Pastellgrundeln (Tateurndina ocellicauda) – bildschöne Charakterköpfe

Neu-Guinea gehört zu den relativ wenig erforschten Regionen der Erde. Die Süßwasserfische von dort fanden erst spät den Weg in die Aquarien. Unter ihnen ist die Pastell- oder Schwanzfleckschläfergrundel, Tateurndina ocellicauda.

Laichbereites Pärchen der Pastellgrundel, Weibchen vorn.

Entdeckt wurde die kleine Art, die niemals größer als 5-6 cm wird, erst 1953. Anlässlich der vierten Archbold-Expedition sammelte Hobart M. Van Deusen die ersten Exemplare im Peria Creek, Kwagira River, etwa 10 Meilen von der Küste entfernt, in tümpelartigen Abschnitten. 1955 be­schrieb John T. Nichols vom American Mu­seum of Natural History die Grundel in einer neuen, eigens für sie aufgestellten Gattung, nämlich Tateurndina, als T. ocelli­cauda. Bis heute ist sie die einzige Art dieser Gattung geblieben. Der sehr eigenartige Name “Tateurndina” setzt sich aus den Worten “Tate” und “Urndina” zusammen. Mit “Tate” wollte Nichols die Brüder Geoffrey M. Tate und George H. H. Tate ehren, die sich sehr um die Kenntnis der Fauna von Neu-Guinea verdient machten. “Urndina” erklärt Nichols nicht. Aber er vergleicht den neuen, kleinen Fisch mit Mogurnda, den Tüpfel­grundeln, und erwähnt, dass er darüber nachdachte, dass es sich bei Tateurndina vielleicht nur um eine Art Larvenstadium der Tüpfelgrundeln handele; aber er verwarf diesen Gedanken dann wieder. Höchstwahr­scheinlich ist mit “Urndina” daher eine Ver­kleinerungsform von “Mogurnda” gemeint. Der Name Mogurnda ist übrigens abgeleitet von dem volkstümlichen Namen für die Art Mogurnda mogurnda in Port Essington in Australien.

Sowas von bunt

Für eine Süßwassergrundel ist die Pastell­grundel ganz außergewöhnlich bunt. Und sie hat eine absolut ungewöhnliche Lebens­weise. Meist sind Grundeln nämlich Boden­fische, die Pastellgrundel aber schwimmt frei im Wasser. Von ihrer Farbigkeit ahnte Nichols nicht das geringste, als er die neue Art be­schrieb. Seine in Alkohol konservierten Exemplare waren nämlich nur bräunlich, heller am Bauch. Das einzige, auffallende Farbmerkmal, das sie aufwiesen, war der große, teilweise hell eingefasste Schwanz­wurzelfleck, der dann auch als Inspiration für den Artnamen diente: “ocellicauda” be­deutet “mit Augenfleck am Schwanz”. Dieser Augenfleck ist beim lebenden Tier aber gar nicht so augenfällig. Dagegen sind die herrlich roten, senkrechten Steifen auf blauem Grund auf den Körperseiten und die rot getupften, leuchtend gelb eingefassten Flossen echte Hingucker und machen die Pastellgrundel zu einem der schönsten Aquarienfische von Papua. Der Kopf ist der Hammer! Die Geschlechter sind bei der Pastellgrundel schon recht früh zu unterscheiden: Männchen haben einen flacheren Bauch als die Weibchen. Mit zunehmendem Alter entwickeln die Männchen einen immer höheren Kopf, bis sie im Alter schließlich fast etwas grotesk aussehen. Der Kopf erinnert zum Schluss etwas an den der Goldmakrelen oder Dolphins (Coryphaena). Es ist kein besonderer Zweck für diese Kopfform bekannt. Es gibt Buckelköpfe aber auch bei allerlei anderen Fischarten, vor allem Buntbarschen, aber auch Labyrinthfischen. Es sind vermutlich reine Luxusbildungen, ähnlich der prachtvollen Schwanzschleppe des Pfaus und dient in erster Linie dazu, die Frauen anzumachen und die anderen Männer einzuschüchtern.

Pastellgrundeln sind keine Bodenfische, sondern schwimmen frei im Wasser.

Junges Männchen.

Junges Weibchen.

Leichte Pflege

Aquaristisch wurde die Pastellgrundel erst spät, in den 1980er Jahren, bekannt. Sie eroberte aber die Herzen der Liebhaber im Sturm, denn sie vereint viele positive Eigenschaften in sich: sie ist stets sichtbar und sehr farbig; sie ist völlig anspruchslos in Bezug auf die Wasserzusammensetzung und die Fütterung; sie ist (zumindest meistens) friedlich; und sie ist leicht zu züchten. Und letzteres macht sie wiederum zu einer ungewöhnlichen Grundel. Die allermeisten Grundelarten kommen sehr unterentwickelt zur Welt. Wenn sie schlüpfen, sind es kaum entwickelte Larven, die sich mit den Meeresströmungen treiben lassen und im Plankton heranwachsen. Das tun sogar die meisten Süßwassserarten. Sie laichen zwar im Süßwasser ab, die Larven werden aber mit der Strömung der Bäche und Flüsse ins Meer gespült. Bei Tateurndina ist das anders: Die Larven schlüpfen nach ca. 10 Tagen aus den vergleichsweise riesigen Eiern und obwohl sie frei im Wasser schwimmen und nur wie Glassplitter aussehen, können sie bereits gut genug schwimmen, um in der Nähe des Geburtsortes zu bleiben, wo sie auch heranwachsen.

Das Männchen bewacht alleine das Gelege, das Weibchen hat nichts mit der Brutpflege zu tun. Man entfernt das Weibchen darum nach der Eiablage. Oben: Männchen mit frischem Gelege.

Einfache Zucht

Man kann die Pastellgrundel als echten Einsteigerfisch bezeichnen, was die Zucht angeht. Nur wenige Arten machen es dem Aquarianer so leicht. Wenn das Weibchen einen guten Laichansatz zeigt und im Idealfall beim Männchen und beim Weibchen schon die Genitalpapillen leicht hervortreten, ist ein günstiger Zeitpunkt, das Paar in das Zuchtbecken zu überführen. Dafür reicht schon ein 5-Liter Becken aus. Es braucht keine Einrichtung außer ein paar freischwimmenden Pflanzen (Hornkraut, Wasserpest, eine Handvoll Fadenalgen etc.) und einer kleinen Höhle, die wie ein Dolmen (ein steinzeitliches Kultgrab) aus zwei etwa walnussgroßen Kieseln mit einer Deckplatte, bestehend aus einem flachen Stein, gebaut ist. Hier wird das Pärchen bald ablaichen, die Wassertemperatur sollte bei 26-28°C liegen. Das Weibchen fängt man nach dem Ablaichen heraus. Es kümmert sich ohnehin nicht um die Eier. Das ist die Aufgabe des Männchens. Das Männchen bewacht den Laich bis zum Schlupf der Larven und fächelt den Eiern frisches Wasser zu. Nach dem Schlupf der Larven endet auch beim Männchen die Brutpflege, es kann jetzt wieder zurück ins Gesellschaftsbecken. Die Aufzucht der Jungen mit Mikro (Panagrellus redivivus, früher Turbatrix silusiae oder Anguillula silusiae), Artemia-Nauplien und sogar staubfeinem Trockenfutter ist kein Problem und gelingt auch Anfängern in der Zierfischzucht.

Hier ist das Gelege zwei Tage alt, die Larven mit den großen Dottersäcken sind gut in den Eiern zu erkennen.

Drei Tage altes Gelege. Die Larven sehen schon schlupfreif aus, doch es wird noch vier Tage bis zum Schlupf dauern.

Frisch geschlüpfte Larve.

Im Gesellschaftsbecken

Die Pastellgrundel eignet sich grundsätzlich hervorragend für Gesellschaftsbecken. Es ist dabei gleichgültig, wie viele Exemplare wel­chen Geschlechts im Becken schwimmen, untereinander sind sie immer friedlich. Nur gegenüber manchen Fremdfischen mit lang ausgezogenen Flossen können sie oft nicht widerstehen und knabbern die Flossen an. Gerade der geografisch und bezüglich der Größe so gut passende Iriatherina werneri (Fili­gran- oder Prachtregenbogenfisch) sollte darum nicht mit Pastellgrundeln gemeinsam gepflegt werden. Gut geeignete Gesell­schafter sind hingegen Regenbogenfische der Gattung Melanotaenia, Barben, Salmler, Leuchtaugenfische, Welse, Zwergbunt­barsche oder Schmerlen. Man kann Tate­urndina mit Trockenfutter, Frostfutter und Lebendfutter füttern, sie lässt sich alles schmecken, nur für Pflanzen als Nahrung inter­essiert sie sich nicht. Aber dagegen hat schließlich kein Aquarianer etwas ein­zuwenden….

Männchen der Pastellgrundel haben einen mächtigen Buckelkopf.

Birgit Bautz-Schäfer

Über den Autor Frank Schäfer

Frank Schäfer, geboren 1964, Biologe, seit frühester Jugend Tier- und Pflanzenhalter aus Leidenschaft. Sein besonderes Interesse gilt seit jeher den Fischen, aber Reptilien, Amphibien, Wirbellose, Kleinsäuger und Vögel sowie eine Vielzahl von Pflanzen begeistern ihn ebenso.

Seit 1980 Mitglied im Verein für Aquarien- und Terrarienkunde Hottonia e.V., dort seit 1982 auch immer wieder Vorstandsämter (Gartenwart, Redakteur der Vereinszeitschrift, 1. Schriftführer), seit 1982 Mitglied in der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische (IGL), seit 1992 auch im European Anabantoid Club (EAC). Erste Fachartikel über Pflege und Zucht von Puntius vittatus, Macropodus opercularis, Trionyx ferox und Polypterus senegalus in der Hottonia-Post 1981; erste große Fischfangreise in die Tropen 1983 nach Sumatra, worüber anschließend zahlreiche Aufsätze in der Hottonia-Post, der Zeitschrift „Der Makropode“ und „Das Aquarium“ erschienen; von da an regelmäßig Publikationen in vielen aquaristischen Fachzeitschriften, sowohl national wie auch international. Seither außerdem jährlich mehrere Dia-Vorträge auf nationalen und internationalen Tagungen.

Studium der Biologie in Darmstadt von 1984-1989, Abschluss als Diplom-Biologe mit den Prüfungsfächern Zoologie, Botanik, Ökologie und Psychologie. Diplomarbeit bei Prof. Ragnar Kinzelbach zum Thema „Wirtspezifität der Glochidien von Anodonta anatina“.

Zahlreiche Fang-, Sammel- und Studienreisen in das europäische Ausland, die Türkei, Sambia und vor allem Indien; Forschungsschwerpunkt ist die Süßwasserfischfauna des Ganges mit dem Ziel einer kompletten Revision der Arbeit von Francis Hamilton (1822): An account of the fishes found in the river Ganges and its branches. Edinburgh & London. Wissenschaftliche Erstbeschreibung von Oreichthys crenuchoides und gemeinsam mit Ulrich Schliewen von Polypterus mokelembembe. Wissenschaftliche Besuche und kurzzeitige Arbeiten in den zoologischen Sammlungen von London, Paris, Brüssel, Tervueren, Wien, Berlin, Frankfurt und München.

Seit 1996 bis heute Redakteur bei Aqualog und wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Fischbestimmung bei Aquarium Glaser, Rodgau. In dieser Zeit verantwortlich als Autor oder Co-Autor von über 20 Büchern und über 400 größeren Fachartikeln, nicht nur bei Aqualog, sondern bei nahezu allen deutschsprachigen Fachverlagen, vereinzelt auch in internationalen Publikationen. Seit 2009 Betreuung der Homepage und des Newsletters bei Aquarium Glaser mit 3-5 Posts pro Woche. Nach wie vor leidenschaftlicher Tier- und Pflanzenpfleger, quer durch den Gemüsegarten: Aquaristik (Süß- und Seewasser), Terraristik, Teichpflege, Kleinvögel.

Frank Schäfer ist verheiratet und hat zwei Töchter, die 1989 und 1991 geboren wurden.

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