Stiphodon: Neongrundeln von West-Sumatra

Die Neongrundeln der Gattung Stiphodon sind kniffelig zu bestimmen, denn viele Arten sehen einander sehr ähnlich. Die Männchen können ihre Färbung in Se­kun­denschnelle ändern, artspezifisch ist die Balzfärbung. In neutraler Färbung sehen sich verschiedene Arten extrem ähnlich. Die Weib­chen aller Arten sind kaum voneinander zu unter­scheiden. Gewöhnlich zeigen sie ein Muster aus zwei parallelen, dunklen Streifen auf hellem Grund.

Wie schwierig die Bestimmung ist, kann man auch daran ermessen, dass nur sechs der gegenwärtig 35 akzeptierten Arten (beschrieben wurden 44) vor 1980 wissenschaftlich beschrieben wurden, obwohl die Tiere in ihren Vorkommensgebieten sehr häufig und als tagaktive, bunte Tiere auch sehr auffällig sind.

Biotop von Stiphodon ornatus nahe Padang, West-Sumatra.

Die erwachsenen Exemplare aller Arten sind reine Süß­wasserbewohner, die in Bächen leben, die Larven entwickeln sich allerdings im Meer, wodurch viele Arten eine weite Verbreitung haben, denn die Larven werden passiv mit Meeresströmungen verdriftet und haben keine Möglichkeit, nach Beendigung der pelagischen Larvenphase irgendwo gezielt an Land zu gehen.

Die maximale Größe von Stiphodon-Arten liegt bei etwa 6 cm, es sind also kleine Fische. In einem Import von Aquarium Glaser fanden sich zum größten Teil herrliche Stiphodon ornatus, darunter fanden sich als Beifang mehrere Stiphodon maculidorsalis (oder Hybriden?) und ein vermutlicher Stiphodon pelewensis (ich bestimmte die Art ursprünglich als S. weberi, der allerdings nach neuesten Erkennnissen ein Synonym zu S. pelewensis darstellt); gewöhnlich leben derartig eng verwandte Arten nicht gemeinsam im gleichen Biotop, da sie sich Konkurrenz machen, aber bei Stiphodon erklären sich solche gemeinsamen Vorkommen (man nennt das Syntopien) zwanglos durch die beschriebene Vermehrungsstrategie. Die Bestimmung von Stiphodon wird dadurch aber auch nicht einfacher, denn selbst die exakte Kenntnis der Herkunft der Fische hilft nur sehr bedingt weiter. Kurz und gut: ohne Kenntnis der Prachtfärbung der Männchen kann man Neongrundeln kaum bestimmen.

Von West-Sumatra sind gegenwärtig wissenschaftlich drei Stiphodon-Arten bekannt. Das sind: Stiphodon ornatus Meinken, 1974, die bislang nur von dort bekannt ist; S. semoni (Weber, 1895), eine weit verbreitete Art; und die erst 2013 beschriebene Stiphodon maculidorsalis Maeda & Tan. Ob der Beifang, wohl S. pelewensis Herre, 1936, wirklich gemeinsam mit den S. ornatus vorkam oder erst beim Exporteur versehentlich zwischen andere Neongrundeln geriet, kann man leider nicht sagen.

Neongrundeln sind friedliche Aufwuchs­fresser und lieben klares, strömendes Wasser. In der Natur leben sie in Schulen von 30 bis 50 Exemplaren, die aus beiden Geschlech­tern bestehen. Nur einzelne Männchen besetzen Reviere, deren Zentrum eine Laichhöhle unter einem flachen Stein ist. Während der Balz schwimmen die Männ­chen in die freie Wassersäule und legen das auffällige, kontrastreiche Balzkleid an. Wenn es ihnen gelingt, ein laichreifes Weibchen anzulocken, so laichen sie an der Unterseite eines Steines ab. Die Eier und die daraus schlüpfenden Larven sind winzig klein und äußerst zahlreich. Die Larve werden, wie gesagt, von der Strömung ins Meer verdriftet, wo sie sich im Plankton des Meeres entwickeln. Eine Auf­zucht im Aquarium ist noch nocht gelungen.

Frank Schäfer


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Über den Autor Frank Schäfer

Frank Schäfer, geboren 1964, Biologe, seit frühester Jugend Tier- und Pflanzenhalter aus Leidenschaft. Sein besonderes Interesse gilt seit jeher den Fischen, aber Reptilien, Amphibien, Wirbellose, Kleinsäuger und Vögel sowie eine Vielzahl von Pflanzen begeistern ihn ebenso.

Seit 1980 Mitglied im Verein für Aquarien- und Terrarienkunde Hottonia e.V., dort seit 1982 auch immer wieder Vorstandsämter (Gartenwart, Redakteur der Vereinszeitschrift, 1. Schriftführer), seit 1982 Mitglied in der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische (IGL), seit 1992 auch im European Anabantoid Club (EAC). Erste Fachartikel über Pflege und Zucht von Puntius vittatus, Macropodus opercularis, Trionyx ferox und Polypterus senegalus in der Hottonia-Post 1981; erste große Fischfangreise in die Tropen 1983 nach Sumatra, worüber anschließend zahlreiche Aufsätze in der Hottonia-Post, der Zeitschrift „Der Makropode“ und „Das Aquarium“ erschienen; von da an regelmäßig Publikationen in vielen aquaristischen Fachzeitschriften, sowohl national wie auch international. Seither außerdem jährlich mehrere Dia-Vorträge auf nationalen und internationalen Tagungen.

Studium der Biologie in Darmstadt von 1984-1989, Abschluss als Diplom-Biologe mit den Prüfungsfächern Zoologie, Botanik, Ökologie und Psychologie. Diplomarbeit bei Prof. Ragnar Kinzelbach zum Thema „Wirtspezifität der Glochidien von Anodonta anatina“.

Zahlreiche Fang-, Sammel- und Studienreisen in das europäische Ausland, die Türkei, Sambia und vor allem Indien; Forschungsschwerpunkt ist die Süßwasserfischfauna des Ganges mit dem Ziel einer kompletten Revision der Arbeit von Francis Hamilton (1822): An account of the fishes found in the river Ganges and its branches. Edinburgh & London. Wissenschaftliche Erstbeschreibung von Oreichthys crenuchoides und gemeinsam mit Ulrich Schliewen von Polypterus mokelembembe. Wissenschaftliche Besuche und kurzzeitige Arbeiten in den zoologischen Sammlungen von London, Paris, Brüssel, Tervueren, Wien, Berlin, Frankfurt und München.

Seit 1996 bis heute Redakteur bei Aqualog und wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Fischbestimmung bei Aquarium Glaser, Rodgau. In dieser Zeit verantwortlich als Autor oder Co-Autor von über 20 Büchern und über 400 größeren Fachartikeln, nicht nur bei Aqualog, sondern bei nahezu allen deutschsprachigen Fachverlagen, vereinzelt auch in internationalen Publikationen. Seit 2009 Betreuung der Homepage und des Newsletters bei Aquarium Glaser mit 3-5 Posts pro Woche. Nach wie vor leidenschaftlicher Tier- und Pflanzenpfleger, quer durch den Gemüsegarten: Aquaristik (Süß- und Seewasser), Terraristik, Teichpflege, Kleinvögel.

Frank Schäfer ist verheiratet und hat zwei Töchter, die 1989 und 1991 geboren wurden.

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