Sjöstedts Prachtkärpfling, Fundulopanchax sjostedti (Lönnberg, 1895)

Das kann man nicht von vielen Fischarten sagen: Dass sie in Tümpeln, Pfützen, langsam fließenden Gewässern, Sumpfgebieten und … hohlen Baumstämmen vorkommen! Aber diese Aussage gilt tatsächlich für diesen Fisch: Sjöstedts Prachtkärpfling.

Fundulopanchax sjostedti wurde früher als der “Blaue Gularis” bezeichnet

Es liegt nicht etwa daran, dass dieser Fisch ein besonders guter Kletterer ist. Das ist er nicht. Es liegt vielmehr daran, dass er seine Eier in den schlammigen Boden seiner Wohngewässer legt. Hier sind auch die reichen Nahrungsgründe für viele Watvögel. An den Füßen und Beinen dieser Vögel bleibt gelegentlich Schlamm kleben, wenn sie abfliegen.

Männchen (oben) und Weibchen, jüngere Wildfänge aus Nigeria, Delta-State

Wenn das während der langen Eient­wicklungszeit der Prachtkärpflingseier ge­schieht (sie kann über 2 Monate betragen), kann es theoretisch geschehen, dass Eier im Schlamm auf diese Art und Weise ver­schleppt werden und mit dem Vogel auf einen Baum gelangen, wo sie abgewaschen oder abgewischt werden können. Hat der Baum nun zufällig eine wassergefüllte Höhlung können sich die Eier dort ent­wickeln und – voilá – wir haben Pracht­kärpf­linge, die in einem hohlen Baum leben!

Obwohl diese Geschichte seit Jahren kur­siert, muss ich zugeben, dass mir noch niemand begenet ist, der tatsächlich eine solche Baumpopulation eines Pracht­kärpflings gefunden hätte. Sollte sich unter unseren Lesern jemand befinden, der das erlebt hat, so soll er doch bitte eine kurze Mitteilung machen.

Männchen aus Kamerun (“Funge”-Stamm)

Sjöstedts Prachtkärpfling ist heute als Fundulopanchax sjostedti bekannt, aber man findet ihn in der Aquarienliteratur immer noch unter seinem alten Gattungsnamen Aphy­osemion, wo er oft in folgenden Schreib­weisen auftaucht: A. sjoestedti, A. caeruleum oder A. coeruleum. Es gibt weitere Synonyme, doch die tauchen eher selten auf.

F. sjostedti ist nur eine von gut 300 Arten, die die Familie Nothobranchiidae bilden, die wiederum ein Teil der Ordnung Cyprino­dontiformes (Zahnkarpfen, dazu gehören neben den Killis u. a. auch die Lebenge­bärenden) sind.

Bereits in der Natur gibt es eine Reihe von Farbvarianten von Sjöstedts Prachtkärpfling, was nicht weiter verwundert, denn die Art besitzt ein riesiges Verbreitungsgebiet, wo sie kleinere Gewässer im Nigerbecken von Süd- bis Südost-Nigeria, Südwest-Kamerun und sogar von Ghana besiedelt. Alle diese Varianten sind spektakuläre Fische. Hinzu kommen aber auch noch diverse Aquarien­stämme, denn Sjöstedts Prachtkärpfling ist ein alter Aquarienfisch, der schon 1905 seinen Weg in die Aquarien fand. Der bekannteste Aquarienstamm ist wohl der “USA-Stamm”, der in den Staaten entstand, von dort in den 1980er Jahren nach Frankreich gelangte und von Frankreich aus weit verbreitet wurde.

Männchen des “USA-Stammes”

Sjöstedts Prachtkärpfling kann leicht im Aquarium gehalten und gezüchtet werden. Er braucht weiches Wasser, wobei der pH-Wert zwischen 6.5 und 7.5 liegen darf. Die Tempertur sollte zwischen 20 und 25°C liegen. Die Männchen sind untereinander sehr aggressiv , wogegen man Vorkehrungen treffen muss. Man kann alternativ wenige Männchen in großen, versteckreichen Becken zusammen halten, oder man pflegt nur ein Männchen pro Aquarium. Man sollte den Fisch nicht in zu kleinen Aquarien pflegen, denn mit 12.5 – 13 cm Länge gehört er zu den großen Killifischen. Im Gegensatz zu männlichen Artgenossen ist Sjöstedts Prachtkärpfling gegenüber fremden Arten relativ friedfertig und zurückhaltend. Das Aquarium sollte nicht zu grell beleuchtet sein. Wichtig ist ein dunkler, feinkörniger Bodengrund. Eine dichte Be­pflanzung schätzt der Fisch sehr.

Bezüglich der Nahrungsaufnahme ist er nicht wählerisch, doch wird kräftigem Lebendfutter gegenüber jeglichem anderen Futter der Vorzug gegeben.

Weibchen (unteres Tier) bleiben kleiner und sind unscheinbar gefärbt

Seine Eier legt er in Laichmops, Fasertorf oder den Bodengrund ab. Man sollte die Eier aus dem Aquarium entfernen und mehrere Wochen feucht lagern (dazu eignet sich eine simple Plastiktüte). Die Ruheperiode der Eier muss mindestens vier Wochen betragen, bis zu 16 Wochen sind jedoch möglich. Während dieser Periode lagert man die Eier bei einer Temperatur von 18-24°C. Im Aquarium belassene Eier können bereits nach 3 Wochen schlüpfen. Die Aufzucht ist nicht weiter kompliziert, denn die Jungfische sind von Anfang an groß genug, um frischgeschlüpfte Artemia-Nauplien aufzunehmen. Die Fische wachsen rasch heran und bereits nach 6 Wochen kann man die Geschlechter unterscheiden.

John Dawes

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