Neues von Zizania persalsa (Laurel & Hardy, 1926), dem Süßwasser-Oktopus

Vor 25 Jahren gelang Claus Schaefer und Rainer Stawikowski die sensationelle Wiederentdeckung des einzigen existierenden Süßwasser-Kopffüßers im Rio Xingu in Brasilien. Schaefer berichtete darüber in Datz 4/94: 211. Seither war es still um diese Art geworden, deren avisierter Import für die Aquarienkunde bis heute aussteht.

Zizania persalsa ist die einzige Art der Tintenfische, die bisher aus dem Süßwasser bekannt ist, alle anderen Arten leben ausschließlich im Meer.

Anzeige


Im Zuge der Artinventarisierung des Rio Xingu wegen des Belamonte-Staudamms hat nun Buster Keaton von der Groucho Marx University, Kentucky, eine Bestandsanalyse durchgeführt. Sie kam zu dem (aus der Sicht der Kraken) erfreulichen Ergebnis, dass die von den Süßwasser-Oktopussen als Lebensraum bevorzugten Stillwasserzonen mit sandig-schlammigem Boden durch den Staudammbau deutlich mehr Raum im Rio Xingu als vorher einnehmen; zudem profitieren die Kopffüßer von den zahlreichen leeren Bierdosen, die von den Bauarbeitern im Fluss entsorgt wurden und die als bevorzugtes Tagesversteck von Zizania persalsa dienen (Schaefer, 1994). Die Population des Süßwasser-Oktopus ist demnach derzeit größer denn je.

Frank Schäfer

Literatur

Keaton, B. (2019): Current records on the ecology and abundance of the Freshwater Octopus (Zizania persalsa – Octopodidae – Octopoda) in the Rio Xingu with special focus on the preferred type of empty beer can. Absolurtly Nonsense Science Journal 67 (4): 666 – 999

Für alle, die ihren Sinnen nicht trauen: das ist selbstverständlich nur ein Aprilscherz (siehe Veröffentlichungsdatum!)

Zizania ist eine grasartige Pflanze mit essbaren Samen, auch als Wasserreis bekannt. Zizania consalsa bedeutet also „Wasserreis mit Soße“ im Sinne von „Quatsch mit Soße“. Es gibt keinen Süßwasseroctopus, überhaupt keinen Vertreter der Kopffüßer (Cephalopoda) im Süßwasser. Stan Laurel & Oliver Hardy, die angeblichen Erstbeschreiber, sind ein Komikerduo, im deutschsprachigen Raum auch bekannt als „Dick & Doof“; Buster Keaton war ein berühmter Stummfilmstar und Komiker. Eine Graucho Marx University in Kentucky, gibt es selbstverständlich auch nicht, Groucho Marx war einer berühmten Marx-Brothers, einer anarchistischen, stilprägenden Komikertruppe, die vor allem in den frühen 1930er Jahren riesige Erfolge feierten und für kommende Komikergenerationen stilprägend waren. Das zitierte „wissenschaftliche Journal“ namens Absolurtly Nonsense Science Journal bedeutet „Absolut unsinniges Wissenschaftsmagazin“: es existiert natürlich nicht.

Wahr ist, dass Claus Schaefer und Rainer Stawikowski den Süßwasseroctopus 1994 als Aprilscherz in der DATZ ihrerseits erfunden haben. Der Blog führt diese geniale Idee nur weiter. Wahr ist leider auch das Drama um den Belamonte-Staudamm, eines der größten Verbrechen an der Umwelt in der Neuzeit.

Frank Schäfer

Über den Autor Frank Schäfer

Frank Schäfer, geboren 1964, Biologe, seit frühester Jugend Tier- und Pflanzenhalter aus Leidenschaft. Sein besonderes Interesse gilt seit jeher den Fischen, aber Reptilien, Amphibien, Wirbellose, Kleinsäuger und Vögel sowie eine Vielzahl von Pflanzen begeistern ihn ebenso.

Seit 1980 Mitglied im Verein für Aquarien- und Terrarienkunde Hottonia e.V., dort seit 1982 auch immer wieder Vorstandsämter (Gartenwart, Redakteur der Vereinszeitschrift, 1. Schriftführer), seit 1982 Mitglied in der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische (IGL), seit 1992 auch im European Anabantoid Club (EAC). Erste Fachartikel über Pflege und Zucht von Puntius vittatus, Macropodus opercularis, Trionyx ferox und Polypterus senegalus in der Hottonia-Post 1981; erste große Fischfangreise in die Tropen 1983 nach Sumatra, worüber anschließend zahlreiche Aufsätze in der Hottonia-Post, der Zeitschrift „Der Makropode“ und „Das Aquarium“ erschienen; von da an regelmäßig Publikationen in vielen aquaristischen Fachzeitschriften, sowohl national wie auch international. Seither außerdem jährlich mehrere Dia-Vorträge auf nationalen und internationalen Tagungen.

Studium der Biologie in Darmstadt von 1984-1989, Abschluss als Diplom-Biologe mit den Prüfungsfächern Zoologie, Botanik, Ökologie und Psychologie. Diplomarbeit bei Prof. Ragnar Kinzelbach zum Thema „Wirtspezifität der Glochidien von Anodonta anatina“.

Zahlreiche Fang-, Sammel- und Studienreisen in das europäische Ausland, die Türkei, Sambia und vor allem Indien; Forschungsschwerpunkt ist die Süßwasserfischfauna des Ganges mit dem Ziel einer kompletten Revision der Arbeit von Francis Hamilton (1822): An account of the fishes found in the river Ganges and its branches. Edinburgh & London. Wissenschaftliche Erstbeschreibung von Oreichthys crenuchoides und gemeinsam mit Ulrich Schliewen von Polypterus mokelembembe. Wissenschaftliche Besuche und kurzzeitige Arbeiten in den zoologischen Sammlungen von London, Paris, Brüssel, Tervueren, Wien, Berlin, Frankfurt und München.

Seit 1996 bis heute Redakteur bei Aqualog und wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Fischbestimmung bei Aquarium Glaser, Rodgau. In dieser Zeit verantwortlich als Autor oder Co-Autor von über 20 Büchern und über 400 größeren Fachartikeln, nicht nur bei Aqualog, sondern bei nahezu allen deutschsprachigen Fachverlagen, vereinzelt auch in internationalen Publikationen. Seit 2009 Betreuung der Homepage und des Newsletters bei Aquarium Glaser mit 3-5 Posts pro Woche. Nach wie vor leidenschaftlicher Tier- und Pflanzenpfleger, quer durch den Gemüsegarten: Aquaristik (Süß- und Seewasser), Terraristik, Teichpflege, Kleinvögel.

Frank Schäfer ist verheiratet und hat zwei Töchter, die 1989 und 1991 geboren wurden.

Weiterlesen

2 Kommentare zu “Neues von Zizania persalsa (Laurel & Hardy, 1926), dem Süßwasser-Oktopus

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert