Die Sechzig-Null Tagebücher: Brunnenbau

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Zu meinen Highlights 2016 gehörte sicherlich der Bau meines ersten eigenen Rammbrunnens, für den ich rekordverdächtige drei Tage brauchte. Die Sechzig-Null Tagebücher haben es dokumentiert:

Brunnenbau: die Erste

Nun muss ja auch noch Wasser in den Teich. Auf 60-0 gibt es weder Strom- noch Wasseranschluss. Strom kann man mit Muskelschmalz ersetzen, Wasser aber nicht. Also: ein Brunnen muss her. Ich kaufe eine Komplett-Set und fange an zu bohren. Schon bei 1,5 Meter Tiefe kommt Wasser und zwar so viel, dass an ein Herausziehen des Bohrers nicht mehr zu denken ist. Gemäß der Empfehlung des Brunnenbauer-Set-Verkäufers bohre ich noch einen weiteren Meter und drehe den Bohrer anschließend entgegen der Bohrrichtung wieder heraus. Nun verschraube ich den Ramm-Filterkopf mit zwei Metern Steigrohrleitung und schlage sie ein. Rückschlagventil drauf, Pumpenstock und dann die Schwengelpumpe. Wasser marsch! Aber es kommt nix außer dumpfem Gegurgel.

Schaffe, schaffe, Brunnenbohren. Mit einem solchen Handbohrer geht es in die Tiefe.

Ein Anruf beim Brunnenbauer-Set-Verkäufer ergibt: unter 4 Meter Einschlagtiefe geht das nicht. Hmmm. Blöd. Wie bekommt man den ordentlich verhanften und verschraubten Mist jetzt wieder auseinander? Alleine geht das nicht. Einen Besuch beim Baumarkt später bin ich stolzer Besitzer zweier gewaltiger Rohrzangen. Schon jetzt hat die Aktion erheblich mehr gekostet als geplant, rund 400.- Euro. Mein Bruder muss ran, denn einer muss das Rohr mit der einen Zange halten, der andere mit der anderen Zange schrauben. Extem tricky ist es immer, den Schlagkopf, den man braucht, um das Rohr beim Einschlagen mit dem Vorschlaghammer nicht zu beschädigen, abzubekommen, denn man muss alle 10 Schläge oder so die Verschraubungen nachziehen, die sich unter den Hammerschlägen lockern. Wenn man mit Einschlagen fertig ist und der nächste Meter Rohr aufgeschraubt werden soll, sitzt der Schlagkopf bombenfest. Nach 4 Metern der zweite Pumpversuch. Nur dumpfes Gurgeln. So ein Mist! Bei 5 Meter kommt, das weiß ich, eine gewaltige Granitplatte. Viel Puffer ist da nicht mehr. Es wird dunkel, ich breche ab.

Brunnenbau: die Zweite

Der Bruder kann die nächsten zwei Tage nicht, der hat sich – anders als ich – ja keinen Urlaub genommen. Es muss nun also wieder allein gehen. Das Rohr ist jetzt, inklusive Rammfilter, 4 Meter im Boden. Bei 5 Meter kommt eine Granitplatte. Der Pumpenstock ist 0,5 Meter lang. Also versuche ich jetzt erstmal, mit 4,5 Meter hinzukommen. Rückschlagventil, Pumpenstock, Schlagkopf – und mit einer einzigartigen Mischung aus viel Gefühl und roher Gewalt weiter auf das Gestänge einschlagen. Jeder Zentimeter ist richtig Arbeit! Irgendwann ist auch das geschafft. Schwengelpumpe drauf, angießen – nicht als dumpfes Gegurgel. Was mir durch den Kopf geht ist nicht jugendfrei.

Schon nach 1,5 m stoße ich auf eine wasserführende Schicht, die eine weitere Benutzung des Bohrers unmöglich macht.

Was nun? Mehr als 5 Meter wird nicht gehen! Ich muss den letzten Meter Rohr als Pumpenstock nehmen, anders geht es nicht. Um den ursprünglichen Pumpenstock abzubekommen, klemme ich die eine Rohrzange am Rückschlagventil mit den Knien fest und schraube mit der zweiten am Pumpenstock. Das tut an den Knien echt fies weh, geht aber schließlich. Nun schraube ich meinen letzten Meter Rohr auf. Schlagkopf drauf. Und hämmern. Und hämmern. Und hämmern. Für den halben Meter brauche ich fast eine Stunde, unfassbar. Aber schließlich ist es vollbracht. Ich bekomme den Schlagkopf mit Müh und Not ab und schraube die Schwengelpumpe auf. Angießen. Anpumpen – schon bei der zweiten Pumpbewegung merke ich, dass da was nicht stimmt, irgendwo zieht das Gestänge Luft. Ich drehe an der Pumpe, um eine eventuell gelockerte Schraubverbindung wieder anzuziehen, da ist es passiert: die Pumpe dreht lose. Ich hebe an. Das Rückschlagventil hat die Schläge nicht ausgehalten und ist quer durchgebrochen. Was mir durch den Kopf geht ist überhaupt nicht jugendfrei.

Und jetzt? Aufgeben? Kommt nicht in Frage! Aber den ersten Versuch muss ich als gescheitert akzeptieren. An die Stelle mit dem gebrochenen Rückschlagventil komme ich nicht mehr ran, das kann ich komplett vergessen. In der Zwischenzeit kommt das Ordnungsamt vorbei. Was ich denn da treiben würde? Besorgte Mitbürger vermuteten, ich würde illegal Müll entsorgen. Ok, das ist schnell geklärt und ich erfahre vom Herrn vom Ordnungsamt, dass dieser mein 60-0 selbst noch vor zwei Jahren gemäht hatte. Es würde zu weit führen, jetzt alles wiederzugeben, was wir besprachen, aber der entscheidende Tipp von ihm ist: das Grundwasser ist seines Erachtens oberflächennah und die Schicht, die ich in 1,5 Meter Tiefe getroffen habe, könnte durchaus schon die Wasserführende sein.

Alla hopp. Ich also in den Baumarkt, einen neuen Rammfilter, ein neues Rückschlagventil und zwei weitere Meter Steigrohr gekauft. Kommt jetzt auch nicht mehr drauf an. Erdbohrer rein, alles wie gehabt, ich bohre nur einen halben Meter neben dem aufgegebenen Loch und nutze den Aushub, um selbiges wieder aufzufüllen. Wieder Wasser bei 1,5 Metern Tiefe. Wieder bohre ich einen weiteren Meter tief und versuche dabei, so gut wie möglich den Boden zu lockern. Rammfilter und zwei Meter Steigrohr zusammengeschraubt und eingeschlagen. Pumpe drauf (diesmal ohne Extra-Rückschlagventil im Steigrohr, ich beschränke mich auf das dornartige in der Schwengelpumpe), angegossen – erst dumpfes Gurgeln – dann kommt endlich Wasser!!!!!!

Das verbessert meine Laune aber mal ganz erheblich! Ich schraube die Schwengelpumpe wieder ab, montiere „richtiges“ Rückschlagventil (das die Entlleerung des Steigrohrs und der Schwengelpumpe ohne Demontage der ganzen Pumpe während Frostzeiten möglich macht) und Pumpenpstock. Schlagkopf drauf. Ganz sachte hämmere ich mit dem Vorschlaghammer das Ganze einen weiteren halben Meter rein, damit ich den Fuß für die Schwengelpumpe auch benutzen kann, der ist schließlich gekauft und bezahlt. Schwengelpumpe drauf, angießen, anpumpen. Nur dumpfes Gurgeln. Was mir durch den Kopf geht ist sowas von nicht jugendfrei. Es wird dunkel, ich breche ab.

Brunnenbau: die Dritte

Ich habe schlecht geschlafen. Meine Laune ist nicht gut. Offenbar ist die wasserführende Schicht, an die ich rankann, nur sehr dünn. Folgendes habe ich mir ausgedacht: ich klemme zwei Dachlatten mit Schraubzwingen so am Steigrohr fest, dass ich die Hebelkraft nutzen kann, um das Gestänge zentimeterweise zu heben und zu senken. Den Versuch, von unten mit dem Vorschlaghammer an den Schwengelpumpenfuß zu hauen und das Gestänge so wieder im Bohrloch anzuheben, gebe ich schleunigst auf, als ein Stück des gusseiserenen Fußes der Schwengelpumpe abbricht. Die Dachlatten-Konstruktion funktioniert hingegen ausgezeichnet. Mittels eines kleinen Stuhls vom Sperrmüll und sechs übereinandergestapelten Dachlatten probiere ich nun aus, wie tief das Rohr maximal im Boden sein darf, bevor der Rammfilter in wasserundurchlässigem Lehm steckt. Ein Stück Dachrinne leitet das mühselig gepumpte Wasser in den kleinen Teich. Ich kann immer nur 5-10 Liter Wasser fördern, dann saugt der Rammfilter Luft und ich muss wieder 10 MInuten warten, damit genug Wasser nachläuft, um erneut pumpen zu können. Naja, mühsam nährt sich das Eichhörnchen, wenig Wasser ist immer noch besser als gar kein Wasser.

Mit dieser brillanten Konstruktion (© Frank Schäfer!) konnte ich das Brunnengestänge zentimeterweise anheben oder absenken und so die optimale Position für den Sandfilter oberhalb der wasserundurchlässigen Lehmschicht finden.

Nächstes Jahr geht es weiter auf Sechzig-Null. Bis dahin wünsche ich allen viel Schaffenskraft, Gesundheit und einen erfolgreichen und glücklichen Start in das Neue Jahr!

Frank Schäfer

Wie alles begann? Lesen Sie hier: https://www.aqualog.de/blog/die-sechzig-null-tagebuecher-von-frank-schaefer/ und hier: https://www.aqualog.de/blog/die-sechzig-null-tagebuecher-2-der-erste-teich/

 

Über den Autor Frank Schäfer

Frank Schäfer, geboren 1964, Biologe, seit frühester Jugend Tier- und Pflanzenhalter aus Leidenschaft. Sein besonderes Interesse gilt seit jeher den Fischen, aber Reptilien, Amphibien, Wirbellose, Kleinsäuger und Vögel sowie eine Vielzahl von Pflanzen begeistern ihn ebenso.

Seit 1980 Mitglied im Verein für Aquarien- und Terrarienkunde Hottonia e.V., dort seit 1982 auch immer wieder Vorstandsämter (Gartenwart, Redakteur der Vereinszeitschrift, 1. Schriftführer), seit 1982 Mitglied in der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische (IGL), seit 1992 auch im European Anabantoid Club (EAC). Erste Fachartikel über Pflege und Zucht von Puntius vittatus, Macropodus opercularis, Trionyx ferox und Polypterus senegalus in der Hottonia-Post 1981; erste große Fischfangreise in die Tropen 1983 nach Sumatra, worüber anschließend zahlreiche Aufsätze in der Hottonia-Post, der Zeitschrift „Der Makropode“ und „Das Aquarium“ erschienen; von da an regelmäßig Publikationen in vielen aquaristischen Fachzeitschriften, sowohl national wie auch international. Seither außerdem jährlich mehrere Dia-Vorträge auf nationalen und internationalen Tagungen.

Studium der Biologie in Darmstadt von 1984-1989, Abschluss als Diplom-Biologe mit den Prüfungsfächern Zoologie, Botanik, Ökologie und Psychologie. Diplomarbeit bei Prof. Ragnar Kinzelbach zum Thema „Wirtspezifität der Glochidien von Anodonta anatina“.

Zahlreiche Fang-, Sammel- und Studienreisen in das europäische Ausland, die Türkei, Sambia und vor allem Indien; Forschungsschwerpunkt ist die Süßwasserfischfauna des Ganges mit dem Ziel einer kompletten Revision der Arbeit von Francis Hamilton (1822): An account of the fishes found in the river Ganges and its branches. Edinburgh & London. Wissenschaftliche Erstbeschreibung von Oreichthys crenuchoides und gemeinsam mit Ulrich Schliewen von Polypterus mokelembembe. Wissenschaftliche Besuche und kurzzeitige Arbeiten in den zoologischen Sammlungen von London, Paris, Brüssel, Tervueren, Wien, Berlin, Frankfurt und München.

Seit 1996 bis heute Redakteur bei Aqualog und wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Fischbestimmung bei Aquarium Glaser, Rodgau. In dieser Zeit verantwortlich als Autor oder Co-Autor von über 20 Büchern und über 400 größeren Fachartikeln, nicht nur bei Aqualog, sondern bei nahezu allen deutschsprachigen Fachverlagen, vereinzelt auch in internationalen Publikationen. Seit 2009 Betreuung der Homepage und des Newsletters bei Aquarium Glaser mit 3-5 Posts pro Woche. Nach wie vor leidenschaftlicher Tier- und Pflanzenpfleger, quer durch den Gemüsegarten: Aquaristik (Süß- und Seewasser), Terraristik, Teichpflege, Kleinvögel.

Frank Schäfer ist verheiratet und hat zwei Töchter, die 1989 und 1991 geboren wurden.

Ein Kommentar zu “Die Sechzig-Null Tagebücher: Brunnenbau

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