Laub im Aquarium (6): Die Weide

Weiden werden oft als so genannte Kopfweiden geschnitten. So erhält man jährlich neue, dünne Zweige für Korbgeflecht.

”Die” Weide gibt es eigentlich gar nicht. Weiden (botanisch: Salix) sind eine Gattung von Sträuchern und Bäumen, die mit etwa 450 Arten in den gemäßigten Breiten der Nordhalbkugel vorkommen, hinzu kommen noch zahlreiche Hybriden. Die Tropen mögen Weiden nicht, nur wenige Arten kommen dort vor.

Weiden wachsen als Gebüsch oder Baum

Manche Weiden sind nur winzig klein, in der Pflanzenkunde Ungeschulte erkennen sie kaum als Gehölz: die Zwerg- oder Strauchheide (Salix herbacea), die der Vater der wissenschaftlichen Namens- gebung von Tieren und Pflanzen, Carl von Linné, als den kleinsten aller Bäume bezeichnete. Die Zwergweide kommt bei uns nur noch in den Alpen vor, sie ist ein Überbleibsel der Eiszeit.

Die Trauerweide wird sehr oft als Parkbaum gepflanzt. Ihr Laub lässt sich gut verwenden.

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Wichtige Medizinpflanze

Andere Weiden-Arten gehören hingegen zu den häufigsten Gehölzen in Mitteleuropa überhaupt. Und sie gehören zu den am meisten verwendeten Medizinpflanzen der Neuzeit, auch wenn die meisten Menschen keine Ahnung davon haben, dass sie einen Wirkstoff der Weidenrinde zu sich nehmen, wenn sie Aspirin schlucken. Und doch steckt das Wort ”Weide (=Salix)” noch im Wirkstoff des Aspirin: Acetyl-Salicyl-Säure. Allerdings wird heutzutage dieser Wirkstoff künstlich hergestellt. Weidenrinde wurde als Medikament gegen Schmerzen, Entzündungen, Fieber etc. bereits in vorgeschichtlicher Zeit von Jägern und Sammlern verwendet. Lagoni (1999) führt folgende Anwendungen von Weidenrinde in der Volksmedizin an: Blutungen (innerlich und äußerlich), Durchfall, Erbrechen, Darmkatarrh, Ruhr, Fiebermittel, Beruhigungsmittel bei sexueller Übererregbarkeit, Empfängnisverhütung, Gicht, Blasengries und -steine, Hautwunden, Geschwüre, Skrofeln, Knoten, Warzen, Milz- und Leberschmerzen, Lungen- und Halserkrankungen, Nervenleiden, Angstzustände, Rheuma- und Gelenkschmerzen – kurz, man benutzte Weidenrinde fast universell.

Blätter einer Silberweide

Da die häufigsten Weidenarten in feuchten Böden und entlang von Gewässern wachsen, schloss man schon in der mittelalterlichen Signaturenlehre (nach der der Schöpfergott den Heilpflanzen ein Zeichen gegeben hat, woran der Mensch erkennen kann, wogegen das Kraut gewachsen ist), dass in Weiden ein Mittel gegen ”Sumpffieber” enthalten sein müsse.

Silberweiden kommen überall häufig vor

Magischer Baum

In allen vorchristlichen europäischen Religionen waren Gewässer heilig und wurden von niederen Gottheiten bewacht und bewohnt. Zudem waren Bäume Stellvertreter der Gottheiten. Die Weide galt z.B. als Baum der Demeter (der Erdgöttin), als Mondbaum und hohle Weiden als Übergang zur Anderswelt.

Abgestorbene Weiden wirken etwas unheimlich

Verwendung im Aquarium

Über die medizinische Wirkung von Weidenrinde und -laub im Aquarium gibt es keine wissenschaftlichen Untersuchungen. Da Weiden aber an den meisten Gewässern wachsen, gehört Weidenlaub zu den am häufigsten in natürlichen Gewässern der Nordhalbkugel vorhandenen Laubsorten. Der Tee-Kräutermischung (https://www.aqualog.de/blog/suesswasser/heilkraeuter-fuer-fische/) kann man auch ein paar grüne Weidenblätter zufügen. Sehr attraktiv sind Weidenwurzeln im Aquarium. An Ufern, wo Weiden wachsen, kann man sie leicht selbst sammeln. Sie müssen nur gut gereinigt werden, dann können sie direkt in das Aquarium. Die blutroten Weidenwurzel kann man herrlich mit grünen Moosen bepflanzen. Die Fische lieben es! Wer mag, kann aus fingerdicken Weidenaststücken auch bewurzelte Ableger ziehen und die Wurzeln ins Aquarium hängen lassen, was ebenfalls sehr attraktiv ist.

Weiden wachsen oft in Gewässernähe

Frank Schäfer

Literatur:
Lagoni, N. (1999): Weidenrinde – ein arzneilicher Grundstoff. pp. 74-79 in Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) (Hrg.) (1999): Beiträge zur Silberweide. LWF Wissen Band 24, 92 pp.

Über den Autor Frank Schäfer

Frank Schäfer, geboren 1964, Biologe, seit frühester Jugend Tier- und Pflanzenhalter aus Leidenschaft. Sein besonderes Interesse gilt seit jeher den Fischen, aber Reptilien, Amphibien, Wirbellose, Kleinsäuger und Vögel sowie eine Vielzahl von Pflanzen begeistern ihn ebenso.

Seit 1980 Mitglied im Verein für Aquarien- und Terrarienkunde Hottonia e.V., dort seit 1982 auch immer wieder Vorstandsämter (Gartenwart, Redakteur der Vereinszeitschrift, 1. Schriftführer), seit 1982 Mitglied in der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische (IGL), seit 1992 auch im European Anabantoid Club (EAC). Erste Fachartikel über Pflege und Zucht von Puntius vittatus, Macropodus opercularis, Trionyx ferox und Polypterus senegalus in der Hottonia-Post 1981; erste große Fischfangreise in die Tropen 1983 nach Sumatra, worüber anschließend zahlreiche Aufsätze in der Hottonia-Post, der Zeitschrift „Der Makropode“ und „Das Aquarium“ erschienen; von da an regelmäßig Publikationen in vielen aquaristischen Fachzeitschriften, sowohl national wie auch international. Seither außerdem jährlich mehrere Dia-Vorträge auf nationalen und internationalen Tagungen.

Studium der Biologie in Darmstadt von 1984-1989, Abschluss als Diplom-Biologe mit den Prüfungsfächern Zoologie, Botanik, Ökologie und Psychologie. Diplomarbeit bei Prof. Ragnar Kinzelbach zum Thema „Wirtspezifität der Glochidien von Anodonta anatina“.

Zahlreiche Fang-, Sammel- und Studienreisen in das europäische Ausland, die Türkei, Sambia und vor allem Indien; Forschungsschwerpunkt ist die Süßwasserfischfauna des Ganges mit dem Ziel einer kompletten Revision der Arbeit von Francis Hamilton (1822): An account of the fishes found in the river Ganges and its branches. Edinburgh & London. Wissenschaftliche Erstbeschreibung von Oreichthys crenuchoides und gemeinsam mit Ulrich Schliewen von Polypterus mokelembembe. Wissenschaftliche Besuche und kurzzeitige Arbeiten in den zoologischen Sammlungen von London, Paris, Brüssel, Tervueren, Wien, Berlin, Frankfurt und München.

Seit 1996 bis heute Redakteur bei Aqualog und wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Fischbestimmung bei Aquarium Glaser, Rodgau. In dieser Zeit verantwortlich als Autor oder Co-Autor von über 20 Büchern und über 400 größeren Fachartikeln, nicht nur bei Aqualog, sondern bei nahezu allen deutschsprachigen Fachverlagen, vereinzelt auch in internationalen Publikationen. Seit 2009 Betreuung der Homepage und des Newsletters bei Aquarium Glaser mit 3-5 Posts pro Woche. Nach wie vor leidenschaftlicher Tier- und Pflanzenpfleger, quer durch den Gemüsegarten: Aquaristik (Süß- und Seewasser), Terraristik, Teichpflege, Kleinvögel.

Frank Schäfer ist verheiratet und hat zwei Töchter, die 1989 und 1991 geboren wurden.

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