Nachzucht im Meerwasser-Aquarium: Die Herausforderung!

Eine der wichtigsten Herausforder­ungen der modernen Riffaquaristik ist, die im Aquarium gehaltenen Organismen nicht nur erfolgreich über Jahre hinweg zu pflegen, sondern sie auch zu vermehren.

Versuchen Sie es doch auch einmal:

Die Zucht des Anemonen­fisches Amphiprion ocellaris

Anemonenfische und ihre Anemonen ge­hören seit langem mit zu den be­lieb­testen Aquarienbewohnern. Ihr ­Sym­biose­leben mit den z.T. pracht­vollen, farbigen Anemonen, die schau­keln­den Bewegungen sowie ihr clowneskes Ver­halten in ihrem Terri­torium machen sie so außerordentlich populär und fas­zinierend. Im Rahmen dieses kleinen Artikels können nicht alle Anemonenfische und deren Wirte beschrieben werden. Das Ablaich- und Brutpflegeverhalten unter­scheidet sich bei den einzelnen Amphi­prion– Arten auch nur geringfügig.

Amphiprion ocellaris

Das Zuchtpaar

Die Auswahl der Tiere für unsere Zucht ist relativ einfach. Sofern wir nicht das Glück haben, ein ge­schlechts­reifes Paar erwerben zu können, besorgen wir uns von A. ocellaris ein größeres und ein kleineres Fischchen. Da alle Ane­mo­nen­fische als Männchen geboren werden, die dominanten und größeren Tiere sich aber zum Weib­chen entwickeln, ist bei unserem Aus­wahl­-v­erfahren die Wahr­scheinlichkeit, ein später harmonisi­erendes Pärchen zu besitzen, sehr gut. Zu unserem A. ocellaris passen viele Wirts­ane­mo­nen, z.B. Heteractis magnifica, Sticho­dac­tyla gigantea u.a. Ein 200-Liter-Aquarium mit allen bekannten aqua­ristischen Anforderungen ist für unser Zuchtpaar mit Anemone ausreichend.

Junge Tiere werden nach ca. 1–1,5 Jah­ren geschlechtsreif. Bei bereits er­wach­senen Amphiprion vergehen nach meinen Beobachtungen bis zu den ersten Ablaichvorbereitungen unter guten Bedingungen etwa 4–6 Mo­nate. In dieser Zeit müssen die Tiere bestens mit einem ab­wechs­lungs­reichen Menüplan der be­kann­ten Frost­futtersorten versorgt werden.

Da das Eltern/Ablaichbecken na­tür­lich bezüglich Filterung, Bodengrund und Strö­mungs­verhältnissen normal aus­gestattet ist, das aber für Jungfische ganz und gar nicht zuträglich ist (frische Brut verträgt z.B. keinerlei Wasserströmung), muß ein sogenanntes „Schlüpfbecken“ mit einem Volumen von ca. 100 Litern vor­bereitet werden. Dieses enthält zu­nächst gar nichts, außer einer ent­sprechen­den Heizung und Licht (über eine Schaltuhr gesteuert). Die Mög­lich­keit, das Becken komplett rund­herum abdunkeln zu können, z.B. schwarzer Karton o. ä., brauchen wir ebenfalls. Des weiteren noch einen Aus­strömer­stein mit Schlauch und einer kleinen Membran­luftpumpe.

Etwa 4 Monate alte Nachzuchten von Amphiprion ocellaris in einer Anemone

Ohne Plankton geht es nicht: Die Kultur von Phyto- und Zooplankton

Gute Amphiprion-Zuchtpaare laichen über längere Zeit im 10–14 Tage-Rhyth­mus ab. Zur Fütterung der Jung­fische werden während der ersten 6–10 Tage nicht unerhebliche Mengen Plank­ton gebraucht. Das Phytoplankton (grünes Wasser) be­steht aus der winzigen einzelligen Dunaliella-Alge. Dieses Plankton wird von den ebenfalls winzigen Zoo­plank­ton-Organismen Brachionus ge­fres­sen, und von ihnen wiederum er­nähren sich unsere geschlüpften Ane­monen­fische bis sie in der Lage sind, „Krebsartige“ (Artemia) zu verdauen. Die Schwierigkeit mit den Plankton­kul­turen besteht am Anfang darin, zum richtigen Zeitpunkt die Kulturen in ausreichender Menge zur Verfü­gung zu haben. Aber das ist alles Übungssache! Ein entscheidender Faktor beim Phyto­plankton ist das Licht. Dauerlicht (24 h) mit einem Tageslichtspektrum, z.B. OSRAM-Leuchtstoffröhren Licht­farbe 11 oder 12, auch HQL-Strahler sind gut geeignet.

Für ein ca. 5 DM-Stück großes Gelege, welches etwa 200–300 Jungfische ent­halten kann, werden in den ersten 6–10 Tagen zwischen 40–60 Liter Plankton von jeder Sorte be­nötigt. Eine tägliche Planktonzugabe (Brachionus) ins Auf­zucht­becken, ca. 3 mal 2 Liter, je nach Larvendichte, ist erforderlich. Die Tiere müssen praktisch immer im Futter stehen. Entsprechende Glas­be­hälter mit o.g. Volumen sollten Sie für die Kultur zur Verfügung haben.

Plank­ton­ansätze (jeweils 1 Liter) reichen zu Be­ginn aus; allerdings sind diese An­sätze nicht immer so einfach zu be­schaffen. Entsprechende Anfragen im Zoo­fachhandel, bei Züchtern oder Zoos werden nötig sein. Folgende Praktik der Planktonkultur hat sich bei mir bewährt: 4 Ganzglasbecken mit den Maßen 60 x 40 x 40 cm werden etwa 10 cm hoch mit Meerwasser doppelten Salz­ge­haltes gefüllt, mit 1 Liter Algen­kultur versetzt und mit einem 80 W/HQL-Strahler 24 Stunden be­leuch­tet. Bei diesem hohen Salzgehalt stirbt alles Zooplankton ab, während sich das Phytoplankton weiterentwickelt. Nachdem diese Kultur nach etwa 1 Woche eine hellgrüne Farbe ent­wickelt hat (26°–30°C) wird das Becken mit Süßwasser aufgefüllt bis ein normaler Salzgehalt erreicht ist. Nun leicht belüften! Hat durch weitere Ent­wicklung die Kultur eine sattgrüne Farbe angenommen, wird dem Ansatz Zoo­plankton zugeben.

Das Zoo­plankton (Brachionus) vermehrt sich in wenigen Tagen zu einer hohen Dichte und kann dann z.B. mit einem Meß­becher zum Verfüttern entnommen werden.

Phytoplanktonkulturen

Wann ist es soweit?

Gute Aquarianer/innen sind auch gute Beobachter/innen! So werden Sie schnell am Verhalten Ihrer Fischchen merken, daß „etwas im Busch ist“. Stundenlang und gründlich wird der ausgesuchte Ablaichplatz meist von beiden Partnern geputzt, bis sich dann beim Weibchen die Le­ge­röhre zeigt und sie gleitend nach und nach die Eier anheftet. Ab­wechselnd besamt das Männchen das vor­handene Gelege und das Weib­chen legt wieder neue Eier hinzu. Das erste Gelege kann u.U. relativ klein sein, bis die folgenden dann nach meh­reren Bruten einen Durchmesser von 6–8 cm erreichen werden. Mein Tip: Nehmen Sie das erste Gelege nicht heraus. Benutzen Sie dieses, um Er­fahrung zu sammeln; d.h. beobachten Sie, wie die Eltern damit umgehen, wie die Embryos sich in welchem Zeit­rahmen entwickeln, wann die Augen zu sehen sind und wie ihre Be­we­gun­gen kurz vor dem Schlupf immer deut­licher und heftiger werden.

Im Aufzuchtaquarium drängen sich die Jungfische bei Beunruhigung dicht zusammen.

Jürgen Brei

Teil 2 folgt…

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