreisen in das europäische Ausland, die Türkei, Sambia und vor allem Indien; Forschungsschwerpunkt ist die Süßwasserfischfauna des Ganges mit dem Ziel einer kompletten Revision der Arbeit von Francis Hamilton (1822): An account of the fishes found in the river Ganges and its branches. Edinburgh & London. Wissenschaftliche Erstbeschreibung von Oreichthys crenuchoides und gemeinsam mit Ulrich Schliewen von Polypterus mokelembembe. Wissenschaftliche Besuche und kurzzeitige Arbeiten in den zoologischen Sammlungen von London, Paris, Brüssel, Tervueren, Wien, Berlin, Frankfurt und München.

Seit 1996 bis heute Redakteur bei Aqualog und wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Fischbestimmung bei Aquarium Glaser, Rodgau. In dieser Zeit verantwortlich als Autor oder Co-Autor von über 20 Büchern und über 400 größeren Fachartikeln, nicht nur bei Aqualog, sondern bei nahezu allen deutschsprachigen Fachverlagen, vereinzelt auch in internationalen Publikationen. Seit 2009 Betreuung der Homepage und des Newsletters bei Aquarium Glaser mit 3-5 Posts pro Woche. Nach wie vor leidenschaftlicher Tier- und Pflanzenpfleger, quer durch den Gemüsegarten: Aquaristik (Süß- und Seewasser), Terraristik, Teichpflege, Kleinvögel.

Frank Schäfer ist verheiratet und hat zwei Töchter, die 1989 und 1991 geboren wurden.

Ein Kommentar zu “Zwerg-Barrakuda-Salmler Acestrorhynchus cf. minimus Menezes, 1969

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