Phago boulengeri

Es gibt Fischarten, die nur auf besondere Bestellung und/oder in sehr kleiner Stückzahl importiert werden, da sie doch sehr spezielle Gewohnheiten haben. Dazu zählen die flossenfressenden Phago-Arten Afrikas. Flossenfressen ist eine ziemlich weit verbreitete Ernährungsform im Fischreich. Es handelt sich dabei schließlich um eine nachwachsende Ressource und es ist besser, die Kuh zu melken, statt sie zu schlachten.

Phago boulengeri

Aber selbstverständlich ist die Fütterung solcher Nahrungsspezialisten recht aufwändig und man muss auch dafür sorgen, dass die als Flossenspender genutzten Goldfische nicht über Gebühr strapaziert werden. Der Biss selbst ist für die Goldfische offenbar völlig schmerzlos, denn sie zeigen auch danach keinerlei Fluchtverhalten vor dem flossenfressenden Phago. Der Biss ist sehr glatt, die gestutzte Flosse sieht aus, als sei sie mit einer sehr scharfen Schere bearbeitet worden. Die Flossen regenerieren sich binnen ca. 2 Wochen wieder vollständig.


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Die Bilder zeigen einen solchen Flossenfresser, einen etwa 10 cm langer Phago boulengeri aus dem Kongo, und wie er sich arttypisch ernährt.

Im Aquarium nehmen die Phago-Arten nach relativ kurzer Zeit auch “normales” Futter in Form lebender Daphnien und Roter Mückenlarven, später auch gefrosteter Roter Mückenlarven und dann weiterer Frostfuttersorten an. Aber zumindest während einer Eingewöhnungszeit von zwei bis drei Wochen muss man damit rechnen, dass frisch importierte Tiere auf natürliche Nahrung bestehen.

Die Bisskante ist absolut glatt. Mehr als 1-2 Bisse pro Exemplar sollte man den Futter-Goldfischen nicht zumuten, auch wenn diese Bisse den Goldfischen nicht weh tun. Die Flossen regenerieren wieder vollständig.

Das Flossenfressen aufgeben tun Phago-Arten nie. Eine Pflege in Gesellschaft ist darum ausgeschlossen. Es ist eine interessante Frage, wie Phago-Arten ihre Artgenossen erkennen und das Flossenfressen dann unterdrücken; denn täten sie es nicht, gäbe es ja keine kleinen Phagos mehr…

Frank Schäfer

Über den Autor Frank Schäfer

Frank Schäfer, geboren 1964, Biologe, seit frühester Jugend Tier- und Pflanzenhalter aus Leidenschaft. Sein besonderes Interesse gilt seit jeher den Fischen, aber Reptilien, Amphibien, Wirbellose, Kleinsäuger und Vögel sowie eine Vielzahl von Pflanzen begeistern ihn ebenso.

Seit 1980 Mitglied im Verein für Aquarien- und Terrarienkunde Hottonia e.V., dort seit 1982 auch immer wieder Vorstandsämter (Gartenwart, Redakteur der Vereinszeitschrift, 1. Schriftführer), seit 1982 Mitglied in der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische (IGL), seit 1992 auch im European Anabantoid Club (EAC). Erste Fachartikel über Pflege und Zucht von Puntius vittatus, Macropodus opercularis, Trionyx ferox und Polypterus senegalus in der Hottonia-Post 1981; erste große Fischfangreise in die Tropen 1983 nach Sumatra, worüber anschließend zahlreiche Aufsätze in der Hottonia-Post, der Zeitschrift „Der Makropode“ und „Das Aquarium“ erschienen; von da an regelmäßig Publikationen in vielen aquaristischen Fachzeitschriften, sowohl national wie auch international. Seither außerdem jährlich mehrere Dia-Vorträge auf nationalen und internationalen Tagungen.

Studium der Biologie in Darmstadt von 1984-1989, Abschluss als Diplom-Biologe mit den Prüfungsfächern Zoologie, Botanik, Ökologie und Psychologie. Diplomarbeit bei Prof. Ragnar Kinzelbach zum Thema „Wirtspezifität der Glochidien von Anodonta anatina“.

Zahlreiche Fang-, Sammel- und Studienreisen in das europäische Ausland, die Türkei, Sambia und vor allem Indien; Forschungsschwerpunkt ist die Süßwasserfischfauna des Ganges mit dem Ziel einer kompletten Revision der Arbeit von Francis Hamilton (1822): An account of the fishes found in the river Ganges and its branches. Edinburgh & London. Wissenschaftliche Erstbeschreibung von Oreichthys crenuchoides und gemeinsam mit Ulrich Schliewen von Polypterus mokelembembe. Wissenschaftliche Besuche und kurzzeitige Arbeiten in den zoologischen Sammlungen von London, Paris, Brüssel, Tervueren, Wien, Berlin, Frankfurt und München.

Seit 1996 bis heute Redakteur bei Aqualog und wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Fischbestimmung bei Aquarium Glaser, Rodgau. In dieser Zeit verantwortlich als Autor oder Co-Autor von über 20 Büchern und über 400 größeren Fachartikeln, nicht nur bei Aqualog, sondern bei nahezu allen deutschsprachigen Fachverlagen, vereinzelt auch in internationalen Publikationen. Seit 2009 Betreuung der Homepage und des Newsletters bei Aquarium Glaser mit 3-5 Posts pro Woche. Nach wie vor leidenschaftlicher Tier- und Pflanzenpfleger, quer durch den Gemüsegarten: Aquaristik (Süß- und Seewasser), Terraristik, Teichpflege, Kleinvögel.

Frank Schäfer ist verheiratet und hat zwei Töchter, die 1989 und 1991 geboren wurden.

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