Deutschland Weltmeister – geht doch!

Gerade ist die FIFA WM zu Ende gegangen, Frankreich ist neuer Fußball-Weltmeister. Im Gegensatz zu den leider glücklosen Fußballjungs hat Deutschland aber bereits einen ganz anderen WM-Titel eingefahren, nämlich den im Terrascaping! Drei Mitglieder der Jugendgruppe der Aquarien- und Terrarienfreunde Hohenlohe, die sich „Hohenlohe Allstars“ nennen, haben auf der Heimtiermesse Hannover den Weltmeistertitel im Terrascaping im Bereich „Nano-Terrarium“ errungen.

Die Hohenloher Allstars Karolin und Teresa und ihr Begleitpersonal Willi und Andreas. Die Weltmeister durften sich bei animalbook ein Buch aussuchen.

Die Hohenlohe Allstars sind Teresa Osterloh, Patrick Schäfer und Karolin Schömmel. Zwei der drei Allstars kamen zu Besuch zu Aqualog animalbook, um über ihre Motivation und Erfahrungen bei der WM zu berichten. Willi Schönleber, Vorsitzender des Hohenloher Vereins und Andreas Vanderlieb, 2. Vorsitzender des VDA-Bezirks 14, begleiteten sie. Patrick wurde leider kurz vorher krank, hat sich aber inzwischen wieder vollständig erholt und ein paar Fragen zum Terrascaping per Email beantwortet.

Thema der WM, das stand schon vorher fest, waren Pfeilgiftfrösche. Das Terrarium sollte von den Terrascapern in einem gegebenen Zeitrahmen nicht nur optisch ansprechend für die bunten Amphibien eingerichtet werden, sondern auch so, dass die Tiere darin optimal untergebracht sind. Zu diesem Zweck wurde schon vor der eigentlichen WM trainiert und Materialien gesammelt, die dann auch zur WM mitgebracht wurden.

links: das Siegerbecken

Die Vorbereitungsphase war sehr wichtig; selbst pflegen die Allstars nämlich keine Pfeilgiftfrösche, sondern Bartagamen und Achatschnecken. Doch offenbar war das Einarbeiten der Jugendlichen in die Thematik vorbildlich, andernfalls wäre der WM-Titel nicht möglich gewesen.

Nicht nur der Gewinn des Titels motiviert die Allstars, weiterzumachen. Sie haben viele Ideen, wie sich Terrascaping auch bei der häuslichen Terrarstik ihrer eigenen Pfleglinge einsetzen lässt. Und einen Sponsor für die nächste WM 2019 in Hannover haben Teresa, Patrick und Karolin auch schon gefunden. Wir drücken die Daumen!

Hinter jedem Sieger steckt ein ganzes Team…

Hier das Interview mit Patrick Schäfer von den Hohenlohe Allstars:

Seit wann machst Du Terrascaping?

Antwort : Seit Herbst 2017.

Was macht den besonderen Reiz des Terrascapings aus?

Antwort : Es macht Spaß und man kann kreativ sein. Es ist toll kleine Naturausschnitte/Biotope einzurichten und ins Haus zu holen.

Eher Terrascaping oder Terraristik?

Antwort : Mir gefällt beides sehr gut.

Eher Ästhetik oder Biotop?

Antwort : Beim Terrascaping eher Ästhetik und in der Terraristik eher Biotop.

Woher bezieht ihr das Material?

Antwort : Ich kaufe sowohl im örtlichen Handel (Baumarkt/Zoohandel/Pflanzenladen) als auch im Internet, da dort die Technik meistens günstiger ist. Manchmal hole ich mir aber auch Material aus der freien Natur (Moose, Äste, …).

Auf welche Lebensdauer ist ein Terrascape-Becken eingestellt?

Antwort : Solange der Besitzer sich darum kümmert, kann es Jahre stehen.

Welche Beleuchtungstechnik/Technik allgemein?

Antwort : Das kann man nicht verallgemeinern, da jedes Tier seine eigenen Bedürfnisse hat. So braucht z.B. ein Wüstenbecken eine Wärmelampe, während ein Regenwaldbecken eine Beregnungsanlage benötigt. Manche Tiere benötigen unbedingt eine UV-Lampe während andere, z.B. nachtaktive Tiere, nicht zwingend eine UV-Lampe brauchen. Manchmal wird auch eine Wasserpumpe für Wasserläufe/-becken verwendet, z.B. für Froschbecken.

Wie wird der Konflikt zwischen technischen Notwendigkeiten und natürlichem Aussehen gelöst?

Antwort : Indem man die Technik z.B. hinter der Rückwand versteckt oder Blumen so setzt, dass sie die Technik verdecken.

Wie groß ist der tägliche Pflegeaufwand? Fütterung?

Antwort : Auch hier kommt es wieder darauf an, welches Tier gepflegt wird. Bei Schlangen muss man z.B. je nach Art der Schlange nur 1-2 Mal im Monat füttern, während die meisten anderen Tiere täglich gefüttert werden müssen. Auch der Pflegeaufwand richtet sich nach der Art des Tieres und der Einrichtung des Beckens. Ein Regenwaldbecken ist deutlich pflegeaufwendiger als ein Wüstenbecken.

Mehr Infos zur Terrascaping WM auf der Homepage der Aquarien-und Terrarienfreunde Hohenlohe: https://www.aquarienfreunde.de/terrascaping-weltmeister-nano-2018/

Über den Autor Frank Schäfer

Frank Schäfer, geboren 1964, Biologe, seit frühester Jugend Tier- und Pflanzenhalter aus Leidenschaft. Sein besonderes Interesse gilt seit jeher den Fischen, aber Reptilien, Amphibien, Wirbellose, Kleinsäuger und Vögel sowie eine Vielzahl von Pflanzen begeistern ihn ebenso.

Seit 1980 Mitglied im Verein für Aquarien- und Terrarienkunde Hottonia e.V., dort seit 1982 auch immer wieder Vorstandsämter (Gartenwart, Redakteur der Vereinszeitschrift, 1. Schriftführer), seit 1982 Mitglied in der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische (IGL), seit 1992 auch im European Anabantoid Club (EAC). Erste Fachartikel über Pflege und Zucht von Puntius vittatus, Macropodus opercularis, Trionyx ferox und Polypterus senegalus in der Hottonia-Post 1981; erste große Fischfangreise in die Tropen 1983 nach Sumatra, worüber anschließend zahlreiche Aufsätze in der Hottonia-Post, der Zeitschrift „Der Makropode“ und „Das Aquarium“ erschienen; von da an regelmäßig Publikationen in vielen aquaristischen Fachzeitschriften, sowohl national wie auch international. Seither außerdem jährlich mehrere Dia-Vorträge auf nationalen und internationalen Tagungen.

Studium der Biologie in Darmstadt von 1984-1989, Abschluss als Diplom-Biologe mit den Prüfungsfächern Zoologie, Botanik, Ökologie und Psychologie. Diplomarbeit bei Prof. Ragnar Kinzelbach zum Thema „Wirtspezifität der Glochidien von Anodonta anatina“.

Zahlreiche Fang-, Sammel- und Studienreisen in das europäische Ausland, die Türkei, Sambia und vor allem Indien; Forschungsschwerpunkt ist die Süßwasserfischfauna des Ganges mit dem Ziel einer kompletten Revision der Arbeit von Francis Hamilton (1822): An account of the fishes found in the river Ganges and its branches. Edinburgh & London. Wissenschaftliche Erstbeschreibung von Oreichthys crenuchoides und gemeinsam mit Ulrich Schliewen von Polypterus mokelembembe. Wissenschaftliche Besuche und kurzzeitige Arbeiten in den zoologischen Sammlungen von London, Paris, Brüssel, Tervueren, Wien, Berlin, Frankfurt und München.

Seit 1996 bis heute Redakteur bei Aqualog und wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Fischbestimmung bei Aquarium Glaser, Rodgau. In dieser Zeit verantwortlich als Autor oder Co-Autor von über 20 Büchern und über 400 größeren Fachartikeln, nicht nur bei Aqualog, sondern bei nahezu allen deutschsprachigen Fachverlagen, vereinzelt auch in internationalen Publikationen. Seit 2009 Betreuung der Homepage und des Newsletters bei Aquarium Glaser mit 3-5 Posts pro Woche. Nach wie vor leidenschaftlicher Tier- und Pflanzenpfleger, quer durch den Gemüsegarten: Aquaristik (Süß- und Seewasser), Terraristik, Teichpflege, Kleinvögel.

Frank Schäfer ist verheiratet und hat zwei Töchter, die 1989 und 1991 geboren wurden.

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