Zistrosen – wirksam gegen Corona-Infektion?

Angst geht um. Besorgt setzen sich die Menschen weltweit mit der Ausbreitung einer Viruserkrankung auseinander, die überall dort den Alltag massiv beeinträchtigt, wo sie auftritt. Das neuartige Virus hat einen hübschen Name: Corona, das bedeutet „Krone“. Bei den meisten Menschen verläuft eine Erkrankung mild, ähnlich einer Erkältung, doch bei Menschen mit Immunschwäche kann das Virus eine Lungenerkrankung mit tödlichem Verlauf auslösen. Medikamente gegen Corona gibt es nicht, genausowenig wie gegen irgend ein anderes Virus, man kann lediglich die Symptome behandeln. Mit dem Virus an sich muss das Immunsystem klarkommen. Das fiese an Corona: es besteht mit der fortschreitenden Ausbreitung die wachsende Gefahr, dass es mutiert, sich verändert. Viren können das. Gegen die Grippe muss deshalb jedes Jahr ein neuer Impfstoff entwickelt werden, da der vorjährige aufgrund der Mutation des Grippevirus nicht mehr wirksam ist. An der Grippe sterben deshalb jährlich zehntausende von Menschen, manchmal, wenn die Mutation der Grippe besonders bösartig ist, kommt es sogar zu einer weltweiten Epidemie, einer so genannten Pandemie, die dann Millionen von Menschenleben fordert. Der letzte Ausbruch einer solchen Grippe-Pandemie liegt rund 100 Jahre zurück. Nach dem Ende des ersten Weltkrieges (1914-1918), der 1,8 – 2 Millionen Soldatenleben forderte, brach sie aus, die Spanische Grippe. Zwischen 1918 und 1920 starben an ihr 25 – 50 Millionen Menschen! So etwas kann jederzeit wieder geschehen, so etwas wird wieder geschehen, darin sind sich alle Wissenschaftler einig. Die Frage ist nur: wann? Darum ist man wegen des Corona-Virus so besorgt, denn einem solchen Ausbruch steht man heutzutage im Grunde genommen genau so hilflos gegenüber wie 1348 dem Schwarzen Tod, der Pest, die ein Drittel der europäischen Bevölkerung dahinraffte.

Die prächtige Cistus x purpureus ist eine Hybride, die häufig in Gärten gezogen wird.

Eine hübsche Pflanze aus dem Mittelmeerrraum, die ihre gegenwärtige Omnipräsenz in der mediterranen Region den Umweltsünden unserer Vorfahren verdankt, könnte eine wirksame Waffe gegen Corona sein: die Zistrose (Cistus).

Cistus albidus
Für Tees etc. verwendet man nicht die Blüten, sondern das Kraut. Cistus albidus.

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Einst wuchsen entlang der Küsten des Mittelmeeres immergrüne Hartlaubwälder, gebildet aus Eichen, Kiefern und  anderen Baumarten. Die alten Griechen und nach ihnen die Römer holzten diese Wälder so effektiv ab, dass eine völlig neue Pflanzengesellschaft einstand: die Macchie, bestehend aus aromatischen Kräutern und Büschen, die sowohl mit den kargen, vom Regen ausgewaschenen Böden wie auch mit der Überweidung durch Ziegen klarkommen. Die Macchie kommt uns Touristen als typische Vegetation vor, wir empfinden sie als romantisch und typisch mediterran, sie ist jedoch eigentlich ein Schandmal menschlicher Umweltzerstörung. Zistrosen (es gibt rund um das Mittelmeer 15 Arten, die sich teils sehr ähnlich sehen) kommen in der Macchie sehr häufig vor. Dort, wo die Macchie regelmäßig abgebrannt wird, um den Ziegen wieder etwas zarteres Grün zu verschaffen, kommen Zistrosen sogar besonders häufig vor, wo die Macchie zu oft abgebrannt wird, kann es sogar dazu kommen, dass nur noch Zistrosen wachsen, und zwar so dicht, dass darunter aus Lichtmangel keine andere Pflanze mehr aufkommen kann.

Macchie auf Korsika

Den Menschen der Antike kam die Zistrose als ein Geschenk der Götter vor. Sie nutzten das duftende, harzige Öl einiger Arten (damals bevorzugt C. creticus, heute nimmt man vor allem Cistus ladanifer dafür) als Räucherwerk und zur Parfumherstellung und nannten es Ladanum, Labdanum oder auch Laudanum; es gilt außerdem als Mittel zur Erzeugung göttlicher Schönheit, indem man es in Hautsalben verwendet. In der traditionellen Medizin der Antike bis in die Gegenwart nutzt man Tees und Auszüge sowohl innerlich wie auch äußerlich gegen eine Vielzahl von Erkrankungen, von Hauterkrankungen bis Darmbeschwerden. Allgemein schreibt man Zistrosenkraut eine entzündungshemmende Wirkung zu. In der EU ist das Kraut der Zistrosen nicht als Nahrungsmittel zugelassen, man darf es also nicht als Tee zum trinken verkaufen, aber als Badezusatz ist es erlaubt und so kann man es leicht erwerben. In der Schweiz kann man auch Lutschtabletten mit Zistrosenextrakt kaufen.

Cistus ladanifer

Seit einigen Jahren forschen Mediziner nun schon an einer erstaunlichen Eigenschaft von Zistrosenextrakt: es verhindert die Infektion mit Grippe- und Erkältungsviren! Wie schon eingangs erwähnt gibt es keine dauerhaft wirksamen Medikamente gegen diese Viren, existierende Präparate bekämpfen entweder lediglich die Symptome oder die Viren werden durch Mutation schnell resistent gegen sie. Nichts dergleichen passiert bei Zistrosenextrakt. Weder können sich die Viren nach bisherigem Wissenstand an den Zistrosenextrakt anpassen noch entwickeln sie Resistenzen. Das dicke ABER: nach aktuellem Forschungsstand nutzt Zistrose nach Ausbruch der Erkrankung nichts mehr, sie kann auch den Verlauf der Erkrankung nicht wirklich beeinflussen, sie verhindert jedoch sehr effektiv die Ansteckung. Jedenfalls gilt das für Zell- und Tierversuche. Mit Menschen gibt es erst wenige klinische Tests mit wenigen hundert Versuchspersonen. Immerhin: Nebenwirkungen gibt es nach bisherigem Kenntnisstand auch keine.

Cistus salvifolius

Interessant ist nun, dass Erkältungs- und Grippeviren offenbar den gleichen Infektionsweg nutzen wie Coronaviren. Es ist darum naheliegend, wenn auch noch völlig unerforscht (was daran liegt, dass Corona erst so kurz bekannt ist), dass Zistrosen gegen eine Infektion mit Corona in gleicher Weise schützen wie gegen Erkältungs- und Grippeviren. Wenn man es probieren möchte und keine Lutschtabletten aus der Schweiz beziehen kann, bietet sich Tee an, den man entweder trinkt oder zum gurgeln verwendet. Rezepte dafür findet man auf zahlreichen Kräuterseiten im Netz. 

Cistus monspeliensis

Man kann der unerfreulichen Corona-Infektion als Terrarianer und Pflanzenliebhaber auch eine gute Seite abgewinnen und sich – quasi unter dem Vorwand, etwas für die Lieben und sich selbst zu tun, eine kleine Sammlung mit Zistrosen aufzubauen. Als Zimmerpflanzen eigen sich Zistrosen freilich nicht. Im Freiland sind sie bei uns bedingt winterhart, wie so viele mediterrane Pflanzen. Ganz wichtig ist ein sehr durchlässiger Boden, am besten eine Mischung aus Kies und Erde. Geradezu unverzichtbar sind Zistrosen in Freiland-Terrarien für mediterrane Reptilien, wie Scheltopusiks (Sheltopusik apodus), Smaragd- und Perleidechsen (Lacerta bilineata, L. viridis, L. trilineata, Timon lepidus etc.) und die europäischen Landschildkröten (Testudo spp.) oder auch Treppen- und Vierstreifennattern (Zamenis scalaris, Elaphe quatuorlineata). Viele Staudengärtnereien bieten Cistus-Arten und -Varianten an, sehr preiswert bekommt man Zistrosen in Kräuterangeboten der Gärtnereien – dabei handelt es sich um Cistus incanus tauricus.


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Smaragdeidechse, Lacerta viridis

Da ich weder Arzt noch Apotheker bin, hier noch ein paar Links zu weiterführenden Texten aus berufenen Federn: 

Allgemeines über Zistrosen und ihr Wirkspektrum findet man hier: https://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Zistrose

Populär aufbereitet und leicht verständlich: https://www.docjones.de/studien/zistrosenkraut-extrakt-grippe

Wer es genauer wissen will findet hier viele Antworten: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2009/daz-28-2009/cystus052-serioese-option-zur-influenza-prophylaxe

Und schließlich eine ganz aktuelle wissenschaftliche Arbeit über virenhemmende Wirkungen von Zistrosenextrakt: https://www.nature.com/articles/srep20394

Es gibt viele Parallelen zwischen der Salamander-Chytrid-Pilz-Epidemie und dem Ausbruch von Corona.

Im gerade in Arbeit befindlichen Bookazine No 8 geht es in einem Artikel auch um eine Seuche. Seit einigen Jahren bedroht ein neuartiger, hochansteckender, für freilebende Feuersalamander tödlicher Hautpilz die mitteleuropäischen Bestände dieser Tierart. In Belgien ist sie bereits fast völlig ausgestorben, in den Niederlanden ist die Situation dramatisch und in Deutschland breitet sich die Salamander-Seuche (es handelt sich um den Pilz Batrachochytrium salamandrivorans) sehr schnell aus. Es gibt interessante Parallelen in der Reaktion der mit diesem Pilz befassten Wissenschaftler zu der aktuellen Corona-Hysterie. Auch beim Salamander-Chytrid überwiegen oft Panikmache und Aktionismus über Vernunft und Augenmaß bei den Behörden und Wissenschaftlern. So gibt es Bestrebungen, den Salamander-Chytrid als Vorwand zu nutzen, die Amphibienpflege allgemein stark zu reglementieren oder zu verbieten, so wie vor einigen Jahren die Vogelgrippe als Vorwand benutzt wurde, den Import von Ziervögeln zu verbieten. Warum es zwischen dem Schwarzen Tod, der Grippe und dem Salamander-Chytrid klare Zusammenhänge gibt, können Sie in wenigen Wochen in Bookazine No 8 lesen.

Frank Schäfer

PS: Dank an Michael Bischof für die Idee zu diesem Blog!

PPS: Ein interssantes Update zu diesem Blog finden Sie hier: https://www.aqualog.de/blog/ein-update-zum-thema-zistrose-gegen-corona/

Über den Autor Frank Schäfer

Frank Schäfer, geboren 1964, Biologe, seit frühester Jugend Tier- und Pflanzenhalter aus Leidenschaft. Sein besonderes Interesse gilt seit jeher den Fischen, aber Reptilien, Amphibien, Wirbellose, Kleinsäuger und Vögel sowie eine Vielzahl von Pflanzen begeistern ihn ebenso.

Seit 1980 Mitglied im Verein für Aquarien- und Terrarienkunde Hottonia e.V., dort seit 1982 auch immer wieder Vorstandsämter (Gartenwart, Redakteur der Vereinszeitschrift, 1. Schriftführer), seit 1982 Mitglied in der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische (IGL), seit 1992 auch im European Anabantoid Club (EAC). Erste Fachartikel über Pflege und Zucht von Puntius vittatus, Macropodus opercularis, Trionyx ferox und Polypterus senegalus in der Hottonia-Post 1981; erste große Fischfangreise in die Tropen 1983 nach Sumatra, worüber anschließend zahlreiche Aufsätze in der Hottonia-Post, der Zeitschrift „Der Makropode“ und „Das Aquarium“ erschienen; von da an regelmäßig Publikationen in vielen aquaristischen Fachzeitschriften, sowohl national wie auch international. Seither außerdem jährlich mehrere Dia-Vorträge auf nationalen und internationalen Tagungen.

Studium der Biologie in Darmstadt von 1984-1989, Abschluss als Diplom-Biologe mit den Prüfungsfächern Zoologie, Botanik, Ökologie und Psychologie. Diplomarbeit bei Prof. Ragnar Kinzelbach zum Thema „Wirtspezifität der Glochidien von Anodonta anatina“.

Zahlreiche Fang-, Sammel- und Studienreisen in das europäische Ausland, die Türkei, Sambia und vor allem Indien; Forschungsschwerpunkt ist die Süßwasserfischfauna des Ganges mit dem Ziel einer kompletten Revision der Arbeit von Francis Hamilton (1822): An account of the fishes found in the river Ganges and its branches. Edinburgh & London. Wissenschaftliche Erstbeschreibung von Oreichthys crenuchoides und gemeinsam mit Ulrich Schliewen von Polypterus mokelembembe. Wissenschaftliche Besuche und kurzzeitige Arbeiten in den zoologischen Sammlungen von London, Paris, Brüssel, Tervueren, Wien, Berlin, Frankfurt und München.

Seit 1996 bis heute Redakteur bei Aqualog und wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Fischbestimmung bei Aquarium Glaser, Rodgau. In dieser Zeit verantwortlich als Autor oder Co-Autor von über 20 Büchern und über 400 größeren Fachartikeln, nicht nur bei Aqualog, sondern bei nahezu allen deutschsprachigen Fachverlagen, vereinzelt auch in internationalen Publikationen. Seit 2009 Betreuung der Homepage und des Newsletters bei Aquarium Glaser mit 3-5 Posts pro Woche. Nach wie vor leidenschaftlicher Tier- und Pflanzenpfleger, quer durch den Gemüsegarten: Aquaristik (Süß- und Seewasser), Terraristik, Teichpflege, Kleinvögel.

Frank Schäfer ist verheiratet und hat zwei Töchter, die 1989 und 1991 geboren wurden.

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4 Kommentare zu “Zistrosen – wirksam gegen Corona-Infektion?

  1. Patric Schira

    Kleine Korrektur: Das Harz der Zistrose wird NICHT Laudanum genannt, allenfalls fälschlicherweise. Laudanum ist – im Gegensatz zu Ladanum oder Labdanum – eine Opiumtinktur, die nicht das Geringste mit der Zistrose zu tun hat.

    Antworten
  2. Wolfgang

    Ich habe mr vor zwei Wochen noch 100 Gramm Cistus-Incanus als Tee im Reformhaus gekauft. In Deutschland! Also nix mit “in der EU nicht als Nahrungsmittel zugelassen.”

    Zitat: “In der EU ist das Kraut der Zistrosen nicht als Nahrungsmittel zugelassen, man darf es also nicht als Tee zum trinken verkaufen, aber als Badezusatz ist es erlaubt und so kann man es leicht erwerben.”

    Im Reformhaus und in der Apotheke gibt es auch Lutschtabletten zu kaufen, die als Inhaltsstoff Cistusextrakt enthalten.
    In Deutschland. Jetzt und hier!

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