Biotopaquarium (Teil 5): Weitere Begleitfische des Roten Neon

Iguanodectes adujai, erkennbar an der langen Afterflosse
Iguanodectes geisleri

Iguanodectes adujai
Iguanodectes geisleri

Diese beiden langgestreckten Salmlerarten kommen oft in gemischten Schwärmen vor, was wieder einmal die Frage aufwirft: wie machen sie das, ohne sich gegenseitig Konkurrenz zu machen? Sie sind im Biotop des Roten Neon nur Durchzügler, Vagabunden, die nicht lange an einem Ort bleiben. Mit etwa 8 cm Länge sind sie recht groß, aber auch schlank und sehr friedlich. Iguanodectes brauchen Platz, um sich ausschwimmen zu können und gut zu wirken. Wer das Biotop-Aquarium „Roter Neon“ in der etwas größeren Variante betreibt, der sollte sich aber einen Trupp dieser schönen Fische gönnen, wenn sie – was leider nur selten der Fall ist – einmal angeboten werden. Abgesehen vom Platzbedarf ist die Pflege der Tiere nicht schwierig, sie fressen jedes übliche Fischfutter.

Der Schachbrett-Cichlide, Dicrossus filamentosus, ist der häufigste Zwergbuntbarsch im natürlichen Lebensraum des Roten Neon.

Dicrossus filamentosus
Der Schachbrettcichlide ist der typischste Zwergbuntbarsch im Lebensraum des Roten Neon. Die Männchen haben eine leierförmige Schwanzflosse und werden fast 8 cm lang, die Schwanzflosse der Weibchen ist abgerundet. Weibchen bleiben immer kleiner als die Männchen. In der Natur laichen sie wohl mit etwa 3 cm Länge erstmals ab. Weibchen des Schachbrettcichliden, die schon einmal abgelaicht haben, erkennt man an den blutroten Bauchflossen. Bei jungfräulichen Tieren sind die Bauchflossen farblos. Dieser Zwergcichlide lebt in Haremsverbänden, ein Männchen betreut mehrere Weibchen. Die Art ist ein Offenbrüter, laicht also an der Oberfläche fester Gegenstände, am liebsten an Pflanzenblättern ab. In der Ernährung ist Dicrossus filamentosus (früher als Crenicara filamentosa bezeichnet) unproblematisch, aber die Fortpflanzung gelingt nur in Wasser, das den natürlichen Verhältnissen sehr nahe kommt. Im Gesellschaftsbecken werden die Jungfische aber trotz der guten Brutpflege durch das Weibchen in der Regel von Neon und Co. gefressen.


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Apistogramma diplotaenia, Wildfangmännchen
Rote Morphe von Apistogramma gibbiceps

Apistogramma diplotaenia
Apistogramma gibbiceps

Die Apistogramma-Arten sind im Gegensatz zu Dicrossus Höhlenbrüter. Das Weibchen bewacht auch hier Laich und frisch geschlüpfte Jungtiere, aber das Männchen ist stärker an der Brutpflege beteiligt als bei den Schachbrettcichliden und hilft, den Schwarm größerer Jungtiere zu betreuen. Es sind vor allen die zwei genannten Arten, die im unmittelbaren Lebensraum von Roten Neon gefunden werden. Der seltene Apistogramma diplotaenia ist eine ganz ungewöhnliche Apistogramma-Art, deren Doppelstreifen sie absolut unverwechselbar macht. Da der Import nur selten möglich und die Art in der Nachzucht relativ wenig produktiv ist, muss man schon Glück haben, um sie im Zoofachhandel angeboten zu bekommen. Glücklicherweise ist aber die Nachfrage nach den Tieren in jüngerer Zeit gestiegen, so dass sich nun auch Berufszüchter ab und zu der Art widmen, wodurch sie häufiger angeboten werden kann.
Apistogramma gibbiceps ist dagegen eher ein Fisch für Kenner, denn seine Pastellfarben wirken zunächst nicht sehr auffällig. Das ist schade, denn eingewöhnte Tiere sind wirklich wunderschön. Leider steht die Unscheinbarkeit der jugendlichen Exemplare einer weiten Verbreitung im Wege. Trotzdem: wenn man die Gelegenheit bekommt, diesen Fisch zu kaufen, sollte man sie wahrnehmen; man wird es sicher nicht bereuen!

Biotoceus opercularis, Wildfang-Männchen

Biotoecus opercularis
Dieser zarte, pastellfarbene Sand-Zwergcichlide gehört ebenfalls zu den Höhlenbrütern, hat jedoch eine ganz spezielle Brutpflege-Strategie entwickelt: den Sandhügelbau! Haben die Fische eine ihrer Meinung nach geeignete Ablaichhöhle gefunden (im Aquarium haben sich etwa 10 cm lange PVC-Röhren von etwa 2 cm Durchmesser bewährt, auch wenn sie nicht schön aussehen; das ästhetische Empfinden von Mensch und Tier ist halt ein unterschiedliches), so schaufelt zunächst das Männchen, später auch das Weibchen, Sand auf und zwar in der Art und Weise, dass die Röhre mit einem Neigungswinkel von etwa 30° im Sand vollständig verschwindet und nur der Höhleneingang sichtbar bleibt. Dabei kann es zu ordentlichen Sandhaufen kommen! Die unmittelbare Brutpflege übernimmt auch hier wieder das Weibchen, das Männchen sichert das Revier. Allerdings kann das Weibchen ziemlich garstig werden, wenn das Männchen der Bruthöhle zu nahe kommt, manchmal ist es sogar nötig, das Männchen vorübergehend aus dem Aquarium zu entfernen, um Verletzungen durch das Weibchen vorzubeugen. Darum sollte – obwohl Biotoecus opercularis nur etwa 5-6 cm lang wird – das Aquarium lieber etwas größer als zu klein sein. Bezüglich der Ernährung sind die Fische nicht schwierig, aber das Futter sollte nicht zu grob sein. Die bewährten Artemia-Nauplien stellen auch hier ein ideales Futter dar.

Aspidoras pauciradiatus
Corydoras adolfoi – hier ein Wildfang – war früher der häufigste Nackenfleck-Panzerwels im Angebot des Zoofachhandels. Heutzutage findet man dort eher C. dupliareus.

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Aspidoras pauciradiatus
Corydoras adolfoi

Panzerwelse sind als Bodenfische sehr beliebt, da ihr unaufhörliches Mümmeln im Sand dafür sorgt, dass es keine gammelnden Futterreste gibt. Trotzdem muss man sie natürlich auch gezielt füttern; Wurmfutter ist besonders beliebt, aber Futtertabletten aus Trockenfutter können ebenfalls die Nahrungsgrundversorgung sicherstellen. Die Nackenfleck-Panzerwelse (Corydoras adolfoi und ähnliche Arten) kommen allesamt aus dem Rio-Negro-Gebiet, statt C. adolfoi kann man auch C. duplicareus, C. nijsseni, C. burgessi oder – in größeren Aquarien – C. imitator, C. sp. „C39“ oder C. serratus wählen. Schöner als ein Sammelsurium wirken immer Aquarien, in denen nur eine der genannten Arten schwimmt, zumal sich die Fische im Aquarium auch kreuzen können, was zu unerwünschten Hybriden führt.
In kleinen Aquarien bietet sich der Schmerlenpanzerwels (Aspidoras pauciradiatus) an, der nur 2-3 cm lang wird und alle guten Eigenschaften hat, die der Aquarianer an Panzerwelsen so schätzt.

Ancistus dolichopterus, Jungtier, Wildfang. Dieser Antennenwels ist im Hobby auch als “weißsaum-Ancistrus” oder L183 bekannt.
Dekeyseria scaphirhynchus
Es gibt zahlreiche Farlowella-Arten, die sich allerdings nur von Spezialisten unterscheiden lassen. Farlowella amazonica gehört zu den besonders “langnasigen” Arten, so wie diese F. oxyrrhyncha aus Peru.

Ancistrus dolichopterus
Dekeyseria scaphirhynchus
Farlowella amazonica

Es gibt im Lebensraum des Roten Neon auch Saugwelse. Früher bezeichnete man die Weißsaum-Antennenwelse (Ancistrus dolichopterus, L183) als A. hoplogenys und den „Aquarien-Ancistrus“ als A. dolichopterus; der „Aquarien-Ancistrus“ ist ein Fisch, dessen Herkunft und Artzugehörigkeit sich wohl nicht mehr klären lässt, da vermutlich verschiedene, ähnliche Arten seit den 1950er Jahren versehentlich miteinander gekreuzt wurden. Während Weißsaum-Ancistrus oder L183 aus dem Einzug des unteren Rio Negro stammt und auf jeden Fall die Verhältnisse in den beschriebenen Biotop-Aquarium als ideal empfindet, sollte der „Aquarien-Ancistrus“ lieber nicht in sehr weichem, sauren Wasser gepflegt werden. Ansonsten unterscheiden sich beide Arten im Verhalten aber nicht, es sind typische Aufwuchsfresser und Höhlenbrüter, die auch gut die Scheiben von feinen Algenbelägen reinigen.
Ganz ähnlich lebt Dekeyseria scaphirhynchus, ist allerdings etwas versteckliebender und ist stärker auf Totholz als primären Lebensraum angewiesen. Ganz anders lebt hingegen Farlowella amazonica. Dieser Saugwels imitiert perfekt einen Pflanzenstängel und hängt sich gerne senkrecht an Gräser, grasartige Unterwasserpflanzen oder vom Land aus ins Wasser hängende Palmenwedel. Wenn man Farlowella im Biotopaquarium mitpflegen möchte, sollte man als Dekoration einige trockene Bambus- oder Schilf­stängel einbringen; dort halten sich die Schnabelwelse – so der deutsche Name für Farlowella – besonders gerne auf. Die Eier werden bei Farlowella nicht in Höhlen, sondern offen abgelegt, das Männchen bewacht den Laich bis zum Schlupf der Jungtiere.

Frank Schäfer

Über den Autor Frank Schäfer

Frank Schäfer, geboren 1964, Biologe, seit frühester Jugend Tier- und Pflanzenhalter aus Leidenschaft. Sein besonderes Interesse gilt seit jeher den Fischen, aber Reptilien, Amphibien, Wirbellose, Kleinsäuger und Vögel sowie eine Vielzahl von Pflanzen begeistern ihn ebenso.

Seit 1980 Mitglied im Verein für Aquarien- und Terrarienkunde Hottonia e.V., dort seit 1982 auch immer wieder Vorstandsämter (Gartenwart, Redakteur der Vereinszeitschrift, 1. Schriftführer), seit 1982 Mitglied in der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische (IGL), seit 1992 auch im European Anabantoid Club (EAC). Erste Fachartikel über Pflege und Zucht von Puntius vittatus, Macropodus opercularis, Trionyx ferox und Polypterus senegalus in der Hottonia-Post 1981; erste große Fischfangreise in die Tropen 1983 nach Sumatra, worüber anschließend zahlreiche Aufsätze in der Hottonia-Post, der Zeitschrift „Der Makropode“ und „Das Aquarium“ erschienen; von da an regelmäßig Publikationen in vielen aquaristischen Fachzeitschriften, sowohl national wie auch international. Seither außerdem jährlich mehrere Dia-Vorträge auf nationalen und internationalen Tagungen.

Studium der Biologie in Darmstadt von 1984-1989, Abschluss als Diplom-Biologe mit den Prüfungsfächern Zoologie, Botanik, Ökologie und Psychologie. Diplomarbeit bei Prof. Ragnar Kinzelbach zum Thema „Wirtspezifität der Glochidien von Anodonta anatina“.

Zahlreiche Fang-, Sammel- und Studienreisen in das europäische Ausland, die Türkei, Sambia und vor allem Indien; Forschungsschwerpunkt ist die Süßwasserfischfauna des Ganges mit dem Ziel einer kompletten Revision der Arbeit von Francis Hamilton (1822): An account of the fishes found in the river Ganges and its branches. Edinburgh & London. Wissenschaftliche Erstbeschreibung von Oreichthys crenuchoides und gemeinsam mit Ulrich Schliewen von Polypterus mokelembembe. Wissenschaftliche Besuche und kurzzeitige Arbeiten in den zoologischen Sammlungen von London, Paris, Brüssel, Tervueren, Wien, Berlin, Frankfurt und München.

Seit 1996 bis heute Redakteur bei Aqualog und wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Fischbestimmung bei Aquarium Glaser, Rodgau. In dieser Zeit verantwortlich als Autor oder Co-Autor von über 20 Büchern und über 400 größeren Fachartikeln, nicht nur bei Aqualog, sondern bei nahezu allen deutschsprachigen Fachverlagen, vereinzelt auch in internationalen Publikationen. Seit 2009 Betreuung der Homepage und des Newsletters bei Aquarium Glaser mit 3-5 Posts pro Woche. Nach wie vor leidenschaftlicher Tier- und Pflanzenpfleger, quer durch den Gemüsegarten: Aquaristik (Süß- und Seewasser), Terraristik, Teichpflege, Kleinvögel.

Frank Schäfer ist verheiratet und hat zwei Töchter, die 1989 und 1991 geboren wurden.

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