Polypterus weeksii: Ein bisher unbekannter Geschlechtsunterschied

Flösselhechte (Polpyterus) gehören zu den so genannten lebenden Fossilien. Vieles an ihrem Körperbau ist altertümlich. Das macht sie zu besonders interessanten Studienobjekten im Aquarium, da ja nicht nur körperliche Merkmale, sondern auch Verhalten vererbt wird und letzteres für gewöhnlich sogar konservativer*. Man kann sozusagen Verhalten aus der Urzeit beobachten, wenn man Flösselhechte pflegt.

Polypterus weeksii stammt aus dem Kongo. Die Art wurde bereits 1898 wissenschaftlich beschrieben, zählt jedoch zu den Raritäten, sowohl in Museumssammlungen als auch im Aquarium. Nur sehr selten und in kleinen Stückzahlen wird die bis zu einem halben Meter lange Art importiert. Darum habe ich mich sehr gefreut, dass die Art jetzt in einem der ohnehin selten gewordenen Kongoimporte mit gut 30 Exemplaren vertreten war. Es waren allesamt Jungtiere von 12-15 cm Länge.

Natürlich wollte ich ein Pärchen für mich aussuchen. Das geht bei Polypterus gewöhnlich ganz gut, da die Männchen eine erheblich größere Afterflosse als die Weibchen haben, aber dieser Unterschied ist erst ab einem gewissen Alter gut zu erkennen, wenn die Fische in die Pubertät kommen. Vorher sind sich Männchen und Weibchen „untenrum“ sehr ähnlich. Und die Afterflosse ist selbstverständlich bei beunruhigten Tieren auch nur schwer zu erkennen.

Also nahm ich zunächst für Fotozwecke ein möglich breit gebändertes und ein möglichst schmal gebändertes Exemplar, um die mögliche Bandbreite in der Färbung zu dokumentieren. Dabei hatte ich ein glückliches Händchen, die zwei Tiere erwiesen sich bei genauerer Beobachtung im Fotobecken tatsächlich als Pärchen. Die Färbung ist wohl eher nebensächlich, aber etwas ganz anderes fiel auf: das Männchen hat einen verhältnismäßig breiteren Kopf als das Weibchen! Ein derartiger Geschlechtsunterschied ist bislang für Flösselhechte unbekannt! Achten Sie einmal beim betrachten der Bilder darauf: das Weibchen ist das Tier mit den schmalen Bändern und dem Rest des äußerlichen Kiemenastes am Kiemendeckel.

*Verhalten wird i.d.R. konservativer, also unveränderlicher vererbt als körperliche Merkmale, die sich unter Umständen recht schnell (schon nach wenigen hundert Generationen) drastisch verändern bzw. anpassen können. Man kann darum davon ausgehen, dass das Verhalten der Polypterus heute noch identisch ist zu dem Verhalten, das sie vor 60 Millionen Jahren zeigten. 

Sie wollen mehr über Flösselhechte wissen? Lesen Sie hier nach: https://www.animalbook.de/Polypterus-Floesselhechte-Bichirs

Frank Schäfer


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Über den Autor Frank Schäfer

Frank Schäfer, geboren 1964, Biologe, seit frühester Jugend Tier- und Pflanzenhalter aus Leidenschaft. Sein besonderes Interesse gilt seit jeher den Fischen, aber Reptilien, Amphibien, Wirbellose, Kleinsäuger und Vögel sowie eine Vielzahl von Pflanzen begeistern ihn ebenso.

Seit 1980 Mitglied im Verein für Aquarien- und Terrarienkunde Hottonia e.V., dort seit 1982 auch immer wieder Vorstandsämter (Gartenwart, Redakteur der Vereinszeitschrift, 1. Schriftführer), seit 1982 Mitglied in der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische (IGL), seit 1992 auch im European Anabantoid Club (EAC). Erste Fachartikel über Pflege und Zucht von Puntius vittatus, Macropodus opercularis, Trionyx ferox und Polypterus senegalus in der Hottonia-Post 1981; erste große Fischfangreise in die Tropen 1983 nach Sumatra, worüber anschließend zahlreiche Aufsätze in der Hottonia-Post, der Zeitschrift „Der Makropode“ und „Das Aquarium“ erschienen; von da an regelmäßig Publikationen in vielen aquaristischen Fachzeitschriften, sowohl national wie auch international. Seither außerdem jährlich mehrere Dia-Vorträge auf nationalen und internationalen Tagungen.

Studium der Biologie in Darmstadt von 1984-1989, Abschluss als Diplom-Biologe mit den Prüfungsfächern Zoologie, Botanik, Ökologie und Psychologie. Diplomarbeit bei Prof. Ragnar Kinzelbach zum Thema „Wirtspezifität der Glochidien von Anodonta anatina“.

Zahlreiche Fang-, Sammel- und Studienreisen in das europäische Ausland, die Türkei, Sambia und vor allem Indien; Forschungsschwerpunkt ist die Süßwasserfischfauna des Ganges mit dem Ziel einer kompletten Revision der Arbeit von Francis Hamilton (1822): An account of the fishes found in the river Ganges and its branches. Edinburgh & London. Wissenschaftliche Erstbeschreibung von Oreichthys crenuchoides und gemeinsam mit Ulrich Schliewen von Polypterus mokelembembe. Wissenschaftliche Besuche und kurzzeitige Arbeiten in den zoologischen Sammlungen von London, Paris, Brüssel, Tervueren, Wien, Berlin, Frankfurt und München.

Seit 1996 bis heute Redakteur bei Aqualog und wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Fischbestimmung bei Aquarium Glaser, Rodgau. In dieser Zeit verantwortlich als Autor oder Co-Autor von über 20 Büchern und über 400 größeren Fachartikeln, nicht nur bei Aqualog, sondern bei nahezu allen deutschsprachigen Fachverlagen, vereinzelt auch in internationalen Publikationen. Seit 2009 Betreuung der Homepage und des Newsletters bei Aquarium Glaser mit 3-5 Posts pro Woche. Nach wie vor leidenschaftlicher Tier- und Pflanzenpfleger, quer durch den Gemüsegarten: Aquaristik (Süß- und Seewasser), Terraristik, Teichpflege, Kleinvögel.

Frank Schäfer ist verheiratet und hat zwei Töchter, die 1989 und 1991 geboren wurden.

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Ein Kommentar zu “Polypterus weeksii: Ein bisher unbekannter Geschlechtsunterschied

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