Eigenmannia – Grüne Messerfische

Die Bestimmung von Grünen Messerfischen war früher ganz einfach: man nannte sie alle Eigenmannia virescens. Und diese Art sollte in dem gesamten Südamerika vorkommen, von Argentinien im Süden bis zum Orinoko im Norden. Max Mapes Ellis revidierte 1913 die Messerfische Südamerikas; er erkannte drei Eigemannia-Arten an: E. macrops, E. virescens und E. troscheli. Letztere Art steht heute in der Gattung Rhabdolichops. Typusart von Eigenmannia ist E. humboldtii; diese Art wurde, genau wie Sternopygus limbatus und S. microstomus, von Ellis zum Synonym von E. virescens erklärt.

Auf dieser Zeichnung aus Ellis 1913 sieht man gut den Unterschied bezüglich der Augengröße von Eigenmannia virescens (links) und E. macrops (rechts).

Dabei – zwei Arten in Eigenmannia, nämlich E. macrops und E. virescens – blieb es bis 1966. Dann beschrieben Lopez & Castello E. trilineata aus dem Rio La Plata. 1994 kam eine weitere Art hinzu, E. nigra. Diese Art beschrieb Mago-Lecchia, der auch weitere Umdeutungen vornahm. Ihm zufolge sind E. humboldtii, E. microstoma und E. limbata vailde, gültige Arten. 1996 kam noch eine höhlenbewohnende Art hinzu, E. vincentespelaea, beschrieben von Triques.

Eigenmannia macrops; Zeichnung aus Ellis (1913)

Noch waren die Grünen Messerfische eine überschaubare Gruppe: die durchsichtigen ohne besondere Zeichnung waren also E. macrops und E. virescens, die man leicht anhand der Augengröße unterscheiden kann – E. macrops hat sehr große Augen. Der Höhlenbewohner ist blind, E. nigra – wie der Name schon sagt – schwarz, E. trilineata hat drei schwarze Linien am Körper: einen über die Körpermitte, zwei knapp über der Afterflosse. E. microstoma wurde kürzlich rückbeschrieben: die Art ist ähnlich zu E. trilineata und hat vier deutliche Längsstreifen über den Körper; sie kommt im Einzug des Rio Sao Francisco in Brasilien vor. Von E. humboldtii existiert eine brauchbare Abblidung aus dem Jahr 1879, allerdings sind hier Farbmerkmale eher zu erahnen als zu erkennen. Von E. limbatus gibt es nur Abbildungen konservierter Exemplare bei Mago-Lecchia.

Bei dieser im Jahr 2012 von Aquarium Glaser aus Paraguay importierten Art dürfte es sich um die 2015 neu beschriebene Art Eigenmannia desantanai handeln.

Ganz kniffelig wird die Situation dadurch, dass von der Art Eigenmannia virescens, der ersten beschriebenen Art der Gattung, zwar eine Abbildung existiert, jedoch niemand weiß, wo das dieser Abbildung zugrunde liegende Tier sich befindet (es gibt also kein Typusexemplar) noch wo es gesammelt wurde. Entdeckt wurde die Art auf einer großen Südamerika-Expedition, die das Pariser Museum 1826-1833 durchführte und auf der Alcide d´Orbignyi in Brasilien, Uruguay, Argentinien, Paraguay, Chile, Bolivien und Peru sammelte. Das Tier könnte also von überall stammen…

Auf dieser Zeichnung aus dem Jahr 1836 beruht die Beschreibung von Eigenmannia virescens.

In den Jahren 2015 und 2016 erschienen zwei Arbeiten über den Eigenmannia-trilineata-Komplex, in denen nicht weniger als 8 neue Arten, alle zur E.-trilineata-Gruppe gehörig und nach Farbmerkmalen am lebenden Tier nicht unterscheidbar, beschrieben wurden! Peixoto et al. (2015) definierten den Eigenmannia-trilineata-Komplex anhand eines einzigen allen Arten gemeinsamen Merkmals, nämlich eines dunklen Streifens entlang der Körpermitte.

Mit einer 2020 erschienenen Arbeit, in der drei weitere Arten des Eigenmannia-trilineata-Komplexes aus der kolumbianischen Region westlich der Anden beschrieben wurden, stieg die Zahl der bekannten Arten des Eigenmannia-trilineata-Komplexes auf 18, die der Arten in Eigenmannia insgesamt auf 25.

Kurz und dick: es ist zur Zeit kaum möglich, lebende Grüne Messerfische sicher auf Artniveau zu bestimmen, zumal die exakte Herkunft von Import-Exemplaren kaum zu ermitteln ist. Darum kann man auch leider nichts sicheres zur Artzugehörigkeit der sehr hübschen, mit einem dunklen Achselfleck gezeichneten Eigenmannia sagen, die gelegentlich aus Kolumbien importiert wird. Es handelt sich zweifellos um einen Angehörigen der E.-trilineata-Gruppe im Sinne von Peixoto et al., vielleicht um E. humboldtii, von dem bislang jedoch kein dunkler Streifen entlang der Körpermitte beschrieben wurde. Man kann die Tiere darum gegenwärtig nur Eigenmannia sp. nennen; im Handel werden sie als E. virescens bezeichnet.

Zeichnung von Eigenmannia humboldtii aus Steindachner, 1879. Man kann einen dunklen Schulterfleck erkennen, ein Merkmal, das bei den anderen bislang bekannten Eigenmannia-Arten nicht auftritt.
Diese hübsche Eigenmannia-Art wird ab und zu aus Kolumbien importiert. Möglicherweise handelt es sich um E. humboldtii, vielleicht aber auch um eine wissenschaftlich noch unbeschriebene Art.

Im Aquarium sind Eigenmannia-Arten sehr schöne und ziemlich problemose Pfleglinge. Man sollte sie in größere Gruppen ab etwa 8 Exemplaren pflegen. Wichtig sind dunkel stehende, sehr reich strukturierte Aquarien, denn Eigenmannia sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Die Vergesellschaftung mit anderen Fischarten will gut überlegt sein. Am besten eignen sich kleinere, friedliche Welsarten. Da Messerfische langsame Fresser sind, darf man sie nicht mit schnellen Salmlern und dergleichen halten. Auch Buntbarsche eignen sich nicht gut, dem aggressiven Verhalten dieser Tiere zur Brutzeit haben die Messerfische nicht viel entgegenzusetzen. Die Wasserwerte (pH und Härte) sind von untergeordneter Bedeutung. Gefressen werden am liebsten Frost- und Lebendfuttersorten. Die Maximallänge von Eigenmannia-Arten liegt bei ca. 30-35 Zentimetern, wobei nur die Männchen diese Größe erreichen, Weibchen bleiben erheblich kleiner; überhaupt bleiben die meisten Eigenmannia-Arten kleiner, aber da man ja nie so ganz genau weiß, welche Art man erwirbt, sollte man mit allem rechnen. Kirschbaum (1982) züchtete bereits diese interessanten Fische nach. Für die Zucht musste eine Trocken- und Regenzeit simuliert werden, damit die Tiere ausreichend stimuliert waren, um miteinander abzulaichen, die Nachzuchttiere der F1 pflanzten sich bereits erheblich williger fort als Wildfänge. Brutpflege üben Eigenmannia nicht aus, sie laichen in Wurzeln von Schwimmpflanzen.

Diese Eigenmannia-Art wurde aus Guyana importiert. Sie gehört eindeutig in die E.-trilineata-Gruppe, doch die Artbestimmung gelang noch nicht.

Literatur:

Herrera-Collazos, E. E., A. M. Galindo-Cuervo, J. A. Maldonado-Ocampo and M. Rincón-Sandoval (2020): Three new species of the Eigenmannia trilineata species group (Gymnotiformes: Sternopygidae) from northwestern South America. Neotropical Ichthyology v. 18 (no. 1) e180085: 1-27

Kirschbaum, F. (1982): Laicht nur in der Regenzeit: der Grüne Messerfisch. Über die Laichperiode von Eigenmannia virescens. Aquarien Magazin 16: 738-742

Mago-Leccia, F. (1994): Electric fishes of the continental waters of America. Caracas, Fundacion para el Desarrollo de las Ciencias Fisicas, Matematicas y Naturales. 1-206, 16 unnumbered tables.

Peixoto, L. A. W. , G. M. Dutra & W. B. Wosiacki (2015): The electric glass knifefishes of the Eigenmannia trilineata species-group (Gymnotiformes: Sternopygidae): monophyly and description of seven new species. Zoological Journal of the Linnean Society 175: 384-414.

Peixoto, L. A. W. & W. B. Wosiacki (2016): Eigenmannia besouro, a new species of the Eigenmannia trilineata species-group (Gymnotiformes: Sternopygidae) from the rio São Francisco basin, northeastern Brazil. Zootaxa 4126 (no. 2): 262-270.

Frank Schäfer


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Über den Autor Frank Schäfer

Frank Schäfer, geboren 1964, Biologe, seit frühester Jugend Tier- und Pflanzenhalter aus Leidenschaft. Sein besonderes Interesse gilt seit jeher den Fischen, aber Reptilien, Amphibien, Wirbellose, Kleinsäuger und Vögel sowie eine Vielzahl von Pflanzen begeistern ihn ebenso.

Seit 1980 Mitglied im Verein für Aquarien- und Terrarienkunde Hottonia e.V., dort seit 1982 auch immer wieder Vorstandsämter (Gartenwart, Redakteur der Vereinszeitschrift, 1. Schriftführer), seit 1982 Mitglied in der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische (IGL), seit 1992 auch im European Anabantoid Club (EAC). Erste Fachartikel über Pflege und Zucht von Puntius vittatus, Macropodus opercularis, Trionyx ferox und Polypterus senegalus in der Hottonia-Post 1981; erste große Fischfangreise in die Tropen 1983 nach Sumatra, worüber anschließend zahlreiche Aufsätze in der Hottonia-Post, der Zeitschrift „Der Makropode“ und „Das Aquarium“ erschienen; von da an regelmäßig Publikationen in vielen aquaristischen Fachzeitschriften, sowohl national wie auch international. Seither außerdem jährlich mehrere Dia-Vorträge auf nationalen und internationalen Tagungen.

Studium der Biologie in Darmstadt von 1984-1989, Abschluss als Diplom-Biologe mit den Prüfungsfächern Zoologie, Botanik, Ökologie und Psychologie. Diplomarbeit bei Prof. Ragnar Kinzelbach zum Thema „Wirtspezifität der Glochidien von Anodonta anatina“.

Zahlreiche Fang-, Sammel- und Studienreisen in das europäische Ausland, die Türkei, Sambia und vor allem Indien; Forschungsschwerpunkt ist die Süßwasserfischfauna des Ganges mit dem Ziel einer kompletten Revision der Arbeit von Francis Hamilton (1822): An account of the fishes found in the river Ganges and its branches. Edinburgh & London. Wissenschaftliche Erstbeschreibung von Oreichthys crenuchoides und gemeinsam mit Ulrich Schliewen von Polypterus mokelembembe. Wissenschaftliche Besuche und kurzzeitige Arbeiten in den zoologischen Sammlungen von London, Paris, Brüssel, Tervueren, Wien, Berlin, Frankfurt und München.

Seit 1996 bis heute Redakteur bei Aqualog und wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Fischbestimmung bei Aquarium Glaser, Rodgau. In dieser Zeit verantwortlich als Autor oder Co-Autor von über 20 Büchern und über 400 größeren Fachartikeln, nicht nur bei Aqualog, sondern bei nahezu allen deutschsprachigen Fachverlagen, vereinzelt auch in internationalen Publikationen. Seit 2009 Betreuung der Homepage und des Newsletters bei Aquarium Glaser mit 3-5 Posts pro Woche. Nach wie vor leidenschaftlicher Tier- und Pflanzenpfleger, quer durch den Gemüsegarten: Aquaristik (Süß- und Seewasser), Terraristik, Teichpflege, Kleinvögel.

Frank Schäfer ist verheiratet und hat zwei Töchter, die 1989 und 1991 geboren wurden.

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